Höhere Bewertung als Japan
Chinas Börsen auf dem Vormarsch

Chinas Börsen werden für internationale Investoren immer wichtiger. Gemessen am Marktwert der Aktien hat die aufstrebende Nation den Nachbarn aus Japan von Platz zwei auf Position drei verdrängt. Ganz vorn liegen noch immer die USA. Chinesische Aktien hatten zuletzt von den milliardenschweren Konjunkturpaketen der Regierung in Peking profitiert.

Bloomberg NEW YORK. Der Börsenwert der inländischen Aktien, die im Shanghai Composite Index notiert sind, erreichte umgerechnet 3,21 Bill. Dollar (2,28 Bill. Euro), verglichen mit 3,20 Bill. Dollar für den japanischen Nikkei 225 Index. Den größten Aktienmarkt haben die USA mit einem Marktwert von 10,8 Bill. Dollar.

Chinas Aktien haben dieses Jahr unter den großen Börsen die beste Entwicklung verzeichnet: Der Shanghai Composite hat 75 Prozent zugelegt. "China fängt gerade erst an und ist noch in einer starken Wachstumsphase, während Japan bereits eine entwickelte Volkswirtschaft ist", sagte Daphne Roth, Leiterin Aktienanalyse Asien bei ABN Amro Private Banking in Singapur. Japans Benchmarkindex Nikkei 225 ist seit Januar sieben Prozent gestiegen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der chinesische Aktienmarkt den japanischen bei der Marktkapitalisierung hinter sich lässt. Nach Bloomberg-Daten war der Börsenwert des Shanghai Composite bereits vom 4. bis 24. Januar 2008 größer. Chinas Aktienmarkt boomte damals und verdreifachte seinen Wert innerhalb von zwei Jahren. Der Rekordwert war am 16. Oktober 2007 erreicht. Dann folgte ein jäher Absturz: Bis zum Tiefpunkt im November 2008 ging es 72 Prozent nach unten.

Der chinesischen Regierung ist es jedoch gelungen, mit einem Konjunkturpaket im Volumen von umgerechnet 415 Mrd. Euro und mit großzügiger Kreditvergabe der Banken die Wirtschaft vor einem Absacken der Exporte zu bewahren. Die Devisenreserven haben erstmals die Marke von zwei Bill. Dollar überschritten. Die Wirtschaft expandierte im zweiten Quartal um 7,9 Prozent, wie das Statistikamt in Beijing gerade mitteilte, und übertraf damit die Prognosen. Vier der weltweit zehn größten Unternehmen, gemessen am Marktwert, stammen bereits aus China.

Die Bewertungen der Aktien erscheinen manchen Analysten inzwischen schon zu hoch. Die französische BNP Paribas Securities setzte im Juni ihre Bewertung für China von "übergewichten" auf "neutral" herab. Die Aktien im Benchmarkindex werden mittlerweile zum 33,2-Fachen des Gewinns gehandelt - das ist beinahe eine Verdreifachung gegenüber dem Kurs-Gewinn-Verhältnis Anfang November, als die Bewertungen infolge der Finanzkrise auf dem Tiefpunkt waren.

"Wir teilen die Besorgnis, dass sich die Gewinne der Unternehmen nicht so schnell erholen werden", sagte Erwin Sanft, Leiter der Aktienanalyse für China und Hongkong bei BNP Paribas, am Donnerstag. Einige chinesische Aktien seien vom Tief "um 1 000 Prozent gestiegen und preisen eine sehr starke Erholung der Gewinne ein". In Japan dagegen haben eine deflationäre Entwicklung und eine alternde Bevölkerung dem einst weltgrößten Aktienmarkt viel an Stärke genommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%