Hintergrund
Wer hinter Dubai World steckt

Der mit etwa 60 Milliarden Dollar verschuldete Staatsfonds Dubai World hat seine Gläubiger um einen mindestens sechsmonatigen Zahlungsaufschub gebeten und damit die internationalen Finanzmärkte geschockt. Bei den Investoren löste die Nachricht Besorgnis vor einem möglichen Übergreifen der Finanznöte auf andere Golfstaaten aus.
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HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Mit spektakulären Projekten und einem brillanten Marketing war das Emirat Dubai in Rekordzeit von einem verschlafenen Nest zur feinsten arabischen Adresse für Immobilien- und Finanzgeschäfte aufgestiegen. Aus Mangel an Öl setzte die Regierung des Emirats auf andere Einnahmequellen und fand diese im Tourismus und in der Bankenbranche. Die künstlichen Inseln in Form einer Palme und der höchste Hochhausturm der Welt lenkten die Aufmerksamkeit der Investoren und die Missgunst arabischer Nachbarn auf das kleine Reich von Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum. Doch jetzt ist die Party vorbei.

In Dubai liegen nach jahrelangem Immobilienboom alle prestigeträchtigen Bauprojekte auf Eis, da die Krise die Finanzierungsquellen versiegen ließ. Das Emirat, das anders als die Nachbarländer auf keine größeren Ölvorräte zurückgreifen kann, versucht derzeit die Investoren zu beruhigen. Die Schuldenprobleme des staatseigenen Konglomerats Dubai World, das die berühmte Insel in Palmenform im Meer entwickeln und bauen soll, hätten keine Auswirkungen auf andere Staatsunternehmen, hieß es.

Die Palme lässt die Blätter hängen

Die Holdingfirma Dubai World ist eine der drei großen Holdingfirmen neben der Dubai Holding und der Investment Corporation von Dubai. Unter ihrem Dach agieren zahlreiche andere staatliche Firmen der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Regierung von Dubai hat Gläubiger von Dubai World um ein Stillhalteabkommen für Mrd. von Dollar als ersten Schritt einer Restrukturierung gebeten und hat damit erhebliche Zweifel an der Finanzkraft des einstigen Boom-Emirats aufkommen lassen.

Insbesondere bei der Dubai-World-Tochter, der Baufirma Nakheel , haben sich riesige Schulden angehäuft. Dubai World und Nakheel stehen hinter dem schlagzeilenträchtigen Bauprojekt der bewohnten Palmeninseln vor der Küste des Emirats.

Führung: Als Chef fungiert Sultan bin Sulajem. Er gilt als wichtiges Mitglied der politischen Führung Dubais und Vertrauter von Scheich Mohammed bin Raschid al Maktum, dem Herrscher von Dubai. Er ist auch Mitglied des Exekutiv-Rates, vergleichbar mit der Position eines Ministers. In den vergangenen Tagen hat es Spekulationen gegeben, dass seine Position ins Wanken geraten könnte, nachdem Bin Sulajem aus der Investment Corporation von Dubai ausscheiden musste. Dubai World lehnte einen Kommentar dazu ab.

Restrukturierung: Dubai World hatte schon im Oktober mitgeteilt, die Restrukturierung sei fast abgeschlossen; binnen der nächsten drei Jahre sollen bis zu 800 Mio. Dollar an Betriebskosten eingespart werden. Die Zahl der Mitarbeiter wurde um 15 Prozent gekürzt auf rund 70 000.

Zu den größere Holdingfirmen zählen: Nakheel Properties, die weltweit größte private Immobilienfirma mit Aktivitäten in den Bereichen Wohnraum, Einzelhandel, Firmen und Freizeit. Bei der Firma wird am 14. Dezember ein islamischer Bond im Volumen von 3,5 Mrd. Dollar fällig.

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Kommentare zu " Hintergrund: Wer hinter Dubai World steckt"

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  • @Alexander Ptichkin:
    "So angenehm wie jetzt war es in Dubai schon lange nicht!"

    Na dann, viel Spass noch in Dubai. Es wird mit Sicherheit nocher etwas mehr "angenehmer" werden.
    Es geht abwärts, und zwar RASANT. Guten Flug.

  • Herr Adler,
    was sie schreiben ist vom Ansatz her schon richtig, aber es zeigt irgendwie, dass sie aus Dubai schon eine Zeit weg sind! Was in ihren Überlegungen grundlegend falsch ist, ist die fehlende Einschätzung der Dimension! im Jahr 2007 bis September 2008 war soviel Verkehr und Smog und verlangten viele so überhöhte verrückte Preise, dass es nun 2009 im November richtig angenehm in Dubai ist!

    Von einem Platzen einer blase kann nicht die Rede sein! Viel mehr von einer Normalisierung! im März 2008 wollte mein Vermieter 50 % mehr Miete wie im März 2006! Von großen renommierten Unternehmen in den Emirates Towers wurde nach 3 Jahren 100% mehr Miete verlangt. Für mich und meine Familie in Dubai war die Preissteigerung früher einfach bedrohlich! Jetzt konnte ich erstmals einen Mietvertrag auf 10 Jahre abschließen (früher war nur 1 Jahr möglich!) und jetzt habe ich erstmals eine Miete, die ich mir mit meinem Verdient in einer führenden technischen Position leisten kann!

    bis jetzt kann ich vor Ort keinerlei Platzen einer blase feststellen. Vielmehr eine Normalisierung und einen Schuss vor den bug für jene, die am bedarf vorbei einen büro- und Wohnturm nach dem anderen für den schnellen Dollar planten und bevor auch nur zu bauen begonnen wurde sämtliche Wohnungen verkauften.

    Jetzt wird endlich aufgehört wie verrückt zu bauen - es gibt viel weniger Staub und Lärm und viel weniger Verkehr - Dubai wird wieder richtig lebenswert. Eine gigantische Expansion bekommt einen ordentlichen Rücksetzer.

    So angenehm wie jetzt war es in Dubai schon lange nicht!

  • ich habe in Dubai 4 Jahre gelebt und gearbeitet. Von Anfang war mir klar dass hier eine blase entsteht und jeder denkende Mensch könnte dieses erahnen. Wer denkt denn daß mit ungelernten Arbeitern aus Pakistan und indien eine hochmoderne infrastruktur aufbauen kann? Der Murcks am bau in den Dienstleistungen, der Verwaltung ist erchreckend. Wenn man dann noch weiß dass mehrheitlich alles eine idee von UK, US, AUS Managern ist ja dann ist doch alles klar??? Ausbeuten und schneller Profit, ohne Substanz und ohne Kultur....,ein gefährlicher Mix der leider die Welt beherrscht........ Dubai ist schrott, so schnell wie es entstanden ist wird es wieder verschwinden......

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