Hybrid-System verbessert Schnelligkeit
New Yorker Börse startet elektronischen Handel

Am morgigen Freitag beginnt an der New Yorker Börse (Nyse) eine neue Ära, die viele als das Ende des Parketthandels betrachten.

NEW YORK. Die Nyse startet ihr neues Hybrid-Handelssystem, das neben dem Parketthandel auch die elektronische Abwicklung von Handelsaufträgen erlaubt. Zwar werden zunächst nur zwei Aktien in die elektronische Freiheit entlassen. Der Rest der 2 700 an der Börse gehandelten Unternehmen soll jedoch sukzessive bis zum Jahresende folgen.

„Die Spezialisten auf dem Parkett werden auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen“, versuchte Nyse-Chef John Thain die Sorgen über ein baldiges Ende des Parketthandels zu zerstreuen. Als die London Stock Exchange 1986 in einem „Big Bang“ den elektronischen Handel einführte, waren die Parketthändler innerhalb von wenigen Tagen verschwunden. „Einen Big Bang wird es nicht geben“, sagte Thain.

Ein erster Test des neuen Systems Direct Plus mit einem Handelsvolumen von sechs Milliarden Aktien verlief problemlos. Im Hybrid-Handel werden die Aufträge zunächst von dem elektronischen System abgewickelt. Kann kein einvernehmlicher Preis gefunden werden, schalten sich die Spezialisten auf dem Parkett ein. Dadurch soll die durchschnittliche Bearbeitungszeit für einen Handelsauftrag von zuvor neun auf 0,3 Sekunden sinken.

Der Nyse-Chef begründet die Einführung des elektronischen Handels mit dem Verlust von Marktanteilen. „Wir waren bislang nicht schnell genug“, sagte Thain mit Blick auf den Parketthandel. Im vergangenen Monat wurden weniger als 70 Prozent der an der Nyse gelisteten Aktien auch dort gehandelt. Insbesondere Händler, deren Strategien auf mathematischen Algorithmen basieren (Algo Trading) sind zu reinrassigen elektronischen Börsen abgewandert.

Ob es der Nyse gelingt, mit dem Hybrid-Handel diese „Algo-Trader“ zurückzugewinnen, ist zweifelhaft. So wird die Aktie von Lucent bereits seit Mai an der Nyse elektronisch gehandelt, ohne dass der Marktanteil dadurch spürbar gestiegen wäre. „Wenn wir den Auftrag an einem elektronischen Marktplatz schneller abwickeln können, werden wir dort hingehen“, sagte Kyle Zasky, Präsident der Handelsfirma EdgeTrade. Bei dem Wettrennen der Börsen geht es um Millisekunden. tor

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