Internationale Aktienmärkte
China macht US-Krise wett

Die rasante Entwicklung in den Schwellenländern (Emerging Markets) könnte im kommenden Jahr die Schwäche wettmachen, die von den etablierten Industrieländern ausgeht. Davon gehen inzwischen namhafte Volkswirte, Aktienanalysten und Vermögensverwalter aus. Sie rechnen deshalb damit, dass die internationalen Aktienmärkte auch 2008 weiter anziehen werden.

FRANKFURT. Ausgangspunkt dieser Überlegung ist, dass die USA als größte Industrienation weltweit ein deutlich langsameres Wachstum zeigen wird als in den letzten Jahren. „Viele Indikatoren dort zeigen derzeit eine deutliche Abschwächung“, sagt Kai Franke, Investmentchef der BHF Bank. Hinzu kommen speziell im Euro-Raum die strengeren Kreditbedingungen, die im Unternehmenssektor das Wachstum erschweren. In Japan belastet zudem die noch nicht überwundene Deflation.

Für die daraus resultierende Kernfrage, ob darunter im kommenden Jahr die Märkte weltweit leiden werden, verneinen jedoch die meisten Experten. Ihre Hoffnung: das weiterhin starke Wachstum der Schwellenländer und das im Vergleich zu den 90er Jahren deutlich höhere Niveau, auf dem sich diese Entwicklung abspielt. „Seit dem Jahr 2004 bestimmen die Brics das Weltwirtschaftswachstum“ sagt William De Vijlder, Investmentchef bei Fortis Investment.

Von den vier Ländern Brasilien, Russland, Indien und China, die sich hinter dem Begriff „Bric“ verbergen, ist vor allem China für das gesamte Weltwirtschaftswachstum entscheidend. Dort gehen die Experten von einem Wirtschaftswachstum von elf Prozent im kommenden Jahr aus. „Erst wenn China schwächelt, müssen die Szenarios für den Dax und den Euro Stoxx 50 neu überdacht werden“, sagt Aktienstratege Roland Ziegler von der BHF Bank. Weil die Aktien vieler vor allem exportlastiger Unternehmen inzwischen mehr globalisierungsgetrieben sind, macht vielen Experten eine mögliche Abschwächung des US-Exports noch keine allzu großen Sorgen.

Doch nicht nur das Wachstum der Schwellenländer sorgt für Optimismus an den westlichen Märkten, auch der immense Anstieg der Fremdwährungsreserven in den Emerging Markets. China beispielsweise hat in den letzten zehn Jahren seine Dollarreserven auf 1 388 Milliarden verneunfacht. Deutliche Steigerungsraten weisen auch Brasilien, Russland und Indien aus.

Dass sich die europäische Exportwirtschaft deshalb in Zukunft noch stärker als bisher schon auf die Schwellenländer als potenzielle Absatzmärkte auch für hochwertige und damit margenträchtige Produkte konzentrieren wird, ist deshalb für die meisten Experten ausgemachte Sache. Als Konsequenz daraus sind sie sowohl für europäische Aktien und für Papiere aus den Schwellenländern optimistisch. Und das, obwohl über allem die Frage hängt, ob die USA einer Rezession oder einem „soft landing“, also einem moderaten Abschwung, entgegensteuern.

„Gerade die stark im produzierenden Bereich tätigen Volkswirtschaften in Europa wie Deutschland, Frankreich und Italien werden hiervon mehr profitieren als die Länder mit einem Fokus wie dem Finanzsektor“, sagt Colin McLean, Fondsmanager des Noramco Quality Fonds Europe. Zudem erwartet er eine Abkopplung der konjunkturellen Entwicklung in den USA vom Rest der Welt.

Für den Deutschen Aktienindex (Dax) sagt BHF-Stratege Ziegler in zwölf Monaten einen Stand von 8 700 Punkten voraus. Vom aktuellen Niveau aus wäre das ein Plus von immerhin 16 Prozent.

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