In Brasilien und Chile stehen mehrere Unternehmen in den Startlöchern
Börsengänge locken Südamerikas Anleger

Als dem brasilianischen Obstexporteur Renar Maçãs im Februar der Börsengang in São Paulo gelang, atmeten die Börsenmakler auf: Mit Renar ist erstmals einem kleinen Unternehmen der Börsengang an der Bovespa gelungen.

SÃO PAULO. Gerade mal zwölf Mill. Euro Umsatz macht das Unternehmen vor allem mit Apfelexporten nach Nordeuropa. In Finnland, Schweden und Norwegen ist es Marktführer. Das von deutschen Einwanderern gegründete Familienunternehmen vertreibt sein Obst direkt an europäische Einzelhandelsketten und umgeht so den teuren Zwischenhandel. Renar spülte der Börsengang umgerechnet 4,5 Mill. Euro in die Kasse.

Die Investmentbanken in Brasilien hoffen nun, dass dem ersten erfolgreichen Börsengang des Jahres 2005 weitere folgen werden. Bereits 2004 hatten es neun Unternehmen auf den Kurszettel der Börse São Paulo geschafft, nach dem es jahrelang keine Börsengänge (Initial Public Offering, IPO) mehr gegeben hatte. Mit großem Interesse wird in Brasilien nun der IPO des Online-Händlers Submarino erwartet, der verschiedenen in- und ausländischen Investmentfonds gehört. Die Eigentümer erwarten laut der Wirtschaftszeitung „Valor Economico“, dass der Börsengang, dessen Datum noch nicht feststeht, rund 150 Mill. Dollar einbringen wird. Der Umsatz (2004) des Unternehmens wird auf rund 80 Mill. Euro geschätzt. Vor allem nordamerikanische Informationstechnik-Fonds sollen an den Aktien interessiert sein.

Auf eine rege Nachfrage hofft auch der Software-Anbieter Microsiga. Nach der Fusion mit dem kleineren Wettbewerber Logocenter ist das Unternehmen nach eigenen Angaben der größte Anbieter von Unternehmenssoftware in Lateinamerika, mit einem Umsatz von 145 Mill. Dollar. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Nischen, welche die ausländischen Anbieter wie SAP oder Siebel nicht bedienen können: also auf kleinere und mittlere Unternehmen oder in Branchen wie Agro oder Bergbau, wo das lokale Know-how wichtig ist.

Auch der Kreditkartenverwalter CSU CardSystems hat Interesse an einem Börsengang gezeigt. Das Unternehmen hat sich auf den Markt der Kundenkarten konzentriert. Dabei geben Ketten von Einzelhändlern, Restaurants oder Büchereien ihre eigenen Kreditkarten heraus und CardSystems verwaltet sie – ein Markt, der alleine im vergangenen Jahr rund 40 Prozent gewachsen ist.

Eine gewichtige Neuemission steht auch an Chiles Börse, dem nach Marktkapitalisierung zweitgrößten Aktienmarkt Südamerikas, bevor: Chiles zweitgrößte Warenhauskette Ripley will auf den Kurszettel in Santiago. „Das wird das wichtigste Ereignis für die Börse in diesem Jahr“, ist Cristián Moreno von Banco Santander in Santiago sicher. Zuversichtlich stimmt die Analysten ein erfolgreicher IPO des Jahres 2004. Die Supermarktkette Cencosud gab Aktien im In- und Ausland aus – und brachte mit einem Emissionserlös von 330 Mill. Dollar den größten IPO Lateinamerikas seit langem zu Stande. Obwohl der Eigentümer Horst Paulmann, ebenfalls ein deutscher Einwanderer, nur 20 Prozent seines Besitzes an die Börse brachte, ist Cencosud heute die Aktie mit dem größten Streubesitz an Santiagos Börse.

Vor allem ausländische Investoren sorgten dafür, dass die brasilianischen und chilenischen Emissionen 2004 so erfolgreich über die Bühne gingen: Meist zeichneten sie mehr als die Hälfte der neuen Aktien. Das lag auch an den Branchen der Börsenkandidaten: vor allem Konsum, Infrastruktur und Kapitalgüter (Maschinen, Software, Ausrüstung). „An der Bovespa gibt es zu wenig Aktien aus diesen Branchen“, sagt Paulo de Sá Pereira, Stratege von SulAmerica Investimentos.

Die Erfolgsgeschichten des vergangenen Jahres dürfte das Interesse der Ausländer bei den nächsten Neuemissionen sichern: Die Kurse aller 2004 neu emittierten Aktien haben nach dem Börsengang kräftig zugelegt – die meisten haben den Bovespa-Index sogar abgehängt: An der Spitze steht das Kosmetikunternehmen Natura (plus 115 Prozent seit dem Börsengang). Der brasilianische Konzern setzt auf sein dichtes Filialnetz und seine margenstarken Produkte. Auch das Logistikunternehmen ALL Logistica (83 Prozent) kann mit langfristig steigender Nachfrage rechnen, weil Brasiliens Minenkonzerne und Farmer immer mehr Produkte mit den Zügen und über die Schienen von ALL zu den Exporthäfen bringen.

Der Billigflieger Gol (55 Prozent), der als einer der wenigen IPOs des vergangenen Jahres auch an der Wall Street gehandelt wird, profitiert vom geschützten Flugmarkt in Brasilien, so dass Gol höhere Flugpreise verlangen kann, als etwa die US-Linie Jetblue, deren Geschäftsmodell der brasilianische Konzern übernommen hat.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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