Hochfrequenzhandel Deutsche Regulierungspläne stoßen auf Kritik

Börsenhändler wehren sich gegen die Pläne der Bundesregierung zur Regulierung des Hochfrequenzhandels. Zwar sei man einer Kontrolle grundsätzlich gegenüber aufgeschlossen, doch müsse auf Einheitlichkeit geachtet werden.
3 Kommentare
Der deutsche Regulierungsvorstoß stößt auf Kritik. Quelle: dpa

Der deutsche Regulierungsvorstoß stößt auf Kritik.

(Foto: dpa)

FrankfurtDas Vorpreschen der Bundesregierung bei der Regulierung des umstrittenen Hochfrequenzhandels stößt bei Händlern und Wertpapierfirmen auf Widerstand. Der europäische Händlerverband (FIA EPTA) unterstütze die geplanten Vorschriften zur Kontrolle des sogenannten Algo-Tradings in Deutschland zwar grundsätzlich, sagte Verbandschef Remco Lenterman am Freitag zu Reuters. "Die Tendenz, dass nationale Regulierer den europäischen Regelungen vorgreifen, kann jedoch dazu führen, dass es in Europa uneinheitliche Regeln gibt." Eine einzelstaatliche Vorgehensweise konterkariere eine einheitliche Rechtsetzung und die Schaffung einheitlicher Regeln im europäischen Wertpapierhandel, schrieb der Bundesverband der Wertpapierfirmen (BWF) an das Bundesfinanzministerium.

Betroffene Verbände und Unternehmen konnten bis Freitag schriftlich zum Gesetzentwurf Stellung nehmen. Der Handel, bei dem Computer mit Hilfe von Handelsalgorithmen (Algo-Trading) innerhalb von Sekunden Milliarden bewegen, gilt als mitverantwortlich für hohe Kursschwankungen. Auf EU-Ebene wird an neuen Regeln für den Hochfrequenzhandel im Rahmen der überarbeiteten europäischen Finanzmarktrichtlinie MIFID gebastelt, die jedoch erst ab 2014 erwartet wird. Das deutsche Gesetz soll noch 2012 kommen.

Deutschland war im Mai 2010 bereits mit dem Verbot ungedeckter Leerverkäufe vorgeprescht, statt auf eine einheitliche europäische Richtlinie aus Brüssel zu warten. Dies habe zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit bei Aufsichtsbehörden und Handelsteilnehmern geführt, kritisierte der BWF. Der Verband sieht zudem keinerlei Druck, den Hochfrequenzhandel hierzulande schneller zu regulieren als in anderen Ländern. Große Risiken seien in Deutschland bisher nicht zu erkennen, erklärte der BWF. Die meisten geplanten Vorschriften seien bereits gängige Praxis.

Laut dem Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums sollen die Betreiber superschneller Handelssysteme künftig von der Finanzaufsicht BaFin überwacht werden und mehr Informationen preisgeben. Handelspraktiken, die das System stören oder andere Markteilnehmer täuschen, werden verboten. Für die exzessive Nutzung des Systems werden Gebühren fällig. Die Deutsche Börse begrüßte die Vorschläge. "Es ist gut für alle Akteure am Finanzmarkt, dass jetzt Rechtssicherheit im Umgang mit Hochfrequenzhändlern geschaffen wird."

Die heißesten Aktien Deutschlands

HDAX ® PERFORMANCE-INDEX

WKN
ISIN
DE0008469016
Börse
Xetra

-4,51 -0,07%
Chart von HDAX ® PERFORMANCE-INDEX
Einleitung
1 von 16

Die Finanz- und Schuldenkrise ist noch lange nicht ausgestanden, so viel steht fest. An den Börsen schwanken die Kurse deshalb kräftig, die Investoren sind nervös. Handelsblatt Online hat sich die Kursentwicklung aller H-Dax-Aktien einmal genauer angeschaut, um zu gucken, welche Papiere zuletzt besonders anfällig waren für Kursausschläge - nach unten, aber auch nach oben.

Der Chart zeigt die Entwicklung des H-Dax in den letzten zwölf Monaten.

DEUTZ AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006305006
Börse
L&S

-0,11 -1,36%
+7,79€
Chart von DEUTZ AG INHABER-AKTIEN O.N.
15 Deutz
2 von 16

Platz 15: Deutz

Schwankungsbreite*: 57 Prozent

Expertenrat: Goldman Sachs hat das Kursziel für die Aktien von Deutz nach einer Gewinnwarnung von 5,50 auf 5,00 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Neutral" belassen. Nachdem der Motorenbauer in der vergangenen Woche seine Jahresprognose einkassiert habe, habe er seine Prognose für den Betriebsgewinn (EBIT) in diesem Jahr um 27 Prozent und im nächsten Jahr um 7 Prozent gesenkt, schrieb Analyst Rudolf Dreyer in einer kürzlich vorgelegten Studie.

*Volatilität der vergangenen 12 Monate.

14 Singulus

WKN
ISIN
Börse

Chart von 14 Singulus
14 Singulus
3 von 16

Platz 14:Singulus

Schwankungsbreite: 58,4 Prozent

Expertenrat: Die Investmentbank Equinet hat Singulus von "Hold" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 2,60 auf 1,70 Euro gesenkt. Die Quartalsbilanz sei enttäuschend schwach ausgefallen, schrieb Analyst Stefan Freudenreich in einer am Freitag veröffentlichten Studie. Grund seien ausgerechnet Probleme im Kerngeschäft, denen der Konzern bislang keine genügenden Erfolge im Solar- und Chipgeschäft entgegenzusetzen habe. Sorgen bereite aber insbesondere die Frage, ob angesichts eines eher zurückhaltenden Auftragseingangs für Herstellungsanlagen für Blue-ray-Dics die Blue-ray-Wachstumsthese noch gelte. Der Experte senkte seine Gewinnschätzungen für die Jahre 2012 und 2013 deutlich. Im laufenden Jahr geht er nun von einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von minus 1,8 Millionen Euro aus.

XING SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000XNG8888
Börse
L&S

+11,03 +4,20%
+273,50€
Chart von XING SE NAMENS-AKTIEN O.N.
13 Xing
4 von 16

Platz 13: Xing

Schwankungsbreite: 58,8 Prozent

Expertenrat: Das Analysehaus Warburg Research hat Xing von "Buy" auf "Hold" abgestuft und das fairen Wert von 53,00 auf 42,00 Euro gesenkt. Er habe auch seine Erwartungen an das Umsatzwachstum und operatives Ergebnis für die Jahre bis 2014 zum Teil deutlich heruntergeschraubt, schrieb Analyst Jochen Reichert in einer Studie vom Mittwoch. Darin spiegele sich zum einen der sich verlangsamende Nettozuwachs an zahlenden Mitgliedern beim Online-Karrierenetzwerk wider, zum anderen aber auch der zu erwartende makroökonomische Gegenwind. Derzeit seien keine Katalysatoren für den Aktienkurs in Sicht.

LEONI AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005408884
Börse
L&S

+0,54 +0,95%
+57,36€
Chart von LEONI AG NAMENS-AKTIEN O.N.
12 Leoni
5 von 16

Platz 12: Leoni

Schwankungsbreite: 59,1 Prozent

Expertenrat: Die Commerzbank hat die Einstufung für Leoni auf "Hold" mit einem Kursziel von 41,00 Euro belassen. Die nach unten revidierten Gewinnziele des Autozulieferers für 2012 seien Folge der ungünstigen Kundenausrichtung, schrieb Analyst Daniel Schwarz in einer Studie vom Freitag. Seine Prognosen könnten nun ebenfalls sinken, so der Experte. Aber auch dann wäre das Papier noch attraktiv bewertet. Kurzfristig fehlten der Aktie aber nach wie vor Kurstreiber. Peugeot und Opel als Hauptkunden von Leoni dürften die Umsatz- und Gewinnentwicklung weiterhin hemmen und die Anlegerstimmung dämpfen.

TUI AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000TUAG000
Börse
L&S

-0,41 -2,33%
+17,38€
Chart von TUI AG NAMENS-AKTIEN O.N.
11 Leoni
6 von 16

Platz 11: Tui

Schwankungsbreite: 60,2 Prozent

Expertenrat: Die Commerzbank hat die Einstufung für Tui nach dem angekündigten Rücktritt des Vorstandschefs Michael Frenzel nach der Hauptversammlung im kommenden Jahr auf "Buy" mit einem Kursziel von 7,50 Euro belassen. Er habe mit einem vorzeitigen Rücktritt gerechnet, schrieb Analyst Johannes Braun in einer aktuellen Studie. Nun herrsche Klarheit hinsichtlich dieser Personalie. Eine mögliche Sorge sei allerdings die Tatsache, dass der designierte Nachfolger von Frenzel, Friedrich Joussen, nicht aus der Touristikbranche komme. Das könnte am Markt angesichts der strukturellen Herausforderungen für den Sektor für eine gewisse Skepsis sorgen.

ADVA OPTICAL NETWORKING SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005103006
Börse
L&S

-0,32 -4,97%
+6,10€
Chart von ADVA OPTICAL NETWORKING SE INHABER-AKTIEN O.N.
10 Adva Optical
7 von 16

Platz 10: Adva Optical

Schwankungsbreite: 61,2 Prozent

Expertenrat: Die Deutsche Bank hat die Einstufung für Adva nach Zahlen zum zweiten Quartal auf "Buy" mit einem Kursziel von 6,50 Euro belassen. Angesichts enttäuschender Resultate anderer Sektorunternehmen habe der Spezialist für glasfaserbasierte Übertragungstechnik starke Resultate vorgelegt, schrieb Analyst Benjamin Kohnke in einer Studie. Das Unternehmen wachse profitabel. Zudem stimme der Ausblick auf das dritte Jahresviertel zuversichtlich.

Deutschlands größter Börsenbetreiber hat mit eigenen Vorschriften bereits die meisten Forderungen umgesetzt, die die Regierung nun gesetzlich festschreiben will - beispielsweise, dass der Handel mit Aktien bei ungewöhnlichen Kursschwankungen unterbrochen wird. Experten gehen deshalb nicht davon aus, dass das Gesetz große Auswirkungen auf den Handel haben wird und Akteure deshalb in weniger regulierte Märte abwandern. "Die Politik will den Wählern zeigen, dass sie das Thema angeht", sagte ein Händler. Algo-Trading ist in Deutschland nach Einschätzung von Experten für etwa 40 Prozent der Aktienumsätze verantwortlich.

Der Verband der Privatbanken begrüßte den Gesetzentwurf, der das Finanzsystem als ganzes stärke und transparenter mache. Auch von Sparkassen, Volksbanken und öffentlichen Banken kam Zustimmung. Allerdings warnten ihre Verbände vor Nachteilen für das nicht auf Hochfrequenzhandel beruhende Kundengeschäft.

  • rtr
Startseite

3 Kommentare zu "Hochfrequenzhandel: Deutsche Regulierungspläne stoßen auf Kritik"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sobald diejenigen, die sich (wieder einmal) gegen die Bevormundung wehren, nicht wieder ihren Müll beim gemeinen Steuerzahler abladen?
    Die Geschichte kommt einem doch irgendwie bekannt vor....

  • "Betroffene Verbände und Unternehmen konnten bis Freitag schriftlich zum Gesetzentwurf Stellung nehmen."

    Und wann dürfen die Bürger sich mal zum Thema Enteignung äußern?

    "Der Handel, bei dem Computer mit Hilfe von Handelsalgorithmen (Algo-Trading) innerhalb von Sekunden Milliarden bewegen, gilt als mitverantwortlich für hohe Kursschwankungen. Auf EU-Ebene wird an neuen Regeln für den Hochfrequenzhandel im Rahmen der überarbeiteten europäischen Finanzmarktrichtlinie MIFID gebastelt, die jedoch erst ab 2014 erwartet wird."
    Jou, noch zwei Jahre mehr zum Abzocken.

    Gestern habe ich gelesen, das Deutschland sich ein Ministerium für Münzen und Postwertzeichen leistet. Wieviel nationalen und europäischen Irrsinn leisten wir uns noch?

  • Es ist unglaublich, in welche Themen sich Beamtenärsche und überflüssige Politker so einmischen. Wie wäre es mal mit Entbürokratisierung, Abschaffung von schwachsinnigen Aufsichtsbehörden und einem Ende staatlicher Bevormundung?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%