Im Interview: Max Otte
Crashprophet: „Die Zeit für Käufe ist günstig“

Die meisten Leser kennen Max Otte als Untergangspropheten. In seinem Bestseller "Der Crash kommt" sagt der Wirtschaftsprofessor den großen Wirtschaftsabschwung voraus. Mit Handelsblatt.com spricht er über die Situation an den Kapitalmärkten und verrät, warum man ausgerechnet jetzt Aktien kaufen sollte.

Handelsblatt:Herr Otte, die Börsen haben sich zuletzt stabilisiert. Ist die Krise bald ausgestanden?

Otte: Das ist sehr schwer zu sagen. Allerdings sehen wir schon klarer als im vergangenen Herbst, worauf die staatlichen Rettungsmaßnahmen zielen. Das hilft. Grundsätzlich sehe ich drei Szenarien.

Und wie sehen die aus?

Erstens: Dem rasanten Abschwung folgt die große Weltwirtschaftskrise. Allerdings halte ich das aufgrund der massiven Stützungsaktionen für eher unwahrscheinlich. Zweitens: Wir bekommen japanische Verhältnisse, das bedeutet rund zehn Jahre Stagnation. Oder drittens: Wir haben es noch ein Jahr mit einer scharfen Rezession zu tun - und dann geht es wieder aufwärts. Allerdings werden in diesem Falle die Inflationsraten kräftig steigen.

Welches der drei Szenarien ist am wahrscheinlichsten?

Bis vor kurzem war ich davon überzeugt, dass wir japanische Verhältnisse bekommen, weil die faulen Kredite in den Bankbilanzen belassen werden und das Problem nur mit zusätzlicher Liquidität kaschiert wird. Ein amerikanischer Freund von mir hat einmal sehr treffend gesagt, wir behandelten die Krise als sei sie ein Liquiditätsproblem, dabei haben wir ein Solvenzproblem. Seit den Plänen von US-Finanzminister Geithner ist diese Gefahr geringer und die Wahrscheinlichkeit, dass Szenario 3 eintrifft, größer geworden ist.

Nach der jüngsten Entwicklung an den Börsen fragen sich viele Anleger, ob die Zeit günstig ist, Aktien zu kaufen. Was raten Sie?

Die Zeit ist günstig, absolut. Allerdings sollte man immer so kalkulieren, dass es keine Probleme bei der Finanzplanung gibt, sollte die wirtschaftliche Krise länger anhalten als gedacht. Ich selbst bin voll in Aktien investiert, dazu Gold als Versicherung für den Fall der Fälle.

Wo sollten sich Anleger umschauen - auf den Schwellenländer- oder den etablierten Märkten?

Ganz klar: auf den etablierten Märkten. Wenn ich irgendwo investiere, muss ich genau wissen, in was ich da investiere. Das ist im Zweifel bei den großen europäischen und amerikanischen Unternehmen einfacher als beispielsweise einer aufstrebenden Firma aus Indien. Derzeit gibt es so viele interessante Aktien aus den Industrieländern, da schaue ich nur sehr selektiv auf andere Märkte.

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