Interview mit Martin Weber
Börsen-Baisse: „Der Boden ist erreicht“

Nach den jüngsten Rettungsmaßnahmen legen die Börsen weltweit zu. Doch ist das Schlimmste damit überstanden? Im Interview erklärt Finanzexperte Martin Weber, wie es an den Märkten weitergehen könnte und was Anleger tun sollten.

Herr Weber, was sind die am Wochenende beschlossenen Rettungsmaßnahmen wert?

In der letzten Woche haben alle gedacht, es komme zu einer Kernschmelze des Systems. Diese Gefahr ist durch den massiven Eingriff der Europäer abgewendet worden. Der Plan sichert die Refinanzierung der Banken untereinander und die Kreditvergabe an Unternehmen. Jetzt muss man schauen, wie diese Programme umgesetzt werden. Was sagen die Bundesländer, was passiert mit den Landesbanken. Wie dieser Kleinkrieg ausgeht, wird noch spannend.

Waren die Verluste an den Börsen übertrieben?

Nein, denn die Bedrohung war real. Wenn schon Herr Ackermann sagt: die Märkte haben versagt, der Staat muss eingreifen, dann ist die Lage ernst. Wenn die Regierungen nicht eingegriffen hätten, wären tatsächlich einige Banken kollabiert.

Wie geht es an den Märkten weiter?

Der Boden ist erreicht. Jetzt können die starken Abschläge an den Börsen wieder aufgeholt werden, der Markt dürfte sich stabilisieren.

Aber die Finanzkrise hat längst auf die Realwirtschaft übergegriffen. Werden die Kurse im Falle einer Rezession nicht weiter abrutschen?

Der Dax ist seit Jahresbeginn von 8 000 auf zwischenzeitlich 4 500 Punkte gefallen. Aber selbst der drohende Abschwung rechtfertigt keine Halbierung der Kurse. Es wird fast so getan, als würden die Schornsteine nicht mehr rauchen. Ganz so schlimm sieht es nicht aus. Es wird immer noch produziert, es steckt immer noch viel Wert hinter den Unternehmen. Wenn es zu einer Kernschmelze an den Finanzmärkten gekommen wäre, dann hätte die Lage anders ausgesehen.

Würden Sie jetzt schon wieder in Aktien investieren?

Für Anleger ist jetzt ein guter Zeitpunkt, wieder einzusteigen. Nicht kurzfristig in einzelne Aktien, aber breit gestreut und für einen langen Zeitraum. Mit Aktien macht man langfristig keine Verluste. Aktien sind eine Beteiligung am Unternehmertum dieser Welt. So wie es den Unternehmen irgendwann wieder besser gehen wird, so werden auch die Aktien zulegen.

Martin Weber ist Professor für Finanzwirtschaft mit Schwerpunkt Bankbetriebslehre, Uni Mannheim

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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