Insider-Barometer
Den Anlegern fehlt die Überzeugung

Die Lage an den Aktienmärkten ist unsicher und Deutschlands Topmanager gehen auf Einkaufstour - allerdings nur sehr zaghaft. Zwar haben sich die Käufe verdoppelt, doch haben die meisten ein eher kleines Volumen.
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Halten sich Anleger die von vielen derzeit verbreiteten Horrorszenarien vor Augen, dann lassen sich die Konsequenzen an den Märkten noch immer als moderat bezeichnen. Wer nun daraus gefolgert hat, dass Deutschlands Topmanager die unsichere Lage wieder einmal zu weiteren Aktienzukäufen genutzt haben, der hat nur zum Teil recht.

Die Anzahl der Käufe, die sie in den vergangenen beiden Wochen an die Börsenaufsicht Bafin gemeldet haben, hat sich im Vergleich zur vergangenen Erhebung Mitte Mai zwar verdoppelt und steht auf Jahreshöchststand. Dabei sind jedoch viele kleine Orders zu beobachten. „Den Käufern scheint die Überzeugung zu fehlen“, bringt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School, die Stimmung auf den Punkt.

Auf der Gegenseite gab es bei den Verkäufen zwar weniger Orders, die hatten dafür aber große Volumina. Das Insider-Barometer, das das Aachener Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) daraus mit Commerzbank Wealth Management berechnet, notiert unverändert zur vorherigen Erhebung bei 110 Punkten – und damit im neutralen Bereich. Aktien werden sich demnach künftig nicht besser oder schlechter als andere Anlageklassen entwickeln.

Es kommt deshalb auf die genauere Betrachtung der Einzelwerte an. Hier fällt auf Kaufseite besonders die SAP-Aktie auf. Gleich drei Vorstände inklusive Vorstandschef Jim Hagemann Snabe haben zuletzt Aktien im Wert von zusammen mehr als 400.000 Euro gekauft. Nun ist es keineswegs so, dass die SAP-Aktie bei Analysten im Moment als günstig gilt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt trotz der jüngsten Kursverluste bei ambitionierten 14 für dieses Jahr.

Für den Technologiesektor, wo gewöhnlich für außerordentliche Geschäftsideen schon immer etwas mehr bezahlt worden ist, ist eine solche Bewertung indes nicht ungewöhnlich. Insofern überrascht es nicht, dass die drei Vorstände, die bislang nicht durch regen Insiderhandel aufgefallen sind, gerade jetzt kaufen. Weil nach einem enttäuschenden Auftaktquartal der Ausblick für das gesamte Jahr bestätigt worden ist, beurteilen die Analysten von Commerzbank Wealth Management die Aktie gar als attraktiv.

Deutlich anders ist der Fall auf Verkaufsseite, wo die größten Verkäufe zuletzt vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport kamen. Dessen Aktienkurs befindet sich seit Ende April im Sinkflug; knapp 20 Prozent ging es seither nach unten. Dabei hat auch die stetige Diskussion über die Lärmbelästigung durch die neue Landebahn den Kurs belastet. Drei von vier Vorständen haben jetzt verkauft, zusammen für die nicht unbedeutende Summe von gut 1,7 Millionen Euro. Nun sind auch die Fraport-Chefs nicht als besonders aktive Unternehmensinsider bekannt; zuletzt hatten sie im vergangenen September geordert.

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