Grüne begrüßen den Gesetzenwurf
Börsenfirmen sollen Managergehälter offen legen

Die knapp 1 000 deutschen Börsenunternehmen sollen nach dem Willen der Bundesregierung gesetzlich gezwungen werden, künftig die individuellen Bezüge ihrer Spitzenmanager offenzulegen.

HB BERLIN. Allerdings sieht der Gesetzesentwurf der Regierung vor, dass Firmen auf die Offenlegung verzichten können, sofern dies auf der Hauptversammlung von drei Vierteln der anwesenden Aktionäre gestützt wird. Nach dem am Freitag von Justizministerin Brigitte Zypries vorgelegten Gesetzentwurf sollen auch die individuellen Bezüge ehemaliger Vorstandsmitglieder in den Geschäftsberichten genannt werden müssen. Als einen Grund, weshalb sie von der bisherigen freiwilligen Selbstverpflichtung zur Offenlegung nun auf eine gesetzliche Regelung umgestiegen sei, nannte Zypries: „Wir haben eine harte Fraktion derer (unter den Unternehmen), die sagen, wir machen das auf keinen Fall.“ Außerdem hätten sich nicht genügend Börsenfirmen freiwillig zur Offenlegung der Managergehälter entschlossen.

Der mit der SPD-Fraktion abgestimmt Gesetzentwurf dürfte nach Zypries Worten in zwei Monaten im Kabinett zur Entscheidung stehen und könnte in der zweiten Jahreshälfte 2005 in Kraft treten. Die Grünen begrüßten den Entwurf. Da keine Rückwirkung geplant sei, dürfte das neue Gesetz erstmals für Abschlüsse des Geschäftsjahres 2006 zur Anwendung kommen, sagte Zypries. Gesetzliche Regelungen zur Höhe der Managergehälter, die immer wieder in der Diskussion sind, lehnte Zypries ab.

Der Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, Gerhard Cromme, stärkte Zypries den Rücken: „Die Entscheidung der Ministerin, Eckpunkte eines Gesetzentwurfs vorzulegen, nach dem die Managergehälter individualisiert offen zu legen sind, ist konsequent.“ Die Kommission hat Verhaltensnormen für mehr Transparenz in der Unternehmensführung erarbeitet. Die von Zypries wiederholt genannte Quote von 80 bis 90 Prozent der deutschen Börsenfirmen, die sich freiwillig zur Offenlegung entscheiden müssten, sei trotz Fortschritten nicht erreicht worden. „Von daher ist es folgerichtig, dass die Ministerin eine gesetzliche Regelung auf den Weg bringt.“

Zypries begründete ihren Schritt ähnlich. Bei der Offenlegung der Managergehälter gehe es ihr nicht darum, einer Neiddiskussion neue Nahrung zu geben, es gehe um die Stärkung der Aktionärsrechte. Im Übrigen sei die Offenlegung Praxis in den meisten Industrieländern, wie etwa den USA. Das so genannte „Opting-Out“- Regelung, mit der die Aktionäre eines Unternehmen die Offenlegung verhindern können, sei aber einzigartig. Auch das belege, dass es vorrangig um Aktionärsrechte gehe.

Seite 1:

Börsenfirmen sollen Managergehälter offen legen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%