High Frequency Trading
Computer bringen die Börsen ins Wanken

Superschnelle PC-Programme übernehmen die Macht an der Börse. Den High-Tech-Händlern bringt der Computer hohe Gewinne. Doch die Angst wächst, dass sie die Märkte aus dem Gleichgewicht bringen.
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LondonEine Branche steht unter Generalverdacht. In den vergangenen Jahren haben die sogenannten High-Frequency-Trader einen beispiellosen Siegeszug an den Börsen in den USA und Europa hinter sich. Doch nun gehen Aufseher und Politiker in die Offensive, weil sie fürchten, dass die Computerprogramme der Hochgeschwindigkeitshändler die brutalen Kursausschläge der vergangenen Wochen verstärkt haben und die Märkte destabilisieren. Auch als am vergangenen Donnerstag der Dax ohne Vorwarnung und erkennbaren Grund plötzlich einbrach, richtete sich der Verdacht gegen die Geschwindigkeitsfanatiker unter den Aktienhändlern.
Mit ausgefeilten Computeralgorithmen und dem Einsatz von Hochleistungsrechnern bombardieren die Händler die Börsen im Rhythmus von Mikrosekunden mit Kauf- und Verkaufsorders. Menschliches Wissen oder menschliche Instinkte spielen beim High-Frequency-Trading keine Rolle mehr. Ziel der Händler ist es, so schnell wie kein anderer Marktteilnehmer Zugang zu Angebots- und Nachfragekursen zu bekommen und diesen Informationsvorsprung in profitable Geschäfte umzusetzen. Dabei setzen die Händler meist ihr eigenes Kapital ein.

Das Geschäft mit dem Hochgeschwindigkeitshandel scheint sich zu lohnen. Die Fachzeitschrift "Financial News" hat ausgerechnet, dass europäische High-Frequency-Firmen wie IMC oder Getco Europe im vergangenen Jahr ihre Einnahmen im Schnitt um 18 Prozent auf 208 Millionen Dollar steigern konnten. Spitzenreiter war die niederländische Firma Optiver mit einem Plus von 36 Prozent auf mehr als 500 Millionen Dollar. Im Schnitt erreichten die Hochgeschwindigkeitshändler den Berechnungen zufolge Einnahmen von 2,7 Millionen Dollar pro Mitarbeiter. Wäre die US-Investmentbank Goldman Sachs ähnlich effizient, hätte sie 2010 Einnahmen von 96 Milliarden Dollar erzielt statt der erreichten 39 Milliarden Dollar.

Kommentare zu " High Frequency Trading: Computer bringen die Börsen ins Wanken"

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  • "die computer sind schuld"

    lächerlich!

    man sollte die fundamentalen gründe für die kursstürze nicht vergessen. die weltwirtschaft ist am boden, die usa und mehrere staaten in europa sind quasi pleite. das sind nunmal fakten. wenn das keine gründe für kursstürze sind, welche dann?

    das computer alles schneller können als der mensch ist keine neue erkenntnis...sprich die abstürze hätten vor einigen jahren vielleicht 1-2 tage statt 3-4 stunden gedauert, das ergebnis ist aber das gleiche...

  • Wäre schön, zu erklären, genau wie diese HF Trading funktioniert.

  • Cogito:
    Es bleibt zu klären, ob mit HFT Kurse manipuliert werden können. Immerhin werden so BID und ASK quotes in Mikro-Milli-Sekunden gestellt und langsamere Nachfolger in die eine oder andere Richtung manipuliert. Ist das noch ein "freier" und "gleichberechter" Markt?
    Außerdem wird das mit hochgehebelten Derivaten durchgeführt. Wegen der hohen Raten entspricht das praktisch einer Markt beherschenden Stellung. Chancengleichheit wird somit ausgehebelt. Die viel beschworene "Liquidität" scheint mir nur "virtuell" generiert zu sein.
    Sollte verboten werden solange nicht von unabhängigen Beobachtern die Chancengleichheit grantiert werden kann.

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