Institutionelle Anleger weichen auf Nachmittag aus
Parkettgeschäft profitiert nicht von kürzerem Xetra-Handel

Die Rechnung war ganz einfach, doch sie geht offenbar nicht auf: Die verkürzten Zeiten des elektronischen Handels haben lediglich zu Umsatzrückgängen im Abendhandel, nicht aber für einen Schub auf dem Parkett der deutschen Börsen gesorgt.

HB FRANKFURT. Institutionelle Anleger hätten sich aus dem späten Geschäft nahezu völlig zurückgezogen, sagten Börsianer. Nach Angaben des Frankfurter Börsenbetreibers Deutsche Börse vom Freitag fiel der Umsatzanteil des späten Handels am Gesamtumsatz aller deutschen Börsen auf rund ein Prozent von vorher sieben Prozent. In absoluten Zahlen hieß dies zum Beispiel für Donnerstag, dass nach 17.30 Uhr an allen Börsenplätzen Aktien im Wert von 42,2 Mill. € gehandelt wurden. In der Vorwoche, als die Computerhandelsplattform Xetra bis 20.00 Uhr zur Verfügung stand, waren es 390 Mill. €.

Seit Montag schließt der Handel auf Deutschlands führendem Aktienhandelssystem Xetra um 17.30 Uhr statt um 20 Uhr. Auf dem Parkett kann jedoch weiter bis 20 Uhr gehandelt werden. Die Börse reagierte damit auf die Kritik der Frankfurter Großbanken, denen der umsatzarme Xetra-Späthandel zu teuer geworden war.

Während Privatanleger, die nach Feierabend noch Aktien kaufen wollten, auf das Parkett auswichen, verlagerten institutionelle Anleger ihre Geschäfte offenbar auf den Nachmittag, sagten Börsianer. „Fondsmanager gehen jetzt um 17.30 Uhr nach Hause und für die ist die Reform ja auch gemacht worden“, sagte ein Frankfurter Parketthändler.

Die nach Frankfurt zweitgrößte deutsche Börse in Stuttgart verbucht nach eigenen Angaben in Folge der Neuerung jedoch auf niedrigem Niveau steigende Umsätze. Die Zahl der Geschäfte in inländischen Papieren sei nach 17.30 Uhr auf 220 bis 400 Trades je Abend von zuvor durchschnittlich 150 Transaktionen gestiegen, sagte ein Sprecher. „Wir registrieren Bedarf nach einem abendlichen Handel bei den Kleinanlegern“, sagte Andreas Wilius, Börsenvorstand in Stuttgart. Stuttgart wirbt damit, den geringsten Spread im Aktienhandel aller deutschen Börsen zu garantieren. Geringe Spreads, also Differenzen zwischen An- und Verkaufskurs, machen das Kaufen und Verkaufen einer Aktien attraktiver.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%