Hamburg und Düsseldorf

Regionalbörsen verhandeln über Hochzeit

Die Hamburger Börse und der Handelsplatz in Düsseldorf sprechen über ein Zusammengehen. Das bestätigten die Chefs beider Börsen dem Handelsblatt. Doch noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern.
Update: 21.09.2016 - 16:14 Uhr Kommentieren
Die Düsseldorfer Wertpapierbörse soll offenbar durch die Hamburger Börse übernommen werden. Quelle: Imago
Börse Düsseldorf

Die Düsseldorfer Wertpapierbörse soll offenbar durch die Hamburger Börse übernommen werden.

(Foto: Imago)

FrankfurtNicht nur große Börsen können fusionieren: Neben der geplanten Mega-Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange gibt es auch bei den Regionalbörsen Bewegung. Die Trägergesellschaften der Börse in Hamburg und Düsseldorf verhandeln über einen Zusammenschluss. Das bestätigten die Chefs beider Börsen am Mittwoch dem Handelsblatt. „Es gibt Gespräche auf der Trägerebene“, sagte Dirk Elberskirch, der Vorstandschef der Börse Düsseldorf. „Die Möglichkeiten werden geprüft, noch gibt es aber keine konkreten Ergebnisse“. Die Börse in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt wird von der Börse Düsseldorf AG gehalten, die Börsen AG ist Träger der Börsen in Hamburg und Hannover.

Auch die Hanseaten bestätigen die Gespräche: „Wir prüfen die Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit, konkrete Ergebnisse gibt es aber noch nicht“ sagt Börsen-AG-Chef Hendrik Janssen.

Die „Rheinische Post“ hatte als erstes über die Gespräche berichtet. Demnach wolle die Hamburger Börse ihr Pendant in Düsseldorf übernehmen. Eine Vorentscheidung sei schon vor der Sommerpause gefällt worden.

Die größten Börsenbetreiber der Welt
Platz 10: BM&F Bovespa
1 von 10

Die Bedeutung der brasilianischen Börse hat in den vergangenen Monaten stark gelitten. Das Land steckt tief in der Rezession. Neben den hausgemachten Problemen lastet auch die globale Konjunktureintrübung auf dem südamerikanischen Schwellenland. Die Börse in Brasilien hat sich dementsprechend katastrophal entwickelt. Auf Jahressicht hat der Bovespa über 15 Prozent verloren. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung reicht es deswegen nur für den zehnten Platz.

Marktkapitalisierung: 4,6 Milliarden Euro*

*Stand: 23. Februar 2016

Platz 9: Singapore Exchange
2 von 10

Die Singapore Exchange ist 1999 aus der Fusion der Stock Exchange of Singapore und der Singapore International Montary Exchange hervorgegangen. Insgesamt sind knapp 800 Unternehmen an der Börse in Singapur gelistet.

Marktkapitalisierung: 5,0 Milliarden Euro

Platz 8: ASX
3 von 10

Der Preisverfall an den Rohstoffmärkten hat auch Australien hart getroffen. Vor allem die Geschäfte mit dem Hauptabnehmer China verlaufen schleppend. Die jahrelang glänzend verlaufenden Geschäfte im Eisenerzhandel sind nicht mehr so gewinnbringend. Auf Jahressicht hat die ASX knapp 15 Prozent verloren. Das ging an der Marktkapitalisierung nicht spurlos vorbei.

Marktkapitalisierung: 5,3 Milliarden Euro

Platz 7: Japan Exchange Group
4 von 10

Die Börse in Tokio hat ein lange Geschichte. Gegründet wurde sie 1878. Seit 1999 gibt es keinen Parketthandel mehr, sondern nur noch den elektronischen Börsenhandel. Neben dem Tokyo Stock Exchange existierte noch die Osaka Securities Exchange, 2011 fusionierten sie. Die Japan Exchange Group ging 2013 an den Start und ist laut Marktkapitalisierung die siebtgrößte der Welt.

Marktkapitalisierung: 7,6 Milliarden Euro

Platz 6: Nasdaq
5 von 10

Die Nasdaq startete im Februar 1971 als vollelektronische Handelsplattform. Ihre ganz große Zeit hatte die Nasdaq in den 90er-Jahren. Inzwischen muss sie hart um Marktanteile kämpfen. Das Wahrzeichen der Börse im Herzen New York ist die Wand mit Bildschirmen. Hinsichtlich der Marktkapitalisierung liegt die Nasdaq zwar noch vor der Japan Exchange Group, doch der Abstand zu den Spitzenplätzen ist groß.

Marktkapitalisierung: 9,5 Milliarden Euro

Platz 5: London Stock Exchange
6 von 10

Die London Stock Exchange (LSE) könnte bald mit der Deutschen Börse fusionieren. Das Interesse der Deutschen ist allerdings nicht neu. Bereits 2004 buhlten die Deutsche Börse um die LSE. Damals scheiterten die Verhandlungen, weil den Londonern das Angebot zu niedrig war. Die LSE ist mit 3000 handelnden Unternehmen aus über 70 Ländern der internationalste aller Handelsplätze und über 300 Jahre alt.

Marktkapitalisierung: 12,2 Milliarden Euro

Platz 4: Deutsche Börse
7 von 10

Bei einem Zusammenschluss könnte das fusionierte Unternehmen aus Deutscher Börse und LSE zu einem der größten Börsenbetreiber der Welt aufsteigen. Aktuell liegen die Deutschen schon auf Platz 4.

Marktkapitalisierung: 15,9 Milliarden Euro

Die Übernahme habe sich im Umfeld der Börse herumgesprochen, schrieb die „Rheinische Post“. Die Übernahme würde die Bedeutung des Düsseldorfer Finanzplatzes um ein Vielfaches schwächen, hieß es weiter. Der Hamburger Börsenchef Janssen will das so nicht stehen lassen. Denn unabhängig vom Ergebnis der Verhandlungen stehe ein wichtiger Punkt bereits fest: „Egal, wie die Fusion am Ende umgesetzt wird, die Börse in Düsseldorf wird fortbestehen.“

Verglichen mit der Frankfurter Börse spielen die Regionalbörsen in Deutschland nur noch eine geringe Rolle. Die Börse Düsseldorf beschäftigt aktuell 14 Mitarbeiter, die Pendants in Hamburg und Hannover rund 20. Beide Unternehmen sind damit deutlich kleiner als Marktführer Deutsche Börse, der auf über 5000 Beschäftigte kommt. Da die Frankfurter auch den Großteil der Handelsumsätze auf sich ziehen, suchen ihre Konkurrenten in Deutschland ihr Heil in der Nische, beispielsweise mit speziellen Produkten für Privatanleger.

Doch die Handelsplätze in Düsseldorf und Hamburg haben eine lange Tradition: Die 1558 gegründete Hamburger Börse gilt als älteste aktive Börse in Deutschland. Ihr Düsseldorfer Pendant wurde 1875 als Rheinisch-Westfälische Börse zu Düsseldorf von Kaufleuten gegründet. Und am 15. April 1946 wurde hier nach dem Zweiten Weltkrieg zum ersten Mal wieder gehandelt.

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