Grundsätze zur Finanzmarktkommunikation
Richtig reden zahlt sich aus

Wenn Unternehmen Fehler bei der Finanzmarktkommunikation machen, dann ist dies häufig nicht die Schuld der zuständigen Investor Relations (IR) Abteilungen, sondern der Vorstände selbst. Zu diesem Ergebnis kommt eine bisher in dieser Zusammensetzung einmalige Gruppe von Investoren, Analysten, Unternehmen und Beratern.

FRANKFURT. Um den Bereich Finanzmarktkommunikation effektiver zu gestalten und Fehler zu vermeiden, hat die Arbeitsgruppe Grundsätze erarbeitet, die börsennotierten Gesellschaften helfen sollen, in Zukunft deutlich besser mit Investoren und Analysten zu kommunizieren (siehe „Die sechs Dimensionen des Kommunizierens“ am Endes des Artikels).

„Ein IR-Manager kann nur so gut sein, wie der Vorstand es zulässt“, sagt Ralf Frank, Geschäftsführer des Analystenverbandes DVFA. Aus diesem Grund berichteten Investoren und Analysten immer wieder von Situationen, die die Zusammenarbeit mit Unternehmen erschweren. Nach Ansicht von Markus Plümer, Chef-Analyst bei der WestLB, werden Fehler häufig dann begangen, wenn große strategische Veränderungen in einem Unternehmen anstehen, beispielsweise durch Zukäufe oder die Neugliederung einzelner Bereiche. Eher holprig sei z.B. die Kommunikation Infineons mit dem Kapitalmarkt bei der Abspaltung der Chiptochter Qimonda verlaufen. „Positiv ragte dabei zuletzt die Commerzbank bei der Übernahme der Eurohypo heraus“, lobt Plümer. Die Bank habe es geschafft, die Vorteile der für den Kapitalmarkt sehr überraschenden Übernahme in all ihren Facetten erfolgreich zu kommunizieren.

Dabei zeichnen sich gerade die Dax-Werte mit ihren personell gut ausgestatteten IR–Abteilungen noch durch eine überdurchschnittlich gute Kommunikationsarbeit aus. Deutlich spärlicher fließen Informationen bei kleinen und mittleren Aktiengesellschaften. „Hier gibt es in der Praxis tatsächlich Riesenunterschiede“ bemängelt Susan Levermann, Fondsmanagerin bei derDWS. Gerade deswegen sei es wichtig, diesen im Bereich IR häufig relativ unerfahrenen Unternehmen Grundsätze an die Hand zu geben, an denen sie sich orientieren könnten.

Verbesserungen erhoffen sich Investoren und Analysten künftig auch beim Thema Gleichbehandlung. Die geloben viele Firmen zwar bei jeder Gelegenheit. In der Praxis komme es jedoch immer wieder vor, dass beispielsweise ein Unternehmen nur positiv gestimmte Analysten in sein Testzentrum einlädt und dort Prototypen vorstellt. „Die Benachteiligung von skeptischen Analysten und Investoren geschieht durch den Einsatz subtiler Mittel, wie die Steuerung der Gesprächszeit mit dem Vorstand oder sehr geringe Detailtiefe angebotener Informationen bei Nachfrage“, berichtet Plümer.

Die Qualität der IR-Arbeit eines Unternehmens wird nach Ansicht der Experten häufig erst dann deutlich, wenn das Unternehmen dem Kapitalmarkt negative Nachrichten vermitteln muss. „ Wirklich gute IR-Arbeit zeigt sich dann, wenn auch in Krisensituationen die Kommunikation aufrecht erhalten wird“, sagt Ralf Frank.

Sechs Gebote

Marktorientierung: Nicht nur Fragen der Investoren werden beantwortet, sondern auch deren Hinweise werden berücksichtigt.

Gleichbehandlung: Positive oder negative Berichterstattung wird nicht belohnt oder bestraft.

Wesentlichkeit: Bei Gerüchten existieren bekannte Sprachregeln.

Nachvollziehbar: Die Struktur von Berichten wird nur in begründeten Fällen geändert.

Kontinuität: Abrupte Veränderungen in der Kommunikation werden vermieden.

Erwartungen: Das Unternehmen soll überoptimistische Aussagen zum eigenen Geschäft vermeiden.

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