Hochfrequenzhandel an der Börse

Britische Finanzaufsicht mag die „Flash Boys”

Hochfrequenzhändler haben einen schlechten Ruf: Mit schnellen Rechnern würden sie andere Investoren übervorteilen und sogar ganze Märkte zum Einsturz bringen, heißt es. Die britische Finanzaufsicht sieht das ganz anders.
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Schnellere Rechner, höhere Arbitrage: Die Börsenhändler haben in den vergangenen Jahren aufgerüstet. Quelle: dpa
Hochfrequenzhandel

Schnellere Rechner, höhere Arbitrage: Die Börsenhändler haben in den vergangenen Jahren aufgerüstet.

(Foto: dpa)

LondonEs sind ungewöhnlich positive und beruhigende Worte für äußerst umstrittene Finanzmarktakteure: „Es gibt keine Belege, dass Hochfrequenzhändler eher als andere den wahren Markt sehen und Millisekunden ausnutzen, um vor ihnen zu handeln“, schreiben Experten der britischen Finanzaufsicht FCA in einer jüngst erschienenen Untersuchung. Und weiter heißt es in der Studie der beiden Wissenschaftler Matteo Aquilina and Carla Ysusi: Der Geschwindigkeitsvorteil sei nicht so entscheidend wie in anderen Bereichen.
Die Ökonomen der FCA widerlegen damit einen wesentlichen Kritikpunkt, der seit einigen Jahren gegen Hochfrequenzhändlern ins Feld geführt wird: dass sie zum Nachteil langsamerer Investoren agieren und sich mit blitzschnellen Computerprogrammen Vorteile verschaffen. Zumindest der britische Aktienmarkt sei nicht anfällig für einige der Strategien, die der Wall-Street-Kritiker und US-Bestsellerautor Michael Lewis in seinem Buch „Flash Boys” beschreibt, heißt es in der FCA-Studie.

In den vergangenen Jahren hat die Fähigkeit, schneller als die anderen zu sein, erheblich an Bedeutung gewonnen. Mit schnelleren Rechnern können die Händler sich bessere Chancen auf Arbitrage-Gewinne sichern. In den USA hat das beispielsweise dazu geführt, dass zwischen der Chicagoer und der New Yorker Börse nun ein Glasfaser-Kabel liegt, das ein privates Unternehmen an Aktienhändler vermietet. Händler können Computer-Stellplätze in Börsen-Rechenzentren mieten, um noch schneller handeln zu können.

Auch in Europa ist Hochfrequenzhandel erlaubt. Dieser ist seit Mai 2013 allerdings reguliert. So unterliegen Hochfrequenzhändler einer Erlaubnispflicht. Außerdem sind die Börsen dazu verpflichtet, für mögliche technische Probleme vorzusorgen. Die Deutsche Börse setzt beispielsweise auf sogenannte „Circuit Breaker” – Aussetzung des Handels, sobald die Schwankungen an den Märkten zu groß werden. Auch sollen die Hochfrequenzorders als solche gekennzeichnet werden.

Wen die Börsen-Spekulanten lieben

RIB SOFTWARE SE NAMENS-AKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE000A0Z2XN6
Börse
Xetra

-0,26 -0,94%
+27,32€
Chart von RIB SOFTWARE SE NAMENS-AKTIEN EO 1
Platz 10: RIB Software
1 von 10

Aktuelle Leerverkäufe finden Sie in unserer Datenbank.

Bei einem Leerverkauf werden Aktien gehandelt, die der Verkäufer zum Verkaufszeitpunkt nicht besitzt. Das Geschäft verpflichtet ihn, die Wertpapiere in Zukunft zu liefern. Seinen Gewinn zieht der Verkäufe aus dem vereinbarten Lieferpreis und dem Preis, zu welchem er die Papiere tatsächlich kauft. Leerverkäufe sind somit Kurswetten: Der Käufer setzt auf steigende, der Verkäufer auf fallende Kurse. In Deutschland gilt die gesetzliche Meldepflicht, wenn mehr als 0,2 Prozent der Anteilsscheine einer Firma verkauft werden. Da liegt der Leerverkauf der RIB Software-Aktien deutlich drüber. Das Ergebnis der Firma stagnierte im ersten Quartal 2016, die Aktie hat deutlich verloren – ein guter Deal für Ennismore.

Positionsinhaber: Ennismore Fund Management

Short-Position: 1,79 Prozent der Firmenanteile

Zeitpunkt: 11. Februar 2016

K+S AKTIENGESELLSCHAFT NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000KSAG888
Börse
Xetra

-0,12 -0,52%
+22,83€
Chart von K+S AKTIENGESELLSCHAFT NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 9: K+S
2 von 10

Auch der niedersächsische Kali- und Salzhersteller scheint ein guter Kandidat für Finanzwetten zu sein. Neben Corvex haben Blackrock, Blackstone, Dulcet Capital, Eisenstat Capital und Oxford Asset Management die Aktie zwischen Februar und März „leerverkauft“. Wenig überraschend, schließlich befindet sich die Aktie schon seit Sommer 2015 auf Verlustkurs. Seit dem 1. Januar hat sie knapp ein Fünftel ihres Wertes eingebüßt.

Positionsinhaber: Corvex Management

Short-Position: 1,8 Prozent der Firmenanteile

Zeitpunkt: 5. Februar 2016

LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005470405
Börse
Xetra

+0,16 +0,22%
+72,92€
Chart von LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 8: Lanxess
3 von 10

Im vergangenen Jahr flog das Kölner Chemie-Unternehmen aus dem Dax. Auch das laufende Jahr dürfte nicht gerade rosig werden. Wegen des harten Wettbewerbs im Kautschukgeschäft erwarte man keine großen Sprünge, teilte das Unternehmen am 17. März mit. Einen Tag darauf hat Citadel mehr als 1,9 Prozent der Lanxess-Anteile „leerverkauft“.

Positionsinhaber: Citadel Europe

Short-Position: 1,91 Prozent der Firmenanteile

Zeitpunkt: 18. März 2016

KUKA AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006204407
Börse
Xetra

-0,80 -0,66%
+120,00€
Chart von KUKA AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 7: Kuka
4 von 10

Die Ergebnisse des Anlage- und Roboterherstellers Kuka verfehlten die Schätzungen der Analysten. Zwar steigerte Kuka 2015 den Gewinn nach Steuern um 27 Prozent auf 86,3 Millionen Euro. Für 2016 stellte das Unternehmen jedoch eine rückläufige Rendite in Aussicht. Im Moment halten die Anleger die Aktie dennoch hoch im Kurs, rund neun Prozent gewann sie seit Januar. Maverick Capital setzt jedoch auf ein baldiges Ende der Rally.

Positionsinhaber: Maverick Capital

Short-Position: 2,23 Prozent der Firmenanteile

Zeitpunkt: 31. März 2016

SALZGITTER AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006202005
Börse
Xetra

+0,66 +1,28%
+52,00€
Chart von SALZGITTER AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 6: Salzgitter
5 von 10

Auf und ab geht es für die Salzgitter-Aktie. Seit Jahresbeginn gewann sie allerdings etwas mehr als drei Prozent. Die Schweizer Großbank UBS scheint aber nicht wirklich an den Erfolg des Papiers zu glauben.

Positionsinhaber: UBS Global Asset Management

Short-Position: 2,24 Prozent der Firmenanteile

Zeitpunkt: 2. Februar 2016

STROEER SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007493991
Börse
Xetra

-1,45 -2,27%
+62,40€
Chart von STROEER SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 5: Ströer
6 von 10

Die Werbefirma Ströer hat sowohl Umsatz als auch Gewinn in Deutschland gesteigert. Für das Jahr 2016 erwartet die Firma einen operativen Ertrag von 270 bis 280 Millionen Euro. Die Aktionäre scheinen Ströer jedoch keine großen Sprünge zuzutrauen. Seit Januar verlor die Aktie mehr als vier Prozent.

Positionsinhaber: Third Point

Short-Position: 2,48 Prozent der Firmenanteile

Zeitpunkt: 25. Februar 2016

WIRECARD AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007472060
Börse
Xetra

-1,90 -1,83%
+101,85€
Chart von WIRECARD AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 4: Wirecard
7 von 10

Eine Goldgrube für Leerverkäufer ist der Bezahldienst Wirecard. Gleich zehn Vermögensverwalter haben die Aktien des Unternehmens im ersten Jahresquartal „leerverkauft“. Blue Ridge Capital hatte mit 2,73 Prozent der Firmenanteile die größte Position.

Positionsinhaber: Blue Ridge Capital

Short-Position: 2,73 Prozent der Firmenanteile

Zeitpunkt: 14. März 2016

Dennoch fühlen sich viele Marktteilnehmer durch das Wettrüsten um die schnellsten Rechner übervorteilt: Michael Lewis beschreibt in seinem 2014 erschienenen Buch, dass das Vorgehen von Hochfrequenzhändlern andere Börsenakteure zweistellige Milliardensummen jährlich kostet. Denn Hochfrequenzhändler könnten Vorhaben auf Grund ihrer technischen Ausstattung schneller erkennen, dadurch Aktien eher kaufen als andere interessierte Käufer und sie dann zu einem höheren Preis an diese verkaufen. Zudem würden diese Händler den Markt durch kurzzeitige Orders, die schnell wieder storniert würden, manipulieren.

Und: Nicht alle Börsen haben sich auf die Speed-Trader eingestellt. Zuletzt sorgte ein Fall in Indien für Unmut unter den Händlern: Ein Regierungsreport legte nahe, dass die Handelsregeln der größten Börse des Landes, der National Stock Exchange of India (NSE), die Firma OPG Securities übervorteilten. OPG ist einer der größten Hochfrequenzhändler des Landes. Zwischen 2012 und 2014 wurden die Aufträge der schnellsten Händler zuerst abgefertigt. OPG-Gründer Sanjay Gupta sieht kein Problem darin: „Die Leute neiden mir den Erfolg und beschuldigen mich völlig grundlos”, kommentiert er die Vorwürfe. „Sie verstehen nicht, warum ich beim Hochfrequenzhandel immer gewinne.”

Hochfrequenzhandel macht die Preise genauer
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5 Kommentare zu "Hochfrequenzhandel an der Börse: Britische Finanzaufsicht mag die „Flash Boys”"

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  • HFT-Trading könnte theoretisch sich von alleine erledigen, wenn eine FAT eingeführt wird. Aber da ist ja zum Glück, gesamteuropäisch kein Konsens vorhanden. Und Kengeters Griff nach London, kann auch dahingehend interpretiert werden. Der Markt wird sich immer eine Ausweichmöglichkeit suchen und auch finden.

  • Dass in dem Artikel immer von "Wissenschaftlern" gesprochen wird, die diese Untersuchung veröffentlicht haben, ist schon eine ziemliche Frechheit. Aber so kennen wir es ja auch schon bei anderen Themen. Richtig müsste es heißen: Gefälligkeitsgutachter.
    Die Handelsplätze verdienen pro Order. Und da werden sie sich hüten, ausgerechnet ihre besten Kunden schlechtzureden.
    Das notwendige Verbot wird nicht kommen, die finanzielle Interessenlage der Börsen spricht dagegen.

  • Manchmal beneide ich Ami-Kommentatoren. Die dürfen sehr drastische Vergleiche anstellen, die bei uns aus Gründen von verlogener und falsch verstandener politischer Korrektheit verpönt sind. Max Keiser bringt es nämlich hier absolut auf den Punkt:
    "Die Wall-Street-Banken mit ihren Kreditausfallversicherungen, ihrem Hochfrequenz-Computerhandel und ihrem betrügerisch-fingierten Market Making injizieren das Äquivalent von finanziellem Zyklon B in die amerikanische und globale Wirtschaft."
    http://www.mmnews.de/index.php/gold/6297-alles-wird-gegenueber-gold-entwertet-werden
    Das trifft selbstverständlich aber auch für den HFTder CoL-Banken zu...

  • Ps: Und natürlich die nötigen Börsenhandel-Handelslizenzen hat.

  • Dass HFTs andere Marktteilnehmer durch " schnelle Rechner " übervorteilen sollen, ist Schwachsinn. Haben sich HFT-Trader die Handelsmaschinen etwa vom Mars importiert ? Oder kann sich die nicht jeder der am Börsenhandel teilnimmt besorgen ?

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