Handelsstörungen
Einige Börsen kapitulieren vor der Krise

Die extremen Schwankungen an den Aktienmärkten spüren Anleger nicht nur durch Kursverluste. An zahlreichen Börsen wurde der Handel in der Krise kurzzeitig ausgesetzt. In Deutschland blieben Aktienkäufer hiervon verschont. Zertifikatekäufern hingegen blieb der Zugang zum Markt vielfach verwehrt.

DÜSSELDORF. Die weltweite Finanzkrise hat sich längst zu einer gewaltigen Börsenkrise ausgewachsen. Weltweit flüchten die Anleger aus Aktien und anderen Risikopapieren - sofern sie es können. In den letzten Tagen häufen sich die Meldungen über Handelsaussetzungen in verschiedenen Ländern. Mal sind es einzelne Aktien, mal werden ganze Handelsplätze zeitweise dicht gemacht. Und betroffen sind nicht nur weniger entwickelte Märkte in Schwellenländern wie Indonesien und Thailand, wo die geringe Liquidität zu chaotischen Bewegungen führen kann. Auch etablierte Börsen kapitulieren vor den Turbulenzen.

Die meiste Geduld mussten diese Woche die Anleger in Moskau mitbringen. Nahezu täglich wurde der Handel im in Rubel notierten Micex-Index und im Dollar-basierten RTS unterbrochen. Und zwar nicht nur, als die Kurse in den Keller gingen, sondern zum Teil auch bei stark steigenden Notierungen. Ein großes Problem des Moskauer Marktes ist, dass russische Pensionsfonds keine Aktien kaufen dürfen. Mit dem Rückzug der internationalen Investoren von der lokalen Börse ist die Liquidität damit enorm dünn. Die chaotische Politik von Finanzaufsicht und Börse, die Börse mal zu, dann wieder auf und schließlich doch wieder zu zu machen, stieß dennoch bei den Marktteilnehmern auf Unverständnis. Das "Stop and Go" an den Märkten untergrabe das Vertrauen in sie zusätzlich, schreiben die Experten von Unicredit. Die Unterbrechung der Geschäfte an der Börse könne auch nicht verhindern, dass Investoren Aktien verkaufen wollen.

Notbremse in Wien

Am Freitag wurde in Moskau gar nicht gehandelt. Damit erging es den Marktteilnehmern dort noch schlechter als in Wien. Hier wurde der Handel "nur" für mehrere Stunden gestoppt und am Mittag wieder aufgenommen. Für die Börse in der österreichischen Hauptstadt war es in der Geschichte allerdings das erste Mal, das sie die Notbremse ziehen musste. Nach dramatischen Kursabstürzen in den vergangenen Tagen und dramatischen Abwärtsbewegungen im vorbörslichen Handel entschieden sich die Wiener allerdings für den Schritt. Den Verkaufsdruck nahm das allerdings nicht aus dem Markt. Kurz nach Wiederöffnung um 12 Uhr rauschte der ATX wieder nach unten und fiel um mehr als zehn Prozent, ehe eine leichte Gegenbewegung einsetzte.

In anderen europäischen Ländern hielten die Börsenbetreiber den Handel trotz der gewaltigen Verluste aufrecht. In den vergangenen Tagen waren unter anderem an der Pariser Börse die Geschäfte kurzzeitig gestoppt worden. In Mailand hatte die Börse einzelne Aktien wie die der Großbank Unicredit vom Handel ausgesetzt.

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