Interview mit Joachim Goldberg
„Macht die Börsen dicht“

Die Börsen brechen so rasant ein, wie es wohl die wenigsten erwartet haben. Anleger verramschen ihre Aktienpakete. Börsenpsychologe Joachim Goldberg erklärt auf Handelsblatt.com, wie die Panik entsteht und was in einer solchen Situationen helfen könnte.

Handelsblatt: Die Börsen verlieren weltweit dramatisch. Kann man in diesem Umfeld von Panik sprechen?

Joachim Goldberg: Absolut. Das sieht man insbesondere an den hohen Kursverlusten an gleich mehreren Handelstagen infolge. Diese Serie zeigt recht gut, wie groß die Angst an den Märkten tatsächlich ist.

Das Milliarden schwere Rettungspaket der US-Regierung - verpufft! Die gemeinsame Leitzinssenkung der großen Notenbanken - verpufft! Warum ist kein Vertrauen da?

Die Rettungsaktionen treffen natürlich auf einen ohnehin zutiefst verunsicherten Markt. Panik entsteht, wenn die Menschen glauben, die Kontrolle über die Lage zu verlieren. Dieses Gefühl scheinen die Anleger derzeit zu haben. In so einer Situation helfen meist weder gute Worte noch gute Taten. Die Zinssinkung, die eigentlich eine Signalwirkung haben sollte, ist deshalb verpufft.

Kanzlerin Merkel hat öffentlich erklärt, dass die Spareinlagen der Deutschen sicher seien. Schafft das Vertrauen - oder bewirkt es nicht genau das Gegenteil, weil viele nicht im Traum daran gedacht haben, dass ihre Einlagen nicht sicher sind?

Das Garantieversprechen der Regierung war sehr wichtig. Die massiven Schwierigkeiten der Hypo Real Estate ließen Schlimmstes befürchten. Aber wie das bei Medikamenten eben so ist, hat auch die Arznei von Frau Merkel Nebenwirkungen. Ihr Versprechen hat natürlich dazu geführt, dass sich viele Anleger auf die garantierten Produkte gestürzt und ihr Geld aus Aktien abgezogen haben.

Was kann die Börsen in der jetzigen Phase überhaupt beruhigen?

Der Markt braucht Zeit. Wir müssen die Kontrolle wieder herstellen, durch Transparenz und zusätzliche Informationen. Das dauert. Ich würde dafür plädieren, die Börsen in der kommenden Woche weltweit dicht zu machen. Wenn jetzt immer weiter verkauft wird, dürfte zwar irgendwann eine Gegenbewegungen einsetzen. Die nutzen dann aber viele, um zu verkaufen, weil sie glauben, den Absprung zuvor verpasst zu haben. Die Märkte brauchen Zeit, damit sinnvolle Entscheidungen getroffen werden können und etwas Ruhe einkehrt.

Wie viel Psychologie ist derzeit im Markt - und welchen Anteil haben die fundamentalen Daten?

Im Moment bestimmt ausschließlich der Faktor Psychologie die Kurse. Wir sollten aber nicht vergessen, dass auch in ruhigeren Zeiten der Einfluss der Anlegerpsyche eine sehr große Rolle spielt.

Welche Rolle spielen die Medien?

Man muss schon sagen, dass die Medien das Ganze tendenziell verstärkt haben. Allerdings glaube ich zu beobachten, dass sich dieser Trend in den letzten Tagen abgeschwächt hat.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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