Haftstrafe gefordert
Deutscher Bankdaten-Dieb soll in Schweiz ins Gefängnis

Ein deutscher Computer-Spezialist soll als Leiharbeiter bei der Schweizer Bank Julius Bär Kundendaten gestohlen haben. Diese verkaufte er an deutsche Steuerbehörden – und beglich damit seine Steuerschulden.
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ZürichEin Computer-Spezialist, der bei der Schweizer Vermögensverwaltungsbank Julius Bär Kundendaten gestohlen und an deutsche Steuerbehörden verkauft haben soll, muss sich auf eine längere Haftstrafe gefasst machen. Die Bundesanwaltschaft fordert eine Gefängnisstrafe von drei Jahren, die zur Hälfte zur Bewährung ausgesetzt werden soll, wie die Schweizer Nachrichtenagentur sda am Dienstag berichtete.

Der aus Deutschland stammende Mann ist geständig und mit dem Strafmaß einverstanden. Sein Fall wird deshalb in einem abgekürzten Verfahren behandelt, bei dem es im Wesentlichen darum geht, dass das Bundesstrafgericht das zwischen dem Angeklagten und der Bundesanwaltschaft ausgehandelte Strafmaß genehmigt. Der Prozess soll am 22. August an einem einzigen Tag über die Bühne gehen.

Der Mann, der im Sommer des vergangenen Jahres nach einer Anzeige der Bank Bär verhaftet wurde, gab nach Angaben der Bundesanwaltschaft zu, gestohlene Daten von rund 2700 aus Deutschland stammenden reichen Bär-Kunden über einen Mittelsmann für 1,1 Millionen Euro an deutsche Steuerbehörden verkauft zu haben.

Den größten Teil des Geldes soll er dazu verwandt haben, Steuerschulden in Deutschland zu begleichen. 200.000 Euro habe er in die Schweiz mitgenommen und 220.000 Euro soll er seinem Mittelsmann, einem pensionierten deutscher Steuerfahnder, überlassen haben. Bei der Bank Bär war er als Leiharbeiter tätig. Er soll auch versucht haben, den niederländischen Behörden Bär-Kundendaten zu verkaufen.

Der in der Schweiz lebende Mann, dem neben der Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses auch Geldwäsche und Wirtschaftsspionage vorgeworfen wird, rückte bereits am 1. März freiwillig ins Gefängnis ein und hat bereits sechs Monate abgesessen. Ein Verfahren gegen seine Frau wurde eingestellt. Gegen den deutschen Ex-Steuerfahnder ermitteln die Schweizer weiter.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das Strafgesetzbuch sieht (zumindest in Deutschland) nur die Klagen gegen Privatpersonen vor, da nur diese in den Knast wandern können.

    Die strafrechtliche Verfolgung von Unternehmen und Behörden ist deshalb nicht möglich, wohl deren Mitarbeiter/Bedienstete.

    Ist der Name eines Finanzbeamten erst einmal bekannt, so kann er strafrechtlich verfolgt werden und der Vorgesetzte sich nicht nach dem Vorwurf der Strafvereitelung im Amt selbst strafbar machen will.

    Die Erfahrung zeigt aber, dass die Staatsanwaltschaften dennoch nicht ermittelt und das Verfahren einstellen. Soweit die Rechtstaatlichkeit in der Bundesrepublik - und dies nicht nur im Fall Mollath.

  • Der Kommentar "steckte 37 Minuten fest".

  • An dieser Stelle warte ich immer noch auf die Veröffentlichung meiner Kommentierung. (16.08.2013, 17:30)

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