Händler: „Systemkrise droht“
Deutsche Börse: VW-Aktie bleibt im Dax

Die Deutsche Börse will die VW-Aktie trotz der seit Wochenbeginn erneut exorbitanten Kurssteigerungen im Leitindex Dax lassen. "Es gibt keinerlei Überlegungen, VW aus dem Dax zu nehmen. Solange fünf Prozent der Aktien im Streubesitz sind, gibt es dazu keine Veranlassung", sagte ein Sprecher des Marktbetreibers am Dienstag

HB FRANKFURT. Gemäß des Regelwerks der Deutschen Börse gebe keine Hinweise auf Rechtsverstöße, die eine Herausnahme rechtfertigten, hieß es weiter. Auch eine Änderung der Dax-Regularien sei nicht geplant. Am Markt dagegen regten sich immer mehr Händler darüber auf, dass das deutsche Börsenbarometer durch eine einzige Aktie zurzeit derart verfälscht wird. "Das Verhalten der Deutschen Börse ist unverantwortlich", sagte einer von ihnen. Alle anderen Aktien im Dax würden anscheinend ohne Rücksicht auf Verluste verkauft, nur um Aktien von Volkswagen finanzieren zu können.

So sprang die Stammaktie des Wolfsburger Autobauers am Vormittag um 73,07 Prozent auf 899,95 Euro hoch und war zeitweise sogar mehr als 1 000 Euro wert, während der Großteil der anderen Dax-Werte teils kräftige Verluste verbuchte. Zudem war die VW bereits am Montag um knapp 150 Prozent gestiegen.

Wegen der extremen Kursverluste aller anderen Dax-30-Titel am Montag und zum Teil auch an diesem Tag, vermuten Händler, dass von einigen Marktteilnehmern wohl "Löcher gestopft" werden müssten. Wer bei VW auf dem falschen Fuß erwischt worden sei und auf fallende Kurse spekuliert hätte, müsse nach der Porsche-Anteilsaufstockung am Sonntag nun die Aktien zu jedem Preis zurückkaufen, um seine Verluste zu begrenzen. Nach Marktinformationen waren zwölf bis 15 Prozent der VW-Anteile ausgeliehen und mussten zurückgekauft werden. So steigt und steigt der Kurs, da der VW-Aktienanteil im Streubesitz sehr gering geworden ist. Neben dem Land Niedersachsen, das 20 Prozent besitzt und dem Sportwagenhersteller Porsche, der über Aktien und auch Optionen letztlich bereits 74,1 Prozent an VW hält, gibt es daher am Markt allenfalls rund sechs Prozent VW-Stammaktien.

Leerverkäufer kalt erwischt

Die Vorgeschichte dazu beginnt im Jahr 2005/06, als zunächst viele Marktteilnehmer mit Bekanntwerden des Porsche-Interesses an VW auf steigende VW-Kurse setzten, die mit Übernahmevorhaben in der Regel stets einhergehen. Mit der Zeit positionierten sich dann wohl auch vermehrt Marktteilnehmer, die die Grenze des Kursanstiegs als erreicht ansahen und wieder Kursrückgänge erwarteten. Eine solche Strategie, die insbesondere von Hedgefonds gefahren wird, erschien logisch. Doch die Rechnung ging dieses Mal nicht auf. Es wurde ungedeckt auf fallende Kurse gewettet, also die VW-Aktie zu einem bestimmten Termin in der Zukunft an einen anderen Marktteilnehmer verkauft, ohne das Papier im Depot allerdings zu haben. Auf Verlangen des Käufers ist der Verkäufer zur Lieferung der Aktie verpflichtet und besitzt er es nicht, muss er sie eben über den Markt kaufen, egal zu welchem Kurswert.

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