Hypo Real Estate
Das große HRE-Finale: „Hier geht's zur Enteignung“

Das Ende der Hypo Real Estate an der Börse naht. In München soll heute die vollständige Verstaatlichung der Immobilienbank beschlossen werden. Mit einer Mischung aus Wut und Frustration ziehen die Aktionäre ins letzte Gefecht. Auf der Hauptversammlung hagelt es Pfiffe und Buhrufe.
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MÜNCHEN. Schon früh am Morgen warten die ersten von ihnen vor den noch verschlossenen Toren des Kongresszentrums ICM. "Hier gehts zur Enteignungsversammlung", steht auf einem Transparent. Ein deutscher Unternehmer hat sich eigens aus Lyon in Frankreich auf den Weg nach München gemacht, um die letzte öffentliche Hauptversammlung der Hypo Real Estate mitzuerleben. "Die letzte Quartalsbilanz der HRE zeigt keine gravierende Schieflage", schimpft der wohlbeleibte Unternehmer mit dem grauen Vollbart. Die Enteignung der Aktionäre sei ein Skandal.

Auch Rechtsanwältin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ist natürlich wieder dabei. Mehrere Fernsehteams filmen die Ankunft der Anwältin mit der roten Schleife und der streng-toupierten Hochsteckfrisur. Wie ein Panzer sei Bundesfinanzminister Peer Steinbrück durch die Landschaft gefahren - "ohne rechts und links zu schauen", und habe die Aktionärsrechte geplättet, sagt die Anwältin. Es sei zu befürchten, dass sich die Bundesregierung die Abwicklung der HRE von Anfang an zum Ziel gesetzt habe. "Das ist eine kalte Enteignung, die Abfindung ist nur ein Almosen."

Es ist bereits die dritte Hauptversammlung der Hypo Real Estate in diesem Jahr - und es soll die letzte öffentliche sein. Denn mit seiner 90-Prozent-Mehrheit kann der Bund - unabhängig von allen Kleinaktionärsprotesten - an diesem Tag den Squeeze-out beschließen. Beobachter rechneten damit, dass sich die Veranstaltung bis in den späten Abend hinzieht. "Es könnte 22 Uhr werden, bis die Abstimmung durch ist." Doch auch danach wird der Kampf um die HRE weitergehen. Einige Aktionäre wollen den Beschluss anfechten, andere in einem Spruchverfahren eine höhere Abfindung verlangen. Der Bund will ihnen 1,30 Euro zahlen. Das ist noch einmal weniger als beim freiwiligen Übernahmeangebot im Frühsommer, bei dem 1,39 Euro gezahlt wurde.

Ein Teil der Kleinaktionäre hat wohl auch schon resigniert. Als der neue Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Thiemann um 10 Uhr die Versammlung eröffnet, ist der riesige Saal nur zu einem Drittel gefüllt. Eine Reihe von Aktivisten hält kleine Transparente hoch, auf denen sie gegen die "Enteignung" protestieren. Doch es bleibt erst einmal ruhig.

Vorstandschef Axel Wieandt zeigt gegenüber den erbosten Aktionäre zwar Verständnis. "Wir sind uns selbstverständlich der Tatsache bewusst, dass viele von Ihnen es vorziehen würden, wenn sie Aktionäre der Gesellschaft bleiben könnten", sagte der junge Manager. Vorstand und Aufsichtsrat müssten aber dafür sorgen, dass die "nachhaltige Fortexistenz und Zukunftsfähigkeit des Unternehmen in bestmöglicher Weise gesichert" wird.

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