Hauptversammlungen
Bitte Deutsch!

Ausländische Manager und Aktionäre in deutschen Konzernen? In Zeiten der Globalisierung längst eine Selbstverständlichkeit. Doch Hauptversammlungen auf Englisch, weil die Mehrheit der Anteilseigner kein Deutsch spricht? Immer noch unmöglich. Jetzt nimmt sich sogar die EU des Sprachenproblems an.

DÜSSELDORF. Zapf Creation machte es vor. Auf der Hauptversammlung im oberfränkischen Rödental sprach der Aufsichtsratschef Englisch. Zu dem Novum kam es aber keinesfalls, weil sich der schwer angeschlagene Puppenhersteller besonders weltmännisch geben wollte, sondern aus reiner Not. Aufsichtsratsboss und Versammlungsleiter Miguel Perez-Carballo spricht als Spanier kein Deutsch. Doch die Zapf-Manager machten aus der Not eine Tugend und ließen ihren Chef kurzerhand ohne Mikro sprechen, um dann über Lautsprecher simultan und für den gemeinen Anleger verständlich ins Deutsche zu übersetzen.

Doch warum sollten Hauptversammlungen eigentlich nicht komplett auf Englisch stattfinden? Die Fakten sprechen dafür. Nicht nur bei Zapf, wo gerade der gebürtige Iraner und Inhaber ein US-Spielwarenfirma Isaac Larian 20 Prozent der Aktien kaufte. Ein Blick auf Deutschlands Beletage zeigt: Die 30 größten börsennotierten Unternehmen erwirtschaften inzwischen 70 Prozent ihrer Umsätze im Ausland. Die Hälfte der Mitarbeiter ist nicht in Deutschland beschäftigt. 45 Prozent der Aktionäre sind Ausländer.

„Die Sprache auf Hauptversammlungen ist Thema in der EU“, sagt Ralf Fischer zu Cramburg. Er vertritt bei der Fassung eines einheitlichen europäischen Aktionärsrechts die Interessen des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Eigentlich wollte die finnische EU-Präsidentschaft bis Dezember zu einem Abschluss kommen. Doch weil Parlament, Rat und Kommission sich nicht einig sind, dürften die Beratungen im Januar unter deutscher Führung weitergehen.

Zwar fordert in Brüssel niemand, die jährlichen Hauptversammlungen künftig einheitlich in englischer Sprache abzuhalten. Aber EU-Berichterstatter Wolf Klinz (FDP) setzt sich dafür ein, Tagungsunterlagen und Geschäftsberichte künftig auch in Englisch abzufassen, „wenn 25 Prozent der Aktionäre dies fordern oder die Firma auch an einer Börse außerhalb ihres Heimatlandes notiert“. Die Firmen sollten ihre Hauptversammlungen auch künftig in ihrer Landessprache abhalten dürfen, allerdings Simultan-Übersetzungen anbieten.

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