Investor Relations
Noch immer Pflicht statt Kür

Im Zeitalter des Social Web haben Konzerne so viele Möglichkeiten wie noch nie, um mit ihren Investoren in Kontakt zu treten. Doch die wenigsten tun es, so das Ergebnis einer Studie.
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Wenn es darum geht, Anleger zu überzeugen, ist die Investor-Relations-Webseite die Visitenkarte eines Unternehmens. Doch bei vielen Firmen müssen sie suchen und stolpern, bis sie die wichtigen Informationen gefunden haben. „Die Konzerne neigen dazu, sich online so darzustellen, wie sie sich selber sehen. Das bedeutet oft komplizierte Organigramme und langweilige PDFs“, kritisiert Thorsten Greiten, Leiter der diesjährigen „Investor Relations Benchmark“- Studie der Kölner Net Federation. Seit 2003 analysiert und bewertet die Net Federation Investor-Relations-Webseiten der 100 größten deutschen Unternehmen. Dazu gehören die 30 Dax-Konzerne sowie Firmen im M-Dax, Tech-Dax und S-Dax.

Das Ergebnis ist auch in diesem Jahr vernichtend: Zu unhandlich, zu unübersichtlich, und unzeitgemäß – urteilen die Studienmacher über die IR-Webseiten der meisten in den Indizes gelisteten Unternehmen. Selbst die harten Fakten kommen bei vielen der Konzerne zu kurz: Nur 58 Prozent schaffen es, ihre Anleger online über ihre Business-Strategie zu informieren. Lediglich ein Fünftel legt einen aktuellen Online-Quartalsbericht vor. Mit einem Online-Geschäftsbericht können die Anleger nur bei 42 Prozent der Unternehmen rechnen.

Doch es sind nicht nur Zahlen und Fakten, welche die Investoren auf einer IR-Webseite finden wollen. Sie erwarten eine Story, die die entscheidungsrelevante Frage beantwortet: Warum soll ich in dieses Unternehmen investieren?“, sagt Greiten. Nur den wenigsten Firmen gelinge es, ihr Konzept lebendig darzustellen.

Als ein positives Beispiel nennt die Studie BASF. Auf der Webseite des Chemiekonzerns können Anleger das Unternehmen anhand seines Gewinns beurteilen oder danach, wie viel CO2 es im vergangenen Jahr eingespart hat. Mit einem Klick wechseln die Balken und der Benutzer der Seite springt von ökologischen zu ökonomischen Kriterien.

Ein anderes Unternehmen, das punktet, ist die Deutsche Telekom. Per Video nimmt dort Telekom-Chef René Obermann Stellung zu den aktuellen Quartalszahlen. Mit der Einbettung von Videos ist die Telekom allerdings eine Seltenheit unter den Konzernen. Lediglich elf Prozent von ihnen benutzen bewegte Bilder, um ihre Geschäftszahlen zu präsentieren. Den größten Sprung bei ihrer Kommunikation mit den Investoren hat die Deutsche Börse gemacht. Eine neue App, ein Online-Geschäftsbericht und neues Design haben das Unternehmen 37 Ränge auf Platz 36 nach oben geschoben.

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