Immer weniger Aktionäre
Deutsche verabschieden sich von der Aktie

Der Dax notiert fast schon wieder so hoch wie vor der Finanzkrise. Doch die meisten Deutschen interessiert das nicht. Die Zahl der Aktionäre hierzulande nimmt rapide ab. Bei Investoren aus dem Ausland sind deutsche Aktien dagegen beliebt wie nie.
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FrankfurtAuf den ersten Blick scheint am deutschen Aktienmarkt alles in bester Ordnung. Der Dax notiert über 7000 Punkten. Und wenn man den Analysten glauben darf, dann dürfte es noch weiter aufwärts gehen. Einige Experten meinen sogar, der deutsche Leitindex werde in absehbarer Zeit deutlich über 8000 Zähler auf den höchsten Stand aller Zeiten steigen. Nur: Viele Deutsche wollen von Aktien nichts mehr wissen. Sie haben sich reihenweise vom deutschen Aktienmarkt verabschiedet.

Nach einer aktuellen Umfrage des Deutschen Aktieninstituts (DAI) fiel die Zahl der Aktionäre im zweiten Halbjahr 2010 um fast eine halbe Million auf 3,4 Millionen. "Das ist ein schwerer Rückschlag", sagt Rüdiger von Rosen, Chef des Deutschen Aktieninstituts. Er ist so etwas wie Deutschlands oberster Lobbyist für die Aktie. "Die Aktie wird noch immer nicht als langfristiges Instrument zur Altersvorsorge wahrgenommen", klagt von Rosen.

Dramatisch fiel vor allem die Zahl derjenigen, die direkt in Aktien investieren. Die Anzahl der Fondsbesitzer sank im selben Zeitraum nur leicht. Doch auch das ist nur ein schwacher Trost. Im langfristigen Vergleich geht sowohl die Zahl der Aktionäre als auch die der Fondsbesitzer zurück. Rechnet man beide zusammen, dann sind aktuell 8,2 Millionen Anleger direkt oder indirekt in Aktien investiert. Auf dem Höhepunkt im Jahr 2001 waren es noch fast 13 Millionen.

Die Finger verbrannt

Wer verstehen will, warum die Deutschen so skeptisch gegenüber Aktien eingestellt sind, muss zurückblicken bis zur Jahrtausendwende. Damals hatten sich viele Anleger von den vermeintlich innovativen Geschäftsideen zahlreicher Technologiefirmen an den Aktienmarkt locken lassen. Dass diese nur auf leeren Versprechen und frisierten Bilanzen beruhten, merkten die meisten zu spät. Als die Dotcom-Blase platzte, saßen die Privatanleger auf den Verlusten. Wenige Jahre später - im Zuge der Finanzkrise - mussten die Anleger erneut dramatische Kursverluste verkraften. Kein Wunder also, dass sich viele genervt von der Börse abgewendet haben. "Viele Privatanleger haben sich die Finger verbrannt. Als es anschließend wieder lukrativ gewesen wäre, waren sie zu ängstlich", sagt Rüdiger von Nitzsch, Kapitalmarktexperte und Professor an der RWTH Aachen.

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