High Frequency Trading
Spekulanten geht es an den Kragen

Das sogennante High Frequency Trading wird immer wichtiger, doch sind die Behörden kaum in der Lage, nach möglichen Manipulationen zu fahnden. In der EU und den USA herrscht Einigkeit: Der computergesteuerte, superschnelle Aktienhandel muss stärker reguliert werden. Erste Ideen wie, liegen auf dem Tisch.
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PARIS/BRÜSSEL/NEW YORK. Eine Regulierung des computergesteuerten superschnellen Aktienhandels rückt näher. Die europäischen Börsenregulierer wollen sich des Themas High Frequency Trading gemeinsam mit der US-Aufsicht SEC ebenso annehmen wie die EU-Kommission. Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier will dazu in den kommenden Tagen für Beratungen in die USA reisen, heißt es aus Kommissionskreisen.

Der Chef der französischen Börsenaufsicht AMF, Jean-Pierre Jouyet, hat bereits in Sachen Hochfrequenzhandel Kontakt mit der SEC aufgenommen. "Auf beiden Seiten des Atlantiks fangen wir an, uns Fragen zu stellen über den Zusammenhang zwischen Technik und der Integrität der Märkte", sagte Jouyet bei seinem USA-Besuch. Die SEC teilte auf Anfrage mit, dass Jouyet und SEC-Chefin Mary Scharpio in der Frage "die gleichen Sorgen teilen" und ihre Ideen weiter austauschen wollten.

Die Regulierer sorgt, dass der superschnelle Computerhandel für die Börsen immer wichtiger wird, die Regulierer aber kaum in der Lage sind, nach möglichen Manipulationen zu fahnden. Beim Hochgeschwindigkeitshandel führen Computer eigenständig in Millisekunden Tausende von Kauf- und Verkaufsaufträgen aus, um minimalste Preisunterschiede bei Wertpapieren auszunutzen. Nach Angaben des Analysehauses Tabb ist der Hochgeschwindigkeitshandel bereits für 56 Prozent der Börsentransaktionen in den USA verantwortlich, in Europa für immerhin 38 Prozent.

Unternehmen wie Getco, Optiver oder RGM sind für Börsenbetreiber und andere Handelsplattformen begehrte Kunden. Börsenbetreiber Nyse Euronext etwa verlegte extra ein Rechenzentrum von Paris nach London, um die dortigen Kunden besser bedienen zu können. Denn eine kürzere Leitung zum Handelscomputer bringt bereits einige Millisekunden Zeitvorteil. "Wenn Sie der Erste sind, der einen Preis bieten kann, ziehen Sie die Orderströme auf sich", erklärt der Vize-Präsident von Nyse Euronext, Roland Bellegarde.

Die Börsenregulierer sehen den Geschwindigkeitsrausch mit wachsender Sorge. Kritiker machen den Vollgashandel per Computer auch für den Mini-Crash an der Wall Street im Mai verantwortlich, als der Dow-Jones-Index binnen weniger Minuten rund 1 000 Punkte verlor. Richtig bewiesen werden konnte das nicht.

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