Handelssaal wird neu eröffnet: Börse bekommt ihr Parkett wieder

Handelssaal wird neu eröffnet
Börse bekommt ihr Parkett wieder

Am Montag öffnet die Frankfurter Börse ihren frisch renovierten Handelssaal. Der dürfte noch lange wie neu aussehen – der Parketthandel spielt im Zeitalter der Elektronik kaum noch eine Rolle. Der Börsensaal selbst hingegen sehr wohl.

HB FRANKFURT. Die Deutsche Börse hat ihr Parkett wieder: Am Montag kehren die Aktienhändler in den renovierten Handelssaal im Herzen Frankfurts zurück. Börsenchef Reto Francioni höchstpersönlich hat sich angekündigt, um den Handelstag mit der traditionellen Börsenglocke einzuläuten. Doch bald nach dem Festakt wird es wieder ruhiger werden in dem Prestigebau aus dem 19. Jahrhundert. Seit dem Siegeszug des elektronischen Handels dient der Saal vor allem als Kulisse für Fernsehkameras. Die Diskussion, den kaum noch bedeutenden Parketthandel aufzugeben, dürfte allerdings zunächst verstummt sein, nachdem die Börse Millionen in den Umbau des Saales gesteckt hat.

„Wir wollen den modernen Parketthandel weiterentwickeln“, hatte der für den Umbau zuständige Deutsche-Börse-Manager Rainer Riess zu Beginn der Arbeiten Anfang Oktober vergangenen Jahres verkündet. Teils futuristisch kommt denn auch das neue Design des Handelssaales daher: So soll beispielsweise eine 2,20 Meter hohe Leuchtsäule ständig die neuesten Zahlen der Finanzmärkte abbilden. Die knapp 70 Kursmakler erhalten großzügigere Arbeitsplätze in Form runder Inseln. Auch Lichttechnik und Klimaanlage wurden bei der ersten größeren Renovierung seit Ende der 80er Jahre erneuert und - natürlich - das Parkett: Kerngeräucherte Eiche bedeckt künftig einen Wust aus Kabeln.

Zwar hat der Frankfurter Parketthandel nur noch geringe wirtschaftliche Bedeutung - in diesem Januar beispielsweise betrug sein Anteil am gesamten börslichen Aktienhandel in Deutschland rund sieben Prozent. Doch trotz des Übergewichts der elektronischen Handelsplattform Xetra setzte sich beim Frankfurter Marktbetreiber die Erkenntnis durch, dass das Parkett für die Außendarstellung des Handelsplatzes eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. „Die Börse braucht auch ein Gesicht - und das ist dieser große Handelssaal“, sagt der Fernsehjournalist Frank Lehmann, der jahrelang kurz vor der „Tagesschau“ live vom Frankfurter Parkett berichtete und Millionen von Zuschauern Unternehmenszahlen und Dax-Kurven erklärte.

Zwar findet auch Lehmann, dass das Frankfurter Parkett „in erster Linie ein Mediensaal“ ist. Der Großteil des Börsengeschehens wird längst in der Neuen Börse im Frankfurter Vorort Hausen per Computer abgewickelt. Doch auch dem Parkett gibt Lehmann eine Zukunft: „So ist wenigstens ein bisschen Leben in der Bude: Die Menschen müssen Börse auch mit Menschen verbinden können, nicht nur mit Computern.“ Francionis Vorgänger Werner Seifert hätte das Parkett am liebsten ganz abgeschafft und das komplette Geschäft elektronisch abgewickelt. Keine andere Börse setzte so früh auf den elektronischen Handel wie Frankfurt - Xetra ist heute das Rückgrat der Deutschen Börse AG. „Seifert hoffte, dass jemand auf dem Parkett das Licht ausknipst“, erinnert sich der Leiter Wertpapierhandel der Privatbank Hauck & Aufhäuser, Fidel Helmer. Seit 1970 arbeite Helmer am Finanzplatz Frankfurt. „Damals war die Börse ein Kommunikationszentrum, dort trafen sich die Größen der Frankfurter Finanzwelt“, sagt er. „Die persönliche Kommunikation blieb im Zuge der Technisierung ziemlich auf der Strecke.“

In der Tat: Das Geschrei der Händler im Frankfurter Börsensaal ist längst verstummt. Auch auf dem Parkett werden Aufträge per Computer oder Telefon abgewickelt. Früher war es laut und hektisch am Arbeitsplatz von Dirk Müller. „Das fehlt heute schon, die Rennerei, der Parketthandel wie man ihn früher kannte mit dem Geschrei“, sagt der Aktienmakler. Mehr als heute seien an der Börse damals nicht nur Wertpapiere, sondern auch Informationen gehandelt worden. Gegen den Branchenspott, die wenigen verbliebenen Händler auf dem Parkett seien nur noch Statisten für die Börsenberichte der Fernsehanstalten, wehrt sich Müller. „Wir sind aktive Marktteilnehmer und sogar näher am Markt und an den Kunden als eine Maschine: Wenn zum Beispiel die Order eines Kunden nicht ins normale Muster passt, etwa weil der Kunde sich vertippt hat, können wir das durch einen Anruf klären.“ Bei aller Modernisierung ging der Umbau des Handelsaales denn auch nicht ganz ohne Zugeständnisse an die Tradition über die Bühne: Die an Flughäfen erinnernde, alte Anzeigentafel mit ihrem typischen „Geklacker“ der Zahlen und Buchstaben blieb erhalten.

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