Handelstechnik
Leerverkauf für jedermann

Die Onlinebank Cortal Consors bietet als erstes großes Institut auch für Kleinanleger die Möglichkeit, an der Börse mit so genannten Leerverkäufen auf sinkende Aktienkurse zu spekulieren. Die Wette auf fallende Kurse wird vorerst aber nicht in vollem Umfang möglich sein.

ben / hac FRANKFURT. Um Risiken in der Startphase zu beschränken, werde sich der Kunde zunächst nur innerhalb eines Börsentages dieser bislang Profis vorbehaltenen Handelstechnik bedienen können, teilte die Bank am gestrigen Donnerstag mit. Ab 2007 könne die Wette auf den fallenden Kurs im Grunde endlos laufen.

Bei einem Leerverkauf leiht sich der Anleger eine Aktie und verkauft sie an der Börse. Er hofft auf einen fallenden Kurs, um den Titel später günstiger wieder zurückzukaufen. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis ist dann sein Gewinn. Steigt der Kurs aber, gerät der Anleger in die Verlustzone. Schließlich muss er das Papier teurer zurückkaufen, als er es zuvor verkauft hat. Bei starken Kurssteigerungen kann ein Investor ein Vielfaches von dem verlieren, was er eingesetzt hat. Diese in den USA auch bei Kleinanlegern populäre Handelstechnik blieb in Deutschland bislang Profis oder Kunden von Spezialbrokern vorbehalten.

Die Filialbanken in Deutschland bieten diese Handelstechnik der breiten Masse wegen der großen Risiken und den daraus möglicherweise entstehenden Haftungsproblemen nicht an. Außerdem scheuen sie den enormen technischen Aufwand für diese Handelsstrategie. Aus ähnlichen Gründen halten sich auch die meisten direkten Consors-Konkurrenten bislang mit einem solchen Angebot für die breite Masse der Kunden zurück.

Die Entscheidung von Consors traf gestern auf unterschiedliches Echo. „Leerverkäufe für Privatanleger erweitern die Palette der Anlagen. Schließlich sollte jeder sein Geld so anlegen können, wie er es möchte“, sagte Franz-Josef Leven, Sprecher vom Deutschen Aktieninstitut. Allerdings dürfe man die Risiken nicht unterschätzen. Aktionärsschützer zeigten sich deutlich zurückhaltender. „Privatleute, die ihr Erspartes anlegen wollen, sollten die Finger von Leerverkäufen lassen“, hielt Jürgen Kurz, Sprecher des Anlegerverbandes DSW, entgegen. Das Risiko sei einfach zu groß.

Consors bietet Leerverkäufe zunächst für 650 Aktien an. Wenn Anleger ab kommendem Jahr ihre Position über mehr als einen Tag offen halten wollen, müssen sie eine einheitliche Gebühr für die Leihe zahlen. Consors-Chef Olivier Le Grand hat mit diesem Angebot bereits zum zweiten Mal die Nase vorn. Anfang des Jahres bot die Tochter der französischen Großbank BNP Paribas als Erste professionellen Devisenhandel an.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%