IPO
Dickschiffe an der Börse gefragt

Länge läuft, sagen Segler. Größe läuft, halten Börsianer dagegen: Alle großen Börsengänge des Jahres entwickelten sich prächtig.

Der größte war der des Duftstoffherstellers Symrise, der rund 1,4 Milliarden Euro einsammelte und dessen Aktie in der ersten Börsenwoche knapp zehn Prozent zulegte. Verglichen mit der Industrial and Commercial Bank of China war allerdings auch Symrise nur ein Hauch von Parfüm. Die Chinesen kassierten beim größten Börsengang aller Zeiten 22 Milliarden Dollar.

Nummer zwei der deutschen Rangliste ist die bayerische Wacker Chemie, die im Frühjahr an die Börse ging und als Produzent von Rohsilizium für die Solarindustrie gerade noch die letzten Zuckungen der Solar-Euphorie an der Börse mitnahm. Wacker-Neuaktionäre dürften Sil- » vester etwa 25 Prozent Kursplus auf dem Konto haben. Die von Plaudermoderator Johannes B. Kerner heftig beworbene Air Berlin schaffte es dagegen nur mit nachträglich gesenktem Preis auf die Börsenstartbahn - die Aktie fiel dennoch unter Ausgabepreis. Erst nach der Übernahme der Deutschen BA stieg sie und liegt heute 37 Prozent über dem Ausgabekurs.

Nüchtern beim Börsenstart waren Anleger auch bei der Kontaktbörse Open BC, die als erste deutsche Web-2.0-Aktie angepriesen wurde. Für Internetunternehmen, die Kunden Inhalte selber produzieren lassen, werden in den USA Mondpreise gezahlt. Großverleger Rupert Murdoch blätterte für MySpace den 40-fachen Jahresumsatz hin, Google zahlte für das Videoportal YouTube 1,65 Milliarden Dollar, das 122-Fache des Jahresumsatzes. In Frankfurt bekam Gründer Lars Hinrichs für Open BC rund das 15-Fache der laufenden Jahreseinnahmen.

Kleinere Neulinge schnitten 2006 viel schlechter ab als die Dickschiffe. Viele kamen zu teuer an die Börse. Spitzenreiter in Sachen Wertvernichtung sind aktuell Softwareanbieter Magix (minus 56 Prozent) und Aleo Solar (minus 52 Prozent). Auf zwei fette Börsenbrocken hofften Banker vergebens: Bertelsmann-Frontfrau Liz Mohn zahlte lieber 4,5 Milliarden Euro an Großaktionär Albert Frère, als ein Parkettdebüt zu riskieren. Und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn verhedderte sich im politischen Chaos um die Frage, ob er mit oder ohne Schienen an die Börse soll.

Noch eine kleine Chance hat dagegen Ex-Wirtschaftsminister Werner Müller mit RAG. Ob die aus den Sparten Chemie, Energie und Immobilien zusammengewürfelte Ruhrkohle-Nachfolgerin 2007 eine Bereicherung für Anleger sein wird, ist unklar. Einen Vorteil hätte der Börsengang auf jeden Fall: Das nervige Ausrufezeichen auf den Trikots von Borussia Dortmund, ein Platzhalter für den neuen Firmennamen der dann Ex-RAG, wird endlich verschwinden und einem neuen Kunstnamen Platz machen. Wir warten auf irgendwas nach dem Muster Arvato/Eon/Kion/Qimonda/Symrise/Viterra/Xing. Aber schön kurz bitte, sonst passt der Name nicht aufs Trikot.

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