Insidergeschäfte
„Erwischt werden nur die Dummen“

Insidergeschäfte an der Börse sind nicht nur unfair sondern auch strafbar. Wie viele es tatsächlich sind, die ihren Informationsvorsprung für satte Aktiengewinne ausnutzen, liegt im Dunklen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) untersucht Kursauffälligkeiten an der Börse und aktuell auch den Handel in Aktien von Premiere. Doch Insider fürchten die Behörde kaum.

DÜSSELDORF. Bereits einen Tag vor Bekanntgabe des Deals, der es Premiere ermöglicht sein Fußballprogramm in das gesamte deutsche Kabelnetz einzuspeisen, hatte die Aktie kräftige Kursgewinne bei auffallend hohen Handelsumsätzen verbucht. Nun beschäftigt sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin), eine Art Wachhund für Börsentransaktionen, zunächst routinemäßig mit dem Handel von Premiere Aktien. Im vergangenen Jahr hat die BaFin 1450 derartige Analysen durchgeführt. In nur 54 Fällen fanden die Prüfer Anhaltspunkte für einen Insiderhandel.

Wenn sich ein Verdacht auf Insiderhandel erhärtet hat, leiten die Behörde die Fälle an die Staatsanwaltschaft weiter. Bei 95 Personen wurden 2005 bei der Staatsanwaltschaft von der BaFin angezeigt. Das Ergebnis der Ermittlungen: In 88 Fällen wurden die Verfahren eingestellt, in 19 Fällen gegen eine Geldbuße. Nur in neun Fällen kam es zu einer Verurteilung. Dabei drohen den Verurteilten laut einer Sprecherin der BaFin "bis zu fünf Jahre Haft und hohe Geldstrafen". Auch der Gewinn den die Insider auf unrechtmäßige Art erzielt haben, werde eingezogen.

So auch im Fall der PixelNet AG. Sie meldete am 21. Februar 2001 per Ad-hoc Mitteilung, sie werde die Photo Post AG zum symbolischen Preis von 1 DM übernehmen. Der Börsenpreis der PixelNet AG stieg daraufhin bis zum 19. März um rund 37 Prozent. Später stellte sich heraus, dass ein Vorstandsmitglied der AG sein Wissen um die Übernahmepläne in bares Geld umgesetzt hatte. Einen Tag bevor die Übernahme öffentlich wurde hatte er insgesamt 2000 Aktien seiner AG erworben und sie nach dem kräftigen Kursanstieg im März verkauft. Sein Gewinn: 4 600 Euro. Seine Strafe: 20 700 Euro und der Verfall des Gewinns.

Harald Petersen ist Anwalt in Bayreuth und Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK). In seinen Augen haben die Prüfer des BaFin zwar ausreichend gesetzliche Möglichkeiten um Insidergeschäfte zu untersuchen, Petersen sieht aber trotzdem große Probleme: "Die Täter sind schwer zu ermitteln, da die Börse ein anonymer Markt ist und es viele verstehen, ihre Spuren zu verwischen oder erst gar keine zu hinterlassen." Über mehrere Mittelsmänner spielten sie ihren Informationsvorsprung aus und seien so schwer zu erwischen.

„BaFin müsste die Unternehmen umerziehen“

"Letztlich werden immer nur die Dummen oder Nachlässigen entdeckt" heißt sein ernüchterndes Fazit. Dabei riskieren Manager, die sich zu Insidergeschäften hinreißen lassen, hohe Schadensersatzforderungen. Auf Premiere angesprochen, plädoyiert Petersen für einen Wandel in der deutschen Kapitalmarktkultur. "Premiere hätte gleich, nachdem sie die Gespräche mit Arena wieder aufgenommen haben, mit der Information an die Öffentlichkeit gehen sollen. Damit wären sie rechtlich auf der sicheren Seite gewesen." Laut Petersen schweigen die Unternehmen so lange bis sie einen Erfolg vermelden können und informieren dann die Öffentlichkeit. "Dabei ist im Fall Premiere die Nachricht über weitere Gespräche mit Arena natürlich wichtig für die Zukunftsperspektive."

Dabei gäben die Unternehmen nichts aus der Hand wenn sie frühzeitig über Verhandlungen informierten, so Petersen. Die Anleger könnten sich schließlich eine eigene Meinung über die Erfolgsaussichten von Verhandlungen bilden und selbst entscheiden, ob sie ihre Aktien halten, verkaufen oder aufstocken. "Im Grunde müsste die BaFin die Unternehmen umerziehen, zu ihrem eigenen Vorteil."

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