Henning Gebhardt im Interview
„Von Porsche in die Irre geführt“

Porsche soll den Kurs der VW-Aktie manipuliert haben. Jetzt ermitteln Staatsanwaltschaft und Finanzaufsicht. Zu spät, finden Investoren. Sie üben schon lange scharfe Kritik an dem Sportwagenbauer. Im Interview erklärt Henning Gebhardt, Fondsmanager der DWS, warum Porsche dem deutschen Kapitalmarkt nachhaltig geschadet hat.

Handelsblatt: Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt auf Hinweis der Bafin gegen Porsche wegen Kursmanipulation. Prüfen Sie eine Schadenersatzklage gegen Porsche?

Gebhardt: Wir beschäftigen uns mit dem Thema, aber ein materieller Schaden lässt sich derzeit kaum genau beziffern. Der Schaden für den gesamten Kapitalmarkt dagegen durchaus: Wir fühlen uns weiter von Porsche in die Irre geführt und glauben, dass das Vorgehen des Porsche-Managements das Ansehen des deutschen Kapitalmarkts nachhaltig beschädigt hat.

Wer hat denn den Kapitalmarkt noch verstanden? Der Markt war einfach falsch informiert. Niemand nimmt nun die Übernahmeregeln mehr ernst. Und in gewisser Frage fragt man sich auch, was sind eigentlich Bilanzen wert? Wenn ein so großes Risiko, wie Porsche es eingegangen ist, in keiner Weise aus den Bilanzen zu entnehmen ist, stimmt doch etwas nicht. Darum geht es uns.

Rechnen Sie nun mit einer Prozessflut gegen Porsche?

Das kann ich wirklich nicht sagen - ich bin kein Jurist. Ich kann Ihnen nur sagen: Wir waren in der Vergangenheit kein großer Aktionär von Porsche, da wir das Unternehmen nach wie vor für intransparent halten. Wir haben immer das Management dafür kritisiert, dass es eine bewusste Intransparenz gepflegt hat und uns deshalb mit unseren Fonds stets vom Unternehmen fern gehalten. Als außenstehender Aktionär waren Sie bei Porsche ja immer nur als blinder Beifahrer unterwegs.

Die DWS hatte bereits im vergangenen Jahr Porsche vorgeworfen, den Markt zu manipulieren. Wundert es Sie, dass die Bafin erst jetzt reagiert?

In gewisser Weise Ja. Es kommt vielen schon sehr spät vor, dass das Bafin und die Staatsanwaltschaft erst jetzt aktiv werden. Man fragt sich schon, warum brauchen die Behörden dafür so lange? Die Mühlen mahlen offenbar langsam. Das gleiche gilt für die Frage, wie stellt man mehr Transparenz im Übernahmekampf her.

Da hört man einfach nichts. Aber als Außenseiter kann man über die Gründe dafür natürlich nur spekulieren - und wir wissen auch noch nicht genau, was Ex-Porsche-Chef Wiedeking und Ex-Finanzchef Härter vorgeworfen wird. Aber wir haben bereits im vergangenen Jahr gesagt, dass wir befürchten, dass am Ende auch die Porsche-Aktionäre hier großen Schaden nehmen - und im Endeffekt ist das ja passiert. Das Unternehmen Porsche hing zwischenzeitlich am seidenen Faden.

Gehen Sie davon aus, dass das neue Management bei Porsche nun mehr Klarheit schaffen wird?

Davon gehe ich aus. Ich bin sehr froh, dass es zum Führungswechsel gekommen ist. Das neue Management wird die Hinterlassenschaften nun sicher aufräumen und in den strittigen Fragen für Klarheit sorgen - davon bin ich überzeugt. Da werden dann ganz andere Regeln zum Tragen kommen. Dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

Glauben Sie, dass Porsche die Aufarbeitung noch teuer zu stehen kommt?

Nun, Geld wird es Porsche auf jeden Fall kosten. Allein die Rechtsberatung, die nun notwendig sein dürfte, kostet Geld. Wenn es zu Klagen kommt, wird dies auch Geld kosten. Aber die Summen dürften überschaubar sein im Vergleich zu dem, was das frühere Management sonst an Schaden angerichtet hat.

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