Hedgefonds wetten auf fallende Kurse
Eigentor für Wirecard-Zocker

Zocken wie „The Wolf of Wall Street“? Vor gut einem halben Jahr attackierten Spekulanten die Aktie des Zahlungsabwicklers, der Kurs von Wirecard brach drastisch ein. Doch die Lage hat sich komplett gedreht.

Düsseldorf/FrankfurtIn der Sportlersprache war es eine Einladung zum Elfmeter – zumindest für Spekulanten: Das bislang völlig unbekannte Analysehaus „Zatarra Research“ wirft Anfang März 2016 dem Zahlungsabwickler Wirecard betrügerisches Geschäftsgebaren vor. Als Folge bricht die Aktie, die zu den wertvollsten Unternehmen im Technologieindex TecDax gehört, um rund ein Viertel ein.

Während die Anteilseigner innerhalb eines Handelstages einen Verlust von insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro verkraften müssen, erzielen sogenannte „Leerverkäufer“ aus solchen Aktionen hohe Gewinne (aktuelle Leerverkäufe finden Sie in unserer Datenbank).

Deren Vorgehensweise: Sie leihen sich bei anderen Marktteilnehmern – vor allem bei Fonds - Dividendenpapiere, um diese sofort wieder zu verkaufen. Sinkt der Aktienkurs wie geplant, können die im Fachjargon auch als „Shortseller“ bezeichneten Investoren die Titel später zu einem verbilligten Kurs zurückkaufen und dem Verleiher zurückgeben. Die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem gesunkenen Rückkaufskurs streichen die Leerverkäufer als Profit ein.

Die Hintermänner der dubiosen Analystenstudie mit dem „Kursziel null“ bleiben unbekannt. Allerdings hatten damals neben mehreren angelsächsischen Hedgefonds zuletzt etwa das „Canada Pension Plan Investment Board“ auf fallende Wirecard-Kurse gesetzt – also die kanadische Rentenkasse. Doch wie viel diese „Shortseller“ mit ihren Aktionen verdienen, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis der verschwiegenen Investoren.

Doch aus der Einladung zum Elfmeter ist mittlerweile ein Eigentor geworden. Denn laut den Daten des Finanzdienstleisters Markit vom 22. August 2016, die dem Handelsblatt vorliegen, beträgt der Anteil der leer verkauften Papiere immer noch 15,4 Prozent von den im Streubesitz befindlichen Aktien. Bei einer Marktkapitalisierung von 5,3 Milliarden Euro und einem Anteil der frei verfügbaren Aktien in Höhe von 93 Prozent setzt immer noch ein Kapital von mehr als 750 Millionen Euro auf fallende Kurse.

Das Problem für die Zocker: Die Aktie fällt nicht, sondern ist seit der Attacke Anfang März dieses Jahres wieder deutlich gestiegen. Von einem Tiefpunkt von 29,40 Euro im März auf mittlerweile auf 45 Euro – ein Plus von mehr als 30 Prozent.

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Eigentor für Wirecard-Zocker

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Wie der Leerverkauf funktioniert

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