Großer Teil des Aktienumsatzes soll vollautomatisch laufen
NYSE plant radikale Reform

Die New Yorker Börse (NYSE) hat sich selbst eine Radikalkur verordnet. Gestern kündigte NYSE-Chef John Thain eine umfassende Reform des weltgrößten Aktienmarkts an. Künftig soll ein größerer Teil des Aktienumsatzes vollautomatisch über das NYSE-eigene Computersystem Direct Plus laufen.

tmo NEW YORK. Damit steht die NYSE vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Denn seit 1792 setzte die Börse fast ausschließlich auf den Parketthandel. Dabei führen Händler und so genannte Specialists (vergleichbar dem deutschen Skontroführer) Kauf- und Verkaufsaufträge per Hand zusammen.

Als Zukunftsmodell beschrieb Thain gestern bei einer Pressekonferenz einen „hybriden Markt, der die Geschwindigkeit des vollautomatischen Handels bietet und gleichzeitig die Vorteile des Parkettsystems bewahrt“. Für elektronische Handelssysteme spricht, dass sie Standardaufträge in Sekundenbruchteilen abwickeln. Die Stärke des Parketts liegt darin, dass Händler Kursschwankungen durch Eigeneintritt dämpfen.

NYSE-Chef Thain will sämtliche Umsatzgrenzen und sonstige Schranken beseitigen, die bislang das Direct-Plus-System bremsen. Außerdem will er erstmals in der NYSE-Geschichte vom so genannten Bestpreis-Prinzip abweichen. Danach dürfen elektronische Orders nicht ausgeführt werden, wenn ein Händler einen günstigeren Kurs bietet als der Computer. Im Sinne einer schnellen Orderabwicklung will Thain kleinere Kursabweichungen von bis zu neun US-Cents erlauben.

Einige Händler und Specialists, denen die NYSE gehört, betrachten die Reform skeptisch. Sie leben von den Kommissionen des Parketthandels. „Veränderung ist immer schwierig, aber wir werden uns anpassen“, sagte Ted Weisberg, Gründerchef der Handelsfirma Seaport Securities, dem Handelsblatt.

Thain betonte dagegen, institutionelle Investoren verlangten die Elektronisierung. „Wenn wir diesen Wunsch nicht erfüllen, werden diese Kunden auf andere Märkte ausweichen“, warnte er. Zuletzt verlor die NYSE Marktanteile an Computerbörsen wie Nasdaq, Arca-Ex und Instinet. Um seine Reform umzusetzen, braucht der NYSE-Chef die Zustimmung der US-Börsenaufsicht SEC. Außerdem muss er die Software der Börse und aller angeschlossenen Händler umrüsten, was seinen Angaben zufolge sechs bis zwölf Monate dauern wird.

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