Indexanpassung in Frankfurt
Stühlerücken bei den Nebenwerten

Heute Abend verkündet die Deutsche Börse, welche Werte in den einzelnen Indices neu hinzukommen und welche rausfliegen. Dax-Anleger brauchen nicht auf die Bekanntgabe der Neulinge warten, im Leitindex dürfte es keine Veränderungen geben. Bewegung gibt es aber in den anderen Indices und das könnte für Kursveränderungen sorgen.
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FRANKFURT. Es ist nicht gerade der ideale Zeitpunkt, um die große Aufmerksamkeit für die künftigen Veränderungen in der Dax-Familie auf sich zu ziehen. Am Freitagabend gibt die Deutsche Börse ihre Indexveränderungen bekannt und zwar nach 22 Uhr an Abend. Da haben die Börsianer gewöhnlich die Woche abgehakt, zumal dann, wenn auch noch ein Fußball-Länderspiel im Fernsehen kommt. Aber die Regeln sind unerbittlich und schreiben nun mal das Ende des dritten Handelstages im September als Termin vor.

Das Länderspiel konnten sich die Anleger auch guten Gewissens anschauen, denn das, was an Veränderungen in Dax, MDax, TecDax und SDax beschlossen wurde, war so wenig spannend wie seit Jahren nicht mehr. In der jüngsten Vergangenheit gab es mehrere wichtige Veränderungen. Bei der letzten Entscheidung im Juni war Heidelberg Cement für Salzgitter in den Dax gerückt. Zwischen Herbst 2008 bis Frühjahr 2009 gab es allein fünf Wechsel. Darunter Infineon, die damals bis auf ein Niveau von 34 Cent je Aktie abgerutscht waren, ein halbes Jahr später nach fulminantem Comeback wieder aufgenommen

Seitdem kommt der Hannover Rück, die zwischenzeitlich deren Platz eingenommen hat, der unrühliche Titel als kürzester Dax-Wert aller Zeiten zu. Nicht zu vergessen der Wechsel von VW (-Stämmen) zu VW (-Vorzügen) Ende vergangenen Jahres, weil die Stämme nicht mehr den erforderlichen Streubesitz von zehn Prozent aufwiesen und sich die Vorzüge gerade als Aufsteiger anboten.

Die Aufzählung zeigt, dass der Dax im Moment nichts weniger braucht als Veränderung. Eine Phase wie in den vergangenen beiden Jahren gab es in der 22-jährigen Geschichte noch nie. Da gab es in der Regel einen Wechsel pro Jahr. Der Dax stand für Kontinuität und Widerstandskraft gegen alle Moden. Das schätzten auch Fondsmanager und Vermögensverwalter, die ihren eigenen Erfolg oft an dem des Dax messen. Dass dieser Korb von 30 Aktien nicht ständig durch Auf- und Absteiger duchgeschüttelt wird, erleichtert die Vergleichbarkeit immens.

Gut möglich, dass es auch in Zukunft innerhalb des Dax erstmal ruhig zugeht. Schließlich ist von den zwei Gründen, die zu den Veränderungen zuletzt geführt haben, der bedeutendere entfallen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Herausnahme von Titeln wie der Hypo Real Estate oder zwischenzeitlich Infineon quasi unentbehrlich gemacht. Andere wie die Postbank oder Continental wurden übernommen. Große Übernahmen sind in Deutschland jedoch im Moment nicht in Sicht.

Bewegung gibt es auch bei Wechseln in den Indizes unterhalb des Dax. Im MDax ersetzt Axel Springer einen anderen Medienwert, nämlich Sky Deutschland. Im Technologieindex TecDax rückt Adva Optical für das Biotech-Unternehmen Medigene nach.

Vor allem der Aufstieg eines Nebenwertes in den MDax kann sich positiv auf die Kurse auswirken. Ausländische Großinvestoren meiden tendenziell Werte, die unterhalb des MDax notiert sind. Die Liquidität von TecDax- oder SDax-Werten ist zu gering, das kann einen schnellen Ausstieg behindern. Der Aufstieg von Axel Springer könnte der Aktie wegen der tendenziell höheren Nachfrage also Schub bringen.

Aber auch in höheren Klassen kann der Aufstieg lohnen. Am Dienstag schaffte BMW den Sprung in den Eurostoxx 50, der niederländische Versicherungskonzern Aegon musste weichen. Nachdem der Wechsel bekannt wurde, legte die Aktie knapp doppelt so stark zu wie der Dax.

Die Aufnahme in den Eurostoxx ist ein Höhepunkt für jedes Unternehmen. Milliardenschwere Fonds, Versicherungen und Pensionskassen orientieren sich an dieser Benchmark und kaufen mit Vorliebe die großen, liquiden Werte aus diesem Index. Hinzu kommt, dass börsengehandelte Indexfonds (ETFs) ihre Portfolios ebenfalls mit Aktien aus dem Euro Stoxx bestücken. Allein die beiden ETFs Lyxor Euro Stoxx 50 und IShares Euro Stoxx 50 verwalten zusammen 8,6 Milliarden Euro.

Doch nicht nur in den Standard-Indexfonds finden sich europäische Blue Chips, sondern auch in ETFs, die Rohstoffindizes nachbilden. Statt Rohstoffe zu kaufen, legt sich der Indexfonds einen Stock an europäischen Standardwerten zu und bildet den Index mithilfe eines gegenseitiges Geschäft mit einer anderen Bank nach (Swap). Der Fondsanbieter tauscht die Wertentwicklung der Aktien aus dem Euro Stoxx gegen die eines Korbes aus Rohstoffen.

????? Der Medienkonzern wird voraussichtlich das Tiefbauunternehmen Bauer verdrängen. Im TecDax könnte Adva Optical Networking aufrücken. Bereits zwischen 2006 und 2008 war das Unternehmen im TecDax vertreten. Dafür müsste wahrscheinlich das Solarunternehmen QSC absteigen. ???????

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