Insider-Barometer
Dem Dax droht eine lange Schwächephase

Viele Top-Manager haben zuletzt die Aktien ihres eigenen Konzerns verkauft; sie fürchten einen deutlichen Konjunkturabschwung. Das Verhalten der Insider lässt nichts Gutes für den Dax erahnen, wie die Geschichte lehrt.
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FrankfurtDas Schema war jedes Mal das gleiche, ob im März dieses Jahres, im Februar 2011 oder ein Jahr davor. Deutschlands Topmanager hatten sich damals stets in größerem Stil von Teilen ihrer Aktienbestände getrennt. Und jedes Mal hatten sie damit einen guten Riecher für die Börsenentwicklung. Anschließend ging es für Monate nach unten.

Das Insider-Barometer, mit dem das Aachener Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) zusammen mit Commerzbank Wealth Management die Kauf- und Verkaufsneigung von Vorständen und Aufsichtsräten regelmäßig misst, war an jedem dieser Zeitpunkte auf einem Niveau unterhalb von 90 Punkten und signalisierte somit frühzeitig diesen Trend. Seit wenigen Tagen liegt es wieder auf diesem Niveau. "Die aktuelle Phase lässt sich gut mit früheren Schwächephasen vergleichen", sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance. Auch jetzt könnten die Zeiten risikoreicher werden, so der langjährige Beobachter von Insiderorders in Deutschland.

Schon zuletzt zeigten etliche Konjunkturdaten in Deutschland sowie in der Euro-Zone und in den USA in diese Richtung. Erst am Freitag meldete das verarbeitende Gewerbe in Deutschland einen weiteren Rückgang der Auftragseingänge. Viele Experten sind zurückhaltend. "Die Zentralbank- Maßnahmen stützen die Finanzmärkte, aber nicht die Konjunktur", sagt David Kohl vom Bankhaus Julius Bär.

Auffällig ist jedenfalls, dass beispielsweise bei einem Unternehmen wie Gerry Weber, bei dem es seit Anfang 2010 insgesamt 27 Käufe von Unternehmensinsidern gab, nun Verkäufe im Wert von weit über zehn Millionen Euro gemeldet wurden. Die Kursentwicklung seither, in der die Aktie von rund zehn Euro auf mittlerweile 34 Euro stieg, legt nahe, warum jetzt verkauft wurde. Gründer und Unternehmenslenker Gerhard Weber bezeichnete es zwar erst in der vergangenen Woche im Handelsblatt-Interview als eine Fehleinschätzung, wenn Analysten jetzt glauben, die Aktie sei zu teuer. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,4 für das laufende Jahr und eine Dividendenrendite von nur noch 2,3 Prozent lassen diesen Schluss jedoch zu.

Dennoch müssen Anleger wegen des Millionenverkaufs nicht in Panik geraten. Die einem Aufsichtsrat nahestehende N. u. A. Hardieck GmbH & Co. KG hielt bisher rund 20 Prozent der Aktien. Dieser Anteil hat sich nach den jüngsten Verkäufen nicht maßgeblich verändert.

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  • Die finnischen, niederländischen und deutschen Finanzminister hatten überraschend erklärt, dass der geplante Mechanismus zur direkten Bankenrekapitalisierung über den ESM lediglich bei zukünftigen Bankenrettungen Anwendung finden wird, nicht aber bei älteren Fällen.
    Die traurige Bilanz, dass von 17 Mitgliedern der Eurozone in Bälde jetzt schon fünf (Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Zypern) die diversen Rettungsschirme in Anspruch nehmen.

    Und das weitere vier Mitgliedsstaaten auf der Kandidatenliste stehen (Slowenien, Italien, Frankreich, Belgien), bietet selbst den Euphorikern wenig Anlass zur Freude und kann kein Gericht der Welt verbieten.

    Selbst für Bundesstaaten wie Deutschland, Österreich, Belgien oder Spanien wäre ein europäischer Bundesstaat existenzgefährdend: Praktisch alle wesentlichen Zuständigkeiten der nationalen Bundesebene würden bei einem europäischen Bundesstaat nach Brüssel wandern und die nationalen Bundesstaaten wären dann nichts anderes mehr als nur noch leere Hüllen.


  • Der Dax ist dabei ein großes Doppelhoch abzuschließen. Das ist selbst für Anfänger klar erkennbar. Wer da noch drinbleibt, dem ist nicht mehr zu helfen.

  • "Die Zentralbank- Maßnahmen stützen die Finanzmärkte, aber nicht die Konjunktur"
    Damit hat Herr David Kohl den Nagel auf den Kopf getroffen. Auf der einen Seite werden die Finanzmärkte mit immer mehr Geld geflutet, auf der anderen Seite fliesen eben diese Mittel nicht in den Konsum und damit in die Wirtschaft. Auch die den Banken zur Verfügung gestellten Geldmittel leiten die Selbigen nur zu einem Bruchteil an die Wirtschaft weiter. Dies auf der eine Seite mangels Vertrauen in die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung, auf der anderen Seite, dank der niedrigen Zinsen, wegen der geringen Verdienstmargen. Den Konsumenten würden neue, sehr viel teurere, Konsumkredite ohnehin nur noch zusätzlich, neben immer höheren Steuerabgaben, belasten und dies können sie sich, in dieser prekären Situation nicht mehr leisten. Was wird also mit diesen neuen Geldmitteln passieren? Die Banken, immer auf Rendite fixiert, werden diese Mittel wieder dafür einsetzten neue Spekulationsblasen zu bilden und die Rohstoffpreise, Lebensmittelpreise, Wertpapiere, Immobilien, Aktien u.A. bis zum nächsten Platzen, in die Höhe treiben. Werte werden dabei keine geschaffen, im Gegenteil, Werte werden nur weiter vernichtet. Wir steuern auf eine Katastrophe zu.

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