Hauptversammlungen
Ausländer lassen die Muskeln spielen

Drei Dinge stören ausländische Investoren an deutschen Aktiengesellschaften besonders: Kapitalmaßnahmen, bei denen nicht genau angegeben wird, wofür das eingesammelte Geld verwendet werden soll; die mangelnde Unabhängigkeit des Aufsichtsrates und die zu enge Verflechtung zum jeweiligen Wirtschaftsprüfer.

HB FRANKFURT. Das geht aus der abgelaufenen Hauptversammlungs-Saison hervor, die das Londoner Analysehaus ECGS gemeinsam mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ausgewertet hat.

„Deutsche Gesellschaften unterschätzen noch immer die Macht ausländischer Investoren“, sagt DSW-Geschäftsführerin Jella Susanne Benner-Heinacher. Dabei sprechen die Zahlen längst eine andere Sprache: Inzwischen gehören mehr als die Hälfte des Stammkapitals aller 30 Dax-Konzerne Gesellschaften aus dem Ausland. Und diese nehmen Hauptversammlungen als Plattform zur Meinungsäußerung sehr ernst. So ist die jahrelang rückläufige HV-Präsenz in diesem Jahr wieder auf über 60 Prozent gestiegen, was vor allem auf die deutlich erhöhte Anwesenheit ausländischer Investoren zurückzuführen ist. Und die lassen dort, wo ihnen etwas nicht gepasst hat, die Muskeln spielen.

Beispiel Commerzbank: Dort erhielt ein Antrag auf neues Kapital nicht die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent, sondern lediglich 71,59 Prozent. Ihre Ablehnung begründeten viele ausländische Investoren damit, dass bereits aus der Einladung zur HV hätte hervorgehen müssen, wofür das frische Kapital verwendet wird. Damit war die Commerzbank unter den 49 deutschen Unternehmen im europäischen Auswahlindex MSCI Europe jedoch die Ausnahme. Heidelberger Druck schaffte es, einen solchen Antrag mit 76,75 Prozent gerade so durchzubringen. „Immer, wenn den Institutionellen aus dem Ausland die Ziele der Maßnahmen nicht klar genug kommuniziert wurden, stimmten sie dagegen“, sagt Rechtsanwältin Christiane Hölz.

Ein gravierendes Problem für ausländische Investoren ist auch die Abhängigkeit vieler Aufsichtsräte. ECGS-Experte Alan MacDougall empfiehlt als Richtgröße, dass mindestens die Hälfte der von der HV gewählten Aufsichtsräte nicht in irgendeiner Weise vom Unternehmen abhängig sein soll. Als Abhängigkeit wertet er beispielsweise die Position als ehemaliger Vorstand, ein mehr als neun Jahre andauerndes Aufsichtsratsmandat oder eine verwandtschaftliche Bindung zum Unternehmen. Vorbildlich sind hier nach Ansicht des Experten die Deutsche Börse und Infineon, deren Aufsichtsräte er zu 100 Prozent als unabhängig einstuft. Überhaupt keine Unabhängigkeit gibt es hingegen bei Fresenius Medical Care und Solarworld. Auch bei Eon, Douglas, BASF und Porsche ist es mit der Unabhängigkeit nicht allzu gut bestellt. „Aus internationaler Sicht ist dieser Zustand nicht akzeptabel“, heißt es dazu von ECGS.

Das gilt auch für die Vergabe von Mandaten an Wirtschaftsprüfer. KPMG nimmt 22 der 49 deutschen Unternehmen im MSCI unter die Lupe, 19 inklusive der Doppelprüfungen von PWC. Neben diesem Beinahe-Duopol kritisieren die Analysten den erheblichen Umfang an Beratungsdienstleistungen wie Steuerberatung oder sonstige Bewertungen neben der eigentlichen Abschlussprüfung. In Einzelfällen war es in den letzten beiden Jahren sogar so, dass die Abschlussprüfer dort mehr Geld mit Nichtprüfungsgebühren als mit der eigentlichen Abschlussprüfung verdient haben. Ein Beispiel hierfür ist die Deutsche Börse.

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