Horrorszenario: Schwarzseher fürchten Kursabsturz

Horrorszenario
Schwarzseher fürchten Kursabsturz

Der Dax hat sich fast auf 7.000 Punkte vorgearbeitet. Doch die Pessimisten lassen sich davon nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Sie warnen jetzt vor einer "tödlichen Abwärtsspirale" und raten zum Verkauf von Aktien.
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FrankfurtChaos an den Finanzmärkten, die Preise für Aktien und Rohstoffe kollabieren - nur erstklassige Staatsanleihen stehen gut da. Kaum einer glaubt an ein solches Szenario - mit Ausnahme einer kleinen Minderheit. Das Handelsblatt hat drei von ihnen befragt: den US-Ökonomen Gary Shilling, den Managementberater Fredmund Malik und den Börsenpsychologen Heribert Müller. Sie erwarten Aktienkursabstürze von mindestens einem Drittel, teilweise auch deutlich mehr.

Die befragten Pessimisten empfehlen Aktien zum Verkauf und legen erstklassige Staatsanleihen dagegen ans Herz. Sie begründen ihr Schreckensszenario mit dem nötigen Schuldenabbau, der die Wirtschaft und damit auch Aktien belasten werde. Alle drei können eines für sich in Anspruch nehmen: Sie halten schon seit mehreren Jahren an ihren Ausblicken fest. Damit haben sie im Gegensatz zur Mehrheit der Börsenprofis in den Banken den Absturz der Finanzkrise richtig erfasst.

Anders die Mehrheit der Analysten: Sie wollen davon nichts wissen und haben sich für das Jahr 2012 auf das Gegenteil eingerichtet: steigende Aktienkurse und fallende Anleihekurse. Bislang lagen sie richtig, nicht die Pessimisten. Seit dem Jahresstart legte der Deutsche Aktienindex einen Rekordspurt hin und nähert sich der Marke von 7000 Punkten, die er letztmals im Juli 2011 markierte.

Aber in den Zeiten der Finanzkrise ist vielleicht alles anders. Vielleicht. Deleveraging und Deflation sind die Schlüsselwörter. Die Fachbegriffe bedeuten Schuldenabbau und sinkende Preisniveaus, das heißt Geldwertgewinn. Der Kerngedanke: Schuldenabbau und Sparprogramme drücken die Ausgaben und das Wirtschaftswachstum. Dadurch sinken die Steuereinnahmen, was die Schuldenquoten der Staaten weiter erhöht. Es wird noch mehr gespart, Investitionen sinken, die Arbeitslosigkeit steigt. So kommt es zu einer Talfahrt der Wirtschaft ohne Inflationsgefahr.

Malik spricht von einer "tödlichen Abwärtsspirale, die sich immer schneller dreht und mit herkömmlichen Mitteln nicht zu stoppen ist". Er erwartet die "größte deflationäre Depression der Geschichte" und sieht Bankenpleiten und Staatsbankrotte vorher. "Den Tiefpunkt erwarte ich 2015 oder 2016, dann wird die Wirtschaftsleistung 30 bis 50 Prozent niedriger sein als heute", sieht er schwarz.

Kommentare zu " Horrorszenario: Schwarzseher fürchten Kursabsturz"

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  • Ihr wundert Euch über die steigenden Kurse ?

    Hier die Antwort:

    http://lunaticoutpost.com/Topic-Illuminati-Card-Game-for-Sheeple-Manipulation

  • Und wenn in China ein Sack Reis umgefallen wäre ... Der Grund ist doch scheißegal - Hauptsache man ist dabei. Smart Money ist Long !

  • "lukrativen Anlagemöglichkeiten im DAX"

    klar: mit der rosaroten Brille sehen die Dividen tatsächlich gut aus...

    Fakt ist allerdings, daß es einen guten Grund für Gewinnausschüttungen gibt: im Angesicht sinkender Nachfrage machen Investitionen keinen Sinn - sich "mit den Gewinnen die Taschen füllen solange es noch geht" ist die Devise.

    Daß es ohne den sinkenden Staatsausgaben gegenüberstehende, kompensatorische Mehrausgaben (aber von wem?) zwangsweise in die Abwärtsspirale geht, ist wohl so klar wie Klosbrühe.

    das frische billige Geld nützt der Realwirtschaft wenig. wenn es dort nicht ankommt....

    ... denn: es müsste dort ankommen, wo es die Nachfrage nach echten Produkten finanziert - und nicht stattdessen in irgendwelche Bank"produkte" fließt...

    Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, Frankreich bekommen ihre Defizite mangels Bonität der Nachfrager nicht mehr wie gehabt finanziert - und so, wie derzeit in Griechenland die nachfrage wegbricht wird es auch die anderen zwangsläufig erwischen... oder: wer soll es denn finanzieren, ohne Sicherheiten?
    Die logische Antwort wäre: die Notenbank als "Lender of last Ressort" gibt den nationalstaaten als "Nachfrager of last Ressort" unbegrenzt Kredit für Investitionen (Bildung, Verkehr, Energie).

    Aber solange Konsens über brüning'sches Sparen herrscht, solange steht die Abwärtsspirale auf der Agenda.
    Soll wohl so sein.

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