Hedgefonds wetten auf fallende Kurse Eigentor für Wirecard-Zocker

Zocken wie „The Wolf of Wall Street“? Vor gut einem halben Jahr attackierten Spekulanten die Aktie des Zahlungsabwicklers, der Kurs von Wirecard brach drastisch ein. Doch die Lage hat sich komplett gedreht.
Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort in einer Szene des Kinofilms „The Wolf of Wall Street“. Der aus einfachen Verhältnis stammende Börsenmakler wollte schnell reich werden, was aber nicht funktionierte. Bei der Wirecard-Aktie dürften viele Hedgefonds auch nicht reich werden, sondern Verluste erzielen. Quelle: dpa
"The Wolf of Wall Street"

Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort in einer Szene des Kinofilms „The Wolf of Wall Street“. Der aus einfachen Verhältnis stammende Börsenmakler wollte schnell reich werden, was aber nicht funktionierte. Bei der Wirecard-Aktie dürften viele Hedgefonds auch nicht reich werden, sondern Verluste erzielen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/FrankfurtIn der Sportlersprache war es eine Einladung zum Elfmeter – zumindest für Spekulanten: Das bislang völlig unbekannte Analysehaus „Zatarra Research“ wirft Anfang März 2016 dem Zahlungsabwickler Wirecard betrügerisches Geschäftsgebaren vor. Als Folge bricht die Aktie, die zu den wertvollsten Unternehmen im Technologieindex TecDax gehört, um rund ein Viertel ein.

Während die Anteilseigner innerhalb eines Handelstages einen Verlust von insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro verkraften müssen, erzielen sogenannte „Leerverkäufer“ aus solchen Aktionen hohe Gewinne (aktuelle Leerverkäufe finden Sie in unserer Datenbank).

Deren Vorgehensweise: Sie leihen sich bei anderen Marktteilnehmern – vor allem bei Fonds - Dividendenpapiere, um diese sofort wieder zu verkaufen. Sinkt der Aktienkurs wie geplant, können die im Fachjargon auch als „Shortseller“ bezeichneten Investoren die Titel später zu einem verbilligten Kurs zurückkaufen und dem Verleiher zurückgeben. Die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem gesunkenen Rückkaufskurs streichen die Leerverkäufer als Profit ein.

Die Hintermänner der dubiosen Analystenstudie mit dem „Kursziel null“ bleiben unbekannt. Allerdings hatten damals neben mehreren angelsächsischen Hedgefonds zuletzt etwa das „Canada Pension Plan Investment Board“ auf fallende Wirecard-Kurse gesetzt – also die kanadische Rentenkasse. Doch wie viel diese „Shortseller“ mit ihren Aktionen verdienen, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis der verschwiegenen Investoren.

Lufthansa ist Leerverkäufers Liebling

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+21,88 +0,18%
Chart von DAX ®
Dax
1 von 13

Von fallenden Kursen profitieren
Wer an den Wertverfall einer Aktie glaubt, kann mit Leerverkäufen am Kursverfall verdienen. Dazu leihen sich Fonds Aktien, verkaufen diese und hoffen später zu einem günstigeren Kurs Papiere derselben Firma zurückzukaufen. Dann geben sie die dem Verleiher die Aktien zurück. Die Differenz zwischen Kurs bei der Leihe und Kurs beim Kauf für die Rückgabe ist der Gewinn.

Einige Fonds haben sich auf Leerverkäufe spezialisiert wie die Londoner Gesellschaft Marshall Wace. Positionen von mehr als 0,5 Prozent an Leerverkäufen eines Wert müssen im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Derzeit haben es die „Shorties“, wie Leerverkäufer auch genannt werden, vor allem auf folgende deutsche Papiere abgesehen.

Software AG

WKN
ISIN
Börse

Chart von Software AG
Software AG
2 von 13

Bei der Software AG setzen derzeit drei Gesellschaften mit einem Volumen von mindestens 0,5 Prozent der ausgegebenen Aktien auf fallende Kurse: Allianz Global Investors, Blackrock und Marshall Wace.

Unterschreitet eine Netto-Leerverkaufsposition 0,5 Prozent, müssen das die Unternehmen vermelden - doch unter der Schwelle ist der Öffentlichkeit nicht ersichtlich, wie stark die „Shorties“ engagiert sind.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,12 Prozent

(Stand aller Angaben: 28. Juli 2016)

SUESS MICROTEC SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A1K0235
Börse
L&S

+0,02 +0,11%
+15,20€
Chart von SUESS MICROTEC SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Süss MicroTec
3 von 13

Gegenwärtig halten Citadel Investors, JP Morgan Asset Management, Oxford Asset Management und World Quant Leerverkaufspositionen von jeweils 0,5 Prozent oder etwas mehr an dem Spezialmaschinen-Bauer Süss MicroTec.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,33 Prozent

FRAPORT AG FFM.AIRPORT.SER.AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005773303
Börse
L&S

+0,62 +0,73%
+85,31€
Chart von FRAPORT AG FFM.AIRPORT.SER.AG INHABER-AKTIEN O.N.
Fraport AG Frankfurt Airport Services Worldwide
4 von 13

Auch beim Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport, gibt es vier Fonds mit größeren Short-Positionen. Größter Skeptiker ist Route One Investment Company mit einer Position im Volumen von 0,79 Prozent der Fraport-Aktien.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,39 Prozent

BB BIOTECH AG NAMENS-AKTIEN SF 0,20

WKN
ISIN
CH0038389992
Börse
L&S

+0,35 +0,59%
+59,98€
Chart von BB BIOTECH AG NAMENS-AKTIEN SF 0,20
BB Biotech
5 von 13

Elliott Capital Advisors ist der Dauerskeptiker beim Biotechnologie-Unternehmen BB Biotech. Bei der letzten Mitteilung vom 27. Juli betrug die Short-Position des US-Hedgefonds 2,53 Prozent.

Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,53 Prozent

BILFINGER SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005909006
Börse
L&S

-0,28 -0,77%
+36,41€
Chart von BILFINGER SE INHABER-AKTIEN O.N.
Bilfinger
6 von 13

Der Baudienstleister Bilfinger kämpft seit Jahren mit sich selbst. Hier hält der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock über eine Tochter ein stattliches Short-Paket im Volumen von 1,41 Prozent der Aktien.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,65 Prozent

ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007856023
Börse
L&S

+0,22 +1,31%
+16,78€
Chart von ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
ElringKlinger
7 von 13

Der Autozulieferer ElringKlinger hat zuletzt mit Gewinnwarnungen für Aufsehen gesorgt, die Aktie fiel auf ein Fünf-Jahres-Tief. Eigentlich kein Wunder, dass dadurch Spekulanten angelockt werden. Mit dabei ist etwa der britische Hedgefonds Marshall Wace mit einer Position im Umfang von 0,62 Prozent.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,72 Prozent

Doch aus der Einladung zum Elfmeter ist mittlerweile ein Eigentor geworden. Denn laut den Daten des Finanzdienstleisters Markit vom 22. August 2016, die dem Handelsblatt vorliegen, beträgt der Anteil der leer verkauften Papiere immer noch 15,4 Prozent von den im Streubesitz befindlichen Aktien. Bei einer Marktkapitalisierung von 5,3 Milliarden Euro und einem Anteil der frei verfügbaren Aktien in Höhe von 93 Prozent setzt immer noch ein Kapital von mehr als 750 Millionen Euro auf fallende Kurse.

Das Problem für die Zocker: Die Aktie fällt nicht, sondern ist seit der Attacke Anfang März dieses Jahres wieder deutlich gestiegen. Von einem Tiefpunkt von 29,40 Euro im März auf mittlerweile auf 45 Euro – ein Plus von mehr als 30 Prozent.

Wie der Leerverkauf funktioniert
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