Internationale Aktienmärkte
Ausländer bescheren Brasilien eine Hausse

In Brasilien sind Aktien inzwischen so teuer wie vor der Krise. Banken empfehlen derzeit Aktien, die vom anhaltenden Konsum auf dem Binnenmarkt profitieren und noch nicht stark zugelegt haben. Pessimisten warnen dagegen vor Rückschlägen. Wohin die Kurse letztendlich gehen, wird stark von ausländischen Investoren bestimmt.

SAO PAULO. Brasiliens Aktien überraschen. In Dollar gerechnet haben die Kurse seit Jahresbeginn um 90 Prozent zugelegt. Vom historischen Hoch im Mai 2008 ist der Bovespa-Index aber immer noch ein Drittel entfernt. Citibank und Credit Suisse (CS) prognostizieren weitere Gewinne - in bescheidenem Ausmaß, gemessen an den Rekorden des vergangenen Jahres. Doch nicht alle Experten sind optimistisch.

CS sieht ein Kurspotenzial von 14 Prozent für die nächsten zwölf Monate. Citi bietet mehr: 16 Prozent Plus bis zum Jahresende. Geoffrey Dennis von der Citibank erwartet, dass bei den Unternehmen bereits die Trendwende stattgefunden hat und die Gewinne wieder steigen werden, weil auch die Industrieländer sich schneller erholen werden. Entsprechend positiv sehen die Prognosen der Citibank-Analysten für brasilianische Aktien aus: Danach werden die Gewinne je Aktie zwar in diesem Jahr im Durchschnitt noch um 26 Prozent sinken, im nächsten Jahr aber schon wieder um 30 Prozent zulegen. Skeptischer ist Emerson Leite von Credit Suisse. Er kann in den Quartalsberichten noch keine Indizien für eine überraschende Gewinnsteigerung der brasilianischen Konzerne in den nächsten Monaten ablesen. "Nur wenn die Gewinne größer ausfallen als erwartet, wird der Index weiter klettern", sagt Leite.

Fernando Exel vom Finanzdienstleister Economática erwartet, dass Unternehmen, deren Gewinne jetzt stark geschrumpft sind, bis weit ins nächste Jahr zurückhaltend investieren werden. Das gelte vor allem für die großen Exporteure, die unter Nachfrageschwäche, starkem Real und niedrigen Rohstoffpreisen litten. "Deren Investitionsverhalten hängt davon ab, wie schnell die externe Nachfrage wieder anzieht", sagt Exel. Er hält positive Impulse aus dem Ausland auch für wichtig, damit das Wachstum auf dem Binnenmarkt anhält. Denn bisher ist es der lokale Konsum, der Wirtschaft - und Börse - in Schwung hält. Vom den Zinssenkungen und öffentlichen Kreditprogramm profitieren Einzelhandel, Lebensmittel- und andere Konsumgüterhersteller. Banken empfehlen darum derzeit Aktien, die vom anhaltenden Konsum auf dem Binnenmarkt profitieren und noch nicht stark zugelegt haben. CS zählt den Einzelhändler Lojas Renner, den Kreditkartenanbieter Redecard und die Fluggesellschaft Gol auf.

Wohin die Kurse letztendlich gehen, wird stark von ausländischen Investoren bestimmt. Im Juli stieg ihr Anteil an der Börse auf 38 Prozent. Der Reiz für sie, nun Gewinne zu realisieren ist hoch. Dagegen spricht die vergleichsweise robuste Wirtschaft Brasiliens, die in diesem Jahr stagniert und im nächsten Jahr schon wieder um vier Prozent wachsen soll, dafür zu bleiben. Hinzu kommt, dass es Ausländern aus Sicht der Brasilianer an attraktiven Alternativen fehlt. Ein weiterer Pluspunkt: Die Ratingagentur Moody's überlegt gerade, nach Fitch und Standard & Poor's im vergangenen Jahr, Brasilien den Status Investment Grade zuzubilligen. Das könnte der Börse zusätzlichen Schub geben.

Vorsichtige Experten raten, Kursrückschläge abzuwarten und haben dabei vor allem die Blue Chips Petrobras (Öl und Energie) und Vale (Bergbau) im Blick. Denn brasilianische Aktien sind gemessen am Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) bereits recht teuer geworden. Auf Basis der 2010 erwarteten Gewinne liegt das durchschnittliche KGV der Bovespa-Titel mit 13 bereits wieder auf dem Niveau der vergangenen Boomjahre.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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