Insolvenzrisiko verteuert Kreditausfallversicherungen
Derivatehändler fordern Zusatzprämien für GM

Nach Einschätzung von Derivatehändlern steigt das Risiko einer Insolvenz des US-Konzerns General Motors (GM). Der weltgrößte Autohersteller fährt seit vier Quartalen Verluste ein und räumte in der letzten Woche Fehler in der Bilanz ein.

Bloomberg NEW YORK. In den USA hatten zuvor der Zulieferer Delphi und die Fluggesellschaft Delta Air Lines Insolvenz angemeldet. Die Derivatehändler verlangen inzwischen für Credit Default Swaps (CDS) auf GM-Anleihen zusätzlich zu den jährlichen Prämien Vorauszahlungen, genau wie bei Delphi und Delta, kurz bevor diese Unternehmen Insolvenzantrag stellten. CDS sind eine Art Ausfallversicherung auf Anleihen und die am meisten gehandelten Kreditderivate.

GM verliert derzeit auf seinem Heimatmarkt Marktanteile an Konkurrenten aus Asien, darunter der japanische Autobauer Toyota. Außerdem verzeichnet GM die längste Verlustperiode seit 13 Jahren. Die Ratingagenturen Moody’s und Fitch haben in diesem Monat die Kreditwürdigkeit von GM erneut um zwei Stufen auf „B1“ beziehungsweise „B+“ gesenkt. Damit sind die Anleihen des Konzerns noch tiefer in den Junk-Bond-Bereich für fragwürdige Schuldner gerutscht. Standard & Poor’s (S&P) bewertet GM mit der Note „BB-“ und damit eine Stufe besser als Moody’s und Fitch. Die liquiden Mittel im Automobilgeschäft von GM sind von 24,5 Mrd. Dollar vor einem Jahr auf 19,2 Mrd. Dollar gefallen.

„Für GM kommt eins zum anderen“, kommentiert Rob Hinchliffe, Analyst bei UBS Securities in New York. Unter den elf Autoherstellern und Zulieferern, die Hinchliffe beobachtet, ist GM eines der beiden Unternehmen mit der schlechtesten Bonitätsnote. Den Konkurrenten Ford stuften die Ratingagenturen seit dem Frühjahr ebenfalls auf Junk-Niveau ein, die Ratings sind aber noch etwas besser als die von GM.

Die CDS auf GM, also die Kosten, um GM-Anleihen im Volumen von 10 Mill. Dollar zum Beispiel über eine Laufzeit von fünf Jahren abzusichern, sind auf 500 000 Dollar pro Jahr nach oben geschnellt, bei einer Vorauszahlung von 1,7 Mill. Dollar. Vor einer Woche lag die Jahresprämie noch bei insgesamt einer Million Dollar. Zu Beginn des Jahres kostete eine solche Versicherung rund 260 000 Dollar.

Bei Delphi verlangten die Verkäufer von Credit Default Swaps ab dem 19. April Vorauszahlungen. Knapp sechs Monate später, am 8. Oktober, musste Delphi den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Bei CDS auf Delta, die am 14. September Insolvenzantrag stellte, wurden im Januar Vorauszahlungen von rund 4,5 Mill. Dollar verlangt.

Bei Credit Default Swap zahlt der Käufer normalerweise eine jährliche Gebühr und erhält bei einem Zahlungsausfall den vollen versicherten Wert. Der Verkäufer des Swaps erhält im Gegenzug die Kredite oder Anleihen, die nicht mehr bedient werden. Wenn sich die Bonität eines Emittenten verbessert, sinken die Preise für eine Ausfallversicherung, umgekehrt steigen sie bei schlechterer Bonität. Vorauszahlungen werden verlangt, wenn sich die Verkäufer der Swaps große Sorgen um die Kreditwürdigkeit des entsprechenden Unternehmens machen.

Die Anleger bewerten „das allgemeine Risiko und die negativen Faktoren bei der Bonität von GM“ neu, erklärt Pete Hastings, zuständig für Unternehmensanleihen bei Morgan Keegan in Memphis.

Auch im Handel mit Aktienderivaten setzen Investoren auf fallende GM-Kurse. Der Handel mit Optionen, die Geld bringen, wenn der Kurs der GM-Aktie vor Januar 2007 unter zehn Dollar fällt, hat stark zugenommen. Derzeit notiert die GM-Aktie mit 24,50 Dollar. Auf die Aktien gibt es viermal mehr Verkaufs- als Kaufoptionen. Im Januar lag das Verhältnis noch bei zwei zu eins.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%