Handelssegment Latibex umfasst mittlerweile 31 Titel
Börse Madrid entdeckt Lateinamerika-Aktien

Als an der Börse Madrid im Jahr 1999 die Idee einer europäischen Börse für Aktien aus Lateinamerika verwirklicht wurde, waren zwar alle Finanzexperten begeistert, aber nur wenige südamerikanische Unternehmen wagten zunächst den Sprung an den neuen Handelsplatz in Südeuropa.

scm MADRID. Dazu trugen auch die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise in Argentinien sowie die politischen Unruhen in Venezuela bei, die kurz nach dem Start des Latibex genannten Segments begannen. Zudem gab es wenige spanische Broker, die wirklich Interesse daran hatten, sich mit dem neuen Markt zu beschäftigten.

Spätestens in diesem Jahr hat die Latibex, die eng mit der Londoner FTSE-Gruppe zusammenarbeitet, jedoch den Durchbruch geschafft. 31 Werte aus sieben Ländern notieren inzwischen in Madrid, darunter der mexikanische Telekomkonzern Telmex und der brasilianische Ölriese Petrobras. 50 sollen es den ursprünglichen Planungen zufolge mal werden. „In diesem Jahr werden noch drei weitere Unternehmen aus Mexiko hinzukommen“, kündigt Latibex-Chef Jesús González gegenüber dem Handelsblatt an, ohne dass er allerdings zum jetzigen Zeitpunkt bereits Namen nennen kann.

In den vergangenen zwölf Monaten legte der alle Werte umfassende FTSE-Latibex-All-Share-Index 28 Prozent zu. Darin spiegelt sich naturgemäß die grundsätzlich positive Entwicklung der Märkte in Lateinamerika wider, deren Vertreter an der Latibex notiert werden. Analyst Jonas González vom Madrider Broker Renta 4 rechnet damit, dass diese steigende Tendenz anhält: „Bis Ende des Jahres rechne ich damit, dass hier noch mal 20 Prozent draufkommen.“ Die derzeitig Krise der brasilianischen Börse, die auch den Latibex in den vergangenen Wochen runtergezogen hat, hält er in diesem Zusammenhang nur für vorübergehend.

Doch im Vergleich zu der nicht abebbenden Begeisterung der spanischen Unternehmer für den südamerikanischen Kontinent – allein in den 90er Jahren haben sie dort über 100 Mrd. Euro investiert – ist das tägliche Handelsvolumen am Latibex mit rund drei Mill. Euro immer noch sehr gering. Zum Vergleich: Das Madrider Traditionsparkett kommt täglich auf 1,5 Mrd. Euro. Latibex-Chef González hofft nun, dass durch den Eintritt von mehr Brokern in den Markt sowie neuen Unternehmen, auch die Privatanleger mehr Vertrauen in das Latino-Segment gewinnen: „Sie haben keinen Grund zu zögern. Unsere Preise sind sehr gut. Es gibt kaum noch einen Unterschied zwischen den Heimatbörsen und unserem Parkett.“

Um den Madrider Handelsplatz noch attraktiver zu machen, hat González im Februar diesen Jahres einen neuen Index, den FTSE-Latibex-Top, mit einer Kapitalisierung von rund 22,7 Mrd. Euro lanciert. Der Top-Index umfasst die 15 größten und liquidesten Titel des Latibex. Derzeit notiert der Top-Index bei rund 1 300 Punkte, im April kam er sogar kurzzeitig auf 1 600 Punkte. „Für dieses Jahr rechne ich mit 1 400 Punkten“, sagt Renta-4-Analyst Jonas González.

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