Interview mit Karlheinz Hornung
„Die Regierung hat ein Tabu gebrochen“

Der Zwangsausschluss der Aktionäre der Hypo Real Estate durch den Bund ist ein Fehler, meint Karlheinz Hornung, Finanzvorstand von MAN und Präsident des Deutschen Aktieninstituts. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt er, warum eine Finanzsteure die Falschen bestrafen würde und wieso Manager und Mitarbeiter Aktien des eigenen Unternehmens halten sollten.
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Herr Hornung, die deutsche Politik mischt sich im Zeichen der Finanzkrise so stark wie selten zuvor in die Wirtschaft ein. Am 5. Oktober will der Bund auf der Hauptversammlung der HRE nun die letzten Aktionäre herausdrängen. Haben Sie als Präsident des Aktieninstituts dafür Verständnis?

Nein, das sehe ich sehr kritisch. Meiner Meinung nach hat die Bundesregierung damit ein Tabu gebrochen, das sie lieber unversehrt gelassen hätte. Das ist nun vor allem ein Fest für die Juristen. Das Aktienrecht kennt doch auch für diesen Fall seine Regeln. Es wäre mir lieber gewesen, wenn die Regierung sich nicht auf juristisches Neuland begeben hätte.

Die Politik ist offenbar entschlossen, der Finanzbranche strengere Zügel anzulegen. Was halten Sie von der Diskussion über eine neue internationale Finanzsteuer?

Ehrlich gesagt, auch nicht viel. Damit werden doch nur wieder die Falschen bestraft, nämlich die Kleinaktionäre, die die Finanzkrise nicht ausgelöst haben. Problematisch waren doch billiges Geld und die laschen Regeln in den USA und Großbritannien bei der Finanzaufsicht. Da müssen die Rahmenbedingungen neu justiert werden, aber doch nicht noch Strafgelder erhoben werden. Eine Finanzsteuer setzt das falsche Signal, weil es die Aktienanlage nicht fördert, sondern weiter erschwert.

Werden Sie für diese Vorstellungen bei der neuen Bundesregierung kämpfen?

Sicherlich. Wir sind dabei, im Aktieninstitut ein neues Positionspapier zu erstellen, mit dem wir auch bei der Regierung vorstellig werden wollen. So haben wir klare Vorstellungen, sowohl was die Debatte um Managergehälter als auch was die gesetzlichen Auflagen angeht.

Ist eine Begrenzung der Manager-Boni mit Ihnen zu machen?

Ich habe damit kein Problem. Es muss da Obergrenzen geben, keine Frage. Eine Kappung der Manager-Boni findet durchaus die Zustimmung des Aktieninstituts. Aber über die Details und Höhe der Managementvergütung sollte auch künftig nicht die Hauptversammlung beschließen. Dafür gibt es den Aufsichtsrat, der darauf achten sollte, dass bei den Leistungsanreizen keine nicht-realisierten Gewinne plötzlich zu Gehaltssteigerungen führen können. Die Vergütungen sollten erst gezahlt werden, wenn das Geld auch tatsächlich eingenommen worden ist. Außerdem müssen wir auf die Gehaltsentwicklungen auf dem internationalen Arbeitsmarkt achten.

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