Hohe Geldstrafe
Hochfrequenzhändler wegen Manipulation verurteilt

Mit Scheinaufträgen soll ein Hochfrequenzhändler Rohstoffmärkte manipuliert haben. Als Strafe muss er nun annähernd sechs Millionen Dollar zahlen. Das haben die US-Handelsaufsicht und die britische Behörde entschieden.
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London/ WashingtonDer Hochfrequenzhändler aus den USA muss wegen der Manipulation der Rohstoffmärkte annähernd 6 Millionen Dollar zahlen (4,6 Mio Euro). Nach Ansicht der US-Handelsaufsicht CFTC und der britischen Behörde FCA hat er zum Schein große Kauf- und Verkaufsaufträge platziert, um Preise in seinem Sinne zu beeinflussen. Sobald andere Marktteilnehmer angebissen und die manipulierten Preise bezahlt hätten, habe er seine Scheinaufträge dann gleich wieder gelöscht.

In Großbritannien ist er erstmals wegen umstrittener Geschäfte zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden. Die britische Aufsichtsbehörde FCA sah es als erwiesen an, dass der in den USA ansässige Händler Michael Coscia den britischen Rohstoffmarkt zu seinen Gunsten manipuliert hat und verdonnerte ihn am Montag zu einer Strafzahlung von knapp einer Million Dollar. „Herr Coscia hat den Markt und andere Marktteilnehmer betrogen“, erklärte die FCA. Die Strafe wäre sogar noch um 30 Prozent höher ausgefallen, hätte Coscia sich nicht auf einen Vergleich mit der Behörde eingelassen

Der Hochfrequenzhändler habe den Markt und andere Teilnehmer betrogen, erklärte Tracey McDermott von der FCA am Montag. Nach Angaben der CFTC trieben der Händler und seine Firma ihr Unwesen unter anderem auf den Handelsplätzen für Öl, Gas, Soja, Weizen und Mais.

Nach Einschätzung der FCA sorgte der Händler 2011 mit Hilfe eines bestimmten Algorithmus dafür, dass ein falscher Eindruck von Angebot und Nachfrage für verschiedene Futures entstand. So habe er mit Hilfe eines Brokers aus den USA heraus an der in Großbritannien angesiedelten Börse ICE Futures Europa tausende falsche Orders platziert. Allein binnen sechs Wochen strich Coscia dabei einen Gewinn von 279.920 Dollar ein. Strafen drohen ihm nun laut FCA auch in den USA.

Der Händler muss nun 2,8 Millionen Dollar an Strafe und Gewinnabschöpfung an die CFTC zahlen, rund 900.000 Dollar an die FCA sowie zusätzlich 2,1 Millionen Dollar an den US-Börsenbetreiber CME Group. Zudem verhängte die CFTC ein Handelsverbot von einem Jahr.

Hochfrequenzhändler stehen seit einiger Zeit im Visier der Aufsichtsbehörden. Der computergestützte Handel, bei dem kein Mensch mehr eingreift, wird für starke Schwankungen an dem Börsen verantwortlich gemacht. Computerpannen hatten wiederholt für Kurseinbrüche gesorgt.

Beim Hochfrequenzhandel kaufen oder verkaufen Computer selbsttätig binnen Sekundenbruchteilen Aktien und andere Wertpapiere. In den USA gehen mittlerweile etwa 70 Prozent der Börsenumsätze auf die sogenannten Turbo-Händler zurück, in Deutschland sind es etwa 40 Prozent. Die neue Form des Handels war nach spektakulären Pannen ins Visier der Aufseher geraten: So hatte der Dow-Jones-Index beim sogenannten „Flash Crash“ im Mai 2010 binnen Minuten 1000 Punkte verloren. Die Ursache war ein fehlerhafter Handels-Auftrag, dessen Effekte die Computer noch verstärkten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Hohe Geldstrafe: Hochfrequenzhändler wegen Manipulation verurteilt"

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  • Jede Kursfeststellung ist bereits Manipulation. Wer meint, dass Angebot und Nachfrage den Kurs an globalen Finanzmärkten im Zeitalter der Information festlegt, ist naiv. Es ist eine global erzwungene Messung am geworfenen Würfel. Die Algorithmen entscheiden, auf welche Seite der Würfel fällt.

  • Warum wohl machen die Banken wieder Milliardengewinne
    Goldmann Sachs usw. regieren an den Börsen durch ihr Kapital und
    den technischen Möglichkeiten. Man darf es aber nicht Manipulation nennen
    Die Börsen steigen nicht wegen der Konjunktur, das steht wohl außer
    Frage. Ein paar wenige verdienen so immer mehr und der Rest wird
    dabei immer ärmer.

  • Hochfrequenzhandel an sich ist bereits Manipulation! Die Überschrift klingt wie - Metzger wegen Tötung eines Rindes angeklagt. Vom Unterhaltungswert her aber einwandfrei.

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