Interview mit Jürgen Meyer
„Mindestens 30 Prozent sind für den Dax noch drin“

Die Fed flutet die Märkte mit billigen Dollars; ein Großteil des Geldes strömt an die Börsen und treibt die Kurse. Entscheidend für die Anleger allerdings seien die Bilanzen der Unternehmen, sagt Fondsmanager Jürgen Meyer. Und die sehen bei vielen Konzernen besser denn je aus. Das Gute für Anleger: Noch sind viele Aktien nicht zu teuer.
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Die US-Notenbank flutet die Märkte mit frischen Dollar. Was bedeutet das für die Aktienmärkte?

Über das Thema Notenbanken und Liquidität mache ich mir nicht allzu viele Gedanken. Das ist eher die Sache der Volkswirte. Was mich vielmehr interessiert, sind die Unternehmensbilanzen. Und die sehen sehr gut aus. Wenn in den kommenden Wochen keine Katastrophen mehr passieren, wird das Jahr 2010 als das beste in die lange Geschichte der BASF eingehen, um ein Beispiel zu nennen. Oder BMW: Rechnet man den Gewinn auf das ganze Jahr hoch, wird auch der Autobauer mit einem Rekord abschließen. Linde übrigens auch. Es gibt zahlreiche Beispiele.

Und was folgert der Anleger daraus?

Viele Unternehmen sind trotz der Erholung der vergangenen anderthalb Jahre noch immer günstig bewertet an der Börse.

Ihr Fokus liegt auf den europäischen Aktienmärkten. Welche Regionen, welche Branchen bevorzugen Sie derzeit?

Eine solche Unterscheidung mache ich nicht. Wichtig ist, dass ein Unternehmen starke Markteintrittsbarrieren gegen Konkurrenten hat. Denn nur dann kann es dauerhaft seine hohen Margen verteidigen. Eine Barriere ist schlicht die Marktführerschaft; allerdings hat Marktführerschaft nicht unbedingt etwas mit der Marke zu tun. Nehmen wir wieder das Beispiel BASF. Die Kunden des Chemiekonzerns kaufen nicht, weil die Marke BASF so spannend ist. Sie kaufen die Kunststoffe, weil BASF wegen seiner Größe in diesem Bereich der Kostenführer ist und entsprechende Preise bieten kann. Dabei muss das Unternehmen aufgrund seiner Marktposition nicht mal den kompletten Kostenvorteil an seine Kunden weitergeben. Das ist die Grundvoraussetzung, dass auch für den Aktionär etwas übrig bleibt.

Sie nennen BASF als Beispiel. Welche Konzerne haben Sie noch auf dem Zettel?

L´Oreal oder Nestlé beispielsweise, um noch zwei internationale Beispiele zu nennen.

Was mit den Versorgern? Die meisten sind riesig, können ihre Preise durchdrücken. Klassisch defensive Werte.

Bei den Versorgern wäre ich vorsichtig. Man darf nicht vergessen, dass das staatlich regulierte Unternehmen sind. Und der staatliche Einfluss hat natürlich seinen Preis, das sehen wir gerade an der Debatte um die Brennelementesteuer. Das scheint mir in den derzeitigen Kursen aber hinreichend berücksichtigt.

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  • An der börse wird die Geschichte noch sehr spannend. Es gibt immer nur zwei Arten von Anlegern; erfolgreiche und unwissende. Der DAX hat noch Potential bis zu 50%. GECKO würde sagen. Kaufen bis die Hölle brennt.

  • Also nicht so ungerecht mit dem Herrn umgehen. Um eine eigene Strategie durchzusetzen, benötigt man von vornherein eigenes Kapital von mindestens 1 Mio. €. Auch um ggf. an Fremdkapital heran zu kommen und einen Leverage auszunutzen. Dafür muß man als "normaler" Angestellter lange verdammt hart und erfolgreich arbeiten oder erben oder im Lotto gewinnen. Und boni-banker findet man nur im investment-banking, aber nicht in der Fonds-Verwaltung. Die Tendenz seiner Aussagen teile ich übrigens!

  • Mit den Herren "Experten" von Fondsgesellschaften und banken und ihren "Empfehlungen" hat die Welt in den letzten Jahren ja so ihre Erfahrungen gesammelt. Der junge Herr hat wohl -wie viele seiner branchenkollegen- aus den Krisen der letzten 10 Jahre nichts dazugelernt. Was "günstig bewertet" ist und was "teuer" bedeutet, ist rein subjektive Definitionssache. Dies gilt für immobilien, Waren aber auch für Aktien. Ein einigermaßen inteligenter Verkäufer einer Ware/ einer Aktie wird wohl niemals offen seinem Gegenüber sagen, daß seine Ware/ seine Aktie "zu teuer" ist.

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