Großer Verfall Porsche, VW und der Tanz mit den Hexen

Der Tag der Entscheidung rückt näher. Wenn am Freitag der sogenannte Hexensabbat ansteht, könnten umfangreiche Optionsgeschäfte von Porsche mit VW-Aktien auslaufen. Mit enormen Folgen für beide Autohersteller. Für Porsche geht es um alles.
Auch Porsche-Boss Wendelin Wiedeking wird gespannt auf den Freitag warten. Quelle: dpa

Auch Porsche-Boss Wendelin Wiedeking wird gespannt auf den Freitag warten.

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HB STUTTGART. Am Freitag steht an den Terminbörsen der sogenannte Hexensabbat an. Besonders unsicher sind Börsianer mit Blick auf Volkswagen-Aktien. Umfangreiche Optionsgeschäfte von Porsche mit VW-Aktien könntenauslaufen. Am Verfallstermin kann es generell zu Kursverwerfungen kommen. Anleger versuchen dann häufig, die Kurse in eine für sie günstige Richtung zu bewegen.

Der Sportwagenbauer Porsche gibt sich gelassen. "Wegen des Hexensabbat erwarten wir keine negativen Einflüsse auf unsere Liquidität", bekräftigte ein Firmensprecher frühere Aussagen. Weder Porsche noch die Partner-Banken seien an der Terminbörse Eurex aktiv, daher habe der Verfallstag für Optionen, Indizes und Terminkontrakte keine Auswirkungen auf das Unternehmen. Porsche hat sich mittels komplexer Optionsgeschäfte einen bedeutenden Anteil an dem deutlich größeren Autobauer Volkswagen gesichert. Der hoch verschuldete Sportwagenbauer hält bereits 51 Prozent an dem Wolfsburger Konzern.

Analysten sehen dagegen durchaus die Gefahr, dass Porsche unter Zugzwang und in finanzielle Engpässe geraten könnte, sollten zahlreiche Banken dem Unternehmen mit Blick auf den Verfall massenhaft Aktien von VW andienen, die sie im Zuge von Optionsgeschäften mit Porsche halten. Einigen Börsianern zufolge drohen Porsche zu Wochenschluss im schlimmsten Fall milliardenschwere Verluste. Diese Kalkulationen stellen allerdings nur grobe Schätzungen anhand von Bilanzdaten dar, da Porsche die Börse über die komplexe Struktur der in den vergangenen Jahren im Zuge des VW-Einstiegs getätigten Options- und Kurssicherungsgeschäfte im Unklaren lässt.

Am Terminmarkt werden Börsendaten zufolge am Freitag Kontrakte auf VW mit einem Volumen von rund 64 Millionen Aktien fällig. Das entspricht gut 20 Prozent der Stimmrechte des Wolfsburger Autobauers - und damit in etwa jenem Stimmrechtsanteil, auf den Porsche sich eigenen Angaben zufolge den Zugriff gesichert hat. Porsche hatte im Herbst seine Absicht offengelegt, mit VW einen Beherrschungsvertrag abschließen und daher 75 Prozent der Stimmrechte erwerben zu wollen.

Diese Mitteilung hatte ein Kursfeuerwerk ausgelöst und die knapp gewordenen VW-Stämme auf mehr als 1000 Euro das Stück hochgetrieben. Denn Porsche war damals schon im Besitz von knapp 42,6 Prozent der VW-Stämme und hatte sich über Optionsgeschäfte günstige Kaufkurse für weitere 31,5 Prozent der Stimmrechte gesichert.

Bei Auflösung dieser sogenannten cash-gesettelten Optionen würde Porsche die VW-Aktien günstiger erhalten, da der Autobauer die Differenz zwischen dem aktuellen Volkswagen-Kurs und dem darunter liegenden Absicherungskurs ausbezahlt bekäme. Über die Höhe des Optionsbesitzes, des Absicherungskurses sowie die Laufzeit der Geschäfte schweigt sich das Unternehmen bis dato aus. Experten gehen nach der Analyse der Halbjahresbilanz davon aus, dass Porsche zahlreichen Banken im Gegenzug zur Kurssicherung Verkaufsoptionen auf VW-Aktien zu einem festen Bezugspreis verkauft hat.

Die Terminkontrakte könnten am Freitag verfallen, sofern sie nicht von Porsche gegen Gebühren verlängert werden. Porsche dürfte wegen seiner angespannten Finanzlage derzeit kaum in der Lage sein, weitere VW-Stämme zu erwerben. Analysten befürchten daher, dass die Banken bei Nichtverlängerung der Kontrakte ihre Verkaufsoptionen bei Porsche einlösen und der Autobauer die angedienten Aktien daher zum fixierten Preis kaufen muss.

Sollte der Kurs der VW-Stammaktien am Freitag im Zuge des massenhaften Aktienverkaufs unter den - unbekannten - Bezugspreis fallen, würde Porsche beim Ankauf jeder Aktie einen Verlust machen. Zudem könnten Porsche dann Abschreibungen auf den Buchwert des in den vergangenen dreieinhalb Jahren zusammengekauften VW-Aktienpakets in Höhe von 51 Prozent drohen. Analysten schätzen die Bezugspreise der Termingeschäfte in einer breiten Spanne auf 100 bis 130 Euro. Am Dienstag lag der Kurs der VW-Stämme bei 232 Euro.

"Unserer Einschätzung nach wird am Freitag nichts dramatisches passieren", schreibt Analyst Christian Breitsprecher von Sal. Oppenheim in einer Mitteilung an die Kunden. Wenn die Optionsgeschäfte nicht verlängert würden, dann werde dies bereits vor Freitag zu einem Kurssturz bei den VW-Stammaktien führen.

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