Interview mit Herbert Walter
„Wir brauchen keine Regenmacher“

Das Vertrauen in Banker ist noch immer angeschlagen. Doch Herbert Walter glaubt nicht, dass es zu spät ist für eine Wende. Der eigentliche Kulturwandel wird erst noch kommen und er wird vom Kunden erzwungen.
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DüsseldorfKnapp drei Jahre lang war Herbert Walter Kolumnist bei Handelsblatt Online. Jetzt Übernimmt er den wichtigen Aufsichtsratsvorsitz bei der österreichischen Hypo-Alpe-Adria-Gruppe und schreibt nicht mehr als ständiger Kolumnist für Handelsblatt Online. Im Interview blickt er zurück – und nach vorn.

Wenn Sie Bilanz ziehen: Wie sind ihre Erfahrungen als Kolumnist?
Mir hat es wirklich Spaß gemacht, in einer bewegten Zeit jede Woche eine Kolumne zu schreiben. Ich musste das Geschehen an den Märkten wie in der Politik viel genauer beobachten und analysieren und dann natürlich selbst auch zu einer dezidierten Meinung kommen. Ja, ich war auch überrascht, wie viele Reaktionen es im Online-Geschäft gibt, meist sachlich, aber manchmal auch sehr emotional.

Sie begleiten intensiv die Entwicklung in der Bankenbranche. Dort ist von einem Kulturwandel die Rede. Wie glaubwürdig sind die Anstrengungen der Banken, sich im Sinne der Kunden zu ändern?
Der eigentliche Kulturwandel wird erst noch kommen, er wird vom Kunden erzwungen. Immer mehr Kunden beginnen seit der Finanzkrise, sich um ihr Geld viel stärker selbst zu kümmern. Wo vorher der Berater schon mal nachhelfen musste, um ein Produkt an den Mann oder die Frau zu bringen, wird im Internetzeitalter der Kunde selbst immer aktiver. Er kann die Angebote und Produkte ganz einfach im Netz vergleichen und er sieht, dass er oft zu viel zahlt oder für sein Geld zu wenig bekommt. Der Kunde wird viel fordernder, das wird die traditionellen Finanzdienstleister unter Druck bringen und zu einer neuen Kultur mit einem starken Kundenfokus führen.

Wie hat sich der Berufsstand des Bankers aus Ihrer Sicht in den vergangenen drei Jahren gewandelt?
Der Lack ist ab, jede Menge Vertrauen ist verloren gegangen. Aber es ist nicht zu spät für eine Wende. Was wir brauchen, sind nicht Regenmacher, sondern solide Banker, die nur das versprechen, was sie auch liefern können.

Strukturierte Produkte kehren zurück, die Finanztransaktionssteuer fällt schmal aus, das Investmentbanking wird bei deutschen und US-Banken unverändert in den Vordergrund gerückt: Kehrt die alte Bankenwelt zurück?
Die alte Welt der Banken wird nicht zurückkehren, dafür sorgen schon Innovationen und neue Wettbewerber außerhalb des Bankenbereichs. Was mir große Sorgen macht, sind deutliche Anzeichen dafür, das neue Blasen entstehen, vor allem getrieben durch die Politik der Zentralbanken. Nach den vielen Krisenjahren im neuen Jahrhundert müssen wir wirklich alles tun, damit es nicht in Kürze erneut an den Märkten blitzt und donnert. Ich bin sicher, in einem solchen Fall würde das gesamte Finanzsystem an den Pranger gestellt werden.

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Den Deutschen steckt die Finanzkrise in den Knochen

Kommentare zu " Interview mit Herbert Walter: „Wir brauchen keine Regenmacher“"

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  • ".....und er wird vom Kunden erzwungen."

    Das hab ich bei den Ex-"Hausbesitzern" in den USA gesehen !

    Krankes, perverses System !!! Zuwider diese dummschwätzigen Typen dieser Finanzbranche !

    ABER, in der Politik haben diese kranken Typen eine starke Lobby !

    Voraussetzung, eine dumme, gutgläubige Kundschaft und die richtigen "Volksvertreter" !

  • Blitz und Donner? Eher ein nuklerar Blitz als ein laues Wetterleuchten. Die nächste Krise ist die letzte, die Fehler im Geldsystem sind viel zu fundamental als dass sie mit ein paar halbwarmen, filigranen Korrektürchenen (die teilweise noch nicht mal diesen Namen verdienen) beseitigbar wären. Nachzulesen inzwischen in hunderten Büchern und überall im Internet.

    Klar, wer hier selber als Teil des Systems kräftig mitverdient...mitnehmen was geht und rechtzeitig von der Titanic abspringen. Darüber offen reden? Na bestimmt nicht. In diesem Sinne "gute Reise"

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