Island
Hoffnung für deutsche Kaupthing-Kunden

Nach Aussage der Regierung hat die isländische Bank genügend Mittel, um Spareinlagen zurückzuzahlen. Die Rückzahlung der Guthaben könnte schon in den nächsten Monaten beginnen. Freude will bei den deutschen Kaupthing-Sparern dennoch nicht aufkommen: Die Geschädigten sind skeptisch.

STOCKHOLM.Die rund 30 000 deutschen Sparer der zusammengebrochenen isländischen Kaupthing Bank können nach mehr als sechsmonatigem Warten wieder Hoffnung schöpfen: Nicht nur, dass Islands Regierungschefin Johanna Sigurdardottir am Wochenende in Reykjavik bestätigte, dass die Kaupthing Bank über genügend Barmittel verfüge, um die deutschen Sparer inklusive der bis vergangenen Oktober angelaufenen Zinsen auszuzahlen. Gleichzeitig teilte die deutsche Kaupthing Edge auch auf ihrer Internet-Seite mit, dass bis "auf einige technische Dinge" alle Probleme gelöst seien und die Bank die Kunden "so schnell wie möglich" entschädigen werde. Nach Handelsblatt-Informationen kann mit der Rückzahlung der Guthaben in den kommenden Monaten begonnen werden. Insgesamt haben die deutschen Sparer bei Kaupthing mehr als 300 Mio. Euro angelegt. Die Bank hatte vor dem Zusammenbruch mit hohen Tagesgeldzinsen geworben.

Freude will bei den etwa 30 000 deutschen Kaupthing-Edge-Sparern trotz der optimistischen Töne nicht aufkommen. "Zu lange warten wir schon, zu oft hat man uns schon hingehalten", sagte ein Geschädigter dem Handelsblatt. Tatsächlich hatte die im Herbst vergangenen Jahres unter Zwangsverwaltung gestellte Bank schon mehrfach eine Auszahlung ihrer deutschen Kunden in Aussicht gestellt. Zuletzt versprach der Zwangsverwalter der Bank im Februar dieses Jahres in Reykjavik, dass die Auszahlung in Kürze vorgenommen werden könne. Seitdem geschah jedoch nichts.

Erschwert wurde die Rückzahlung durch einen Streit mit der deutschen DZ Bank. Sie war der Clearing-Partner von Kaupthing Edge und somit für den Zahlungsverkehr zwischen Kunden und Kaupthing verantwortlich. Nach der Zwangsverstaatlichung von Kaupthing hatte die DZ Bank insgesamt 55 Mio. Euro an Kaupthing-Geldern einbehalten, da sie selbst Forderungen gegenüber der isländischen Bank hat. Zunächst hatte Kaupthing die DZ Bank für die Verzögerungen bei der Auszahlung verantwortlich gemacht. Mittlerweile hat Kaupthing jedoch genügend Mittel freigemacht, um auch ohne den von der DZ Bank gesperrten Betrag die Auszahlungen in voller Höhe vornehmen zu können. Der Streit mit der DZ Bank wird aller Voraussicht nach später vor Gericht ausgetragen.

Die Kaupthing Bank war im vergangenen Oktober zusammen mit Landsbanki und Glitnir verstaatlicht worden. Zuvor hatten die drei größten Institute Islands eine massive Auslandsexpansion eingeleitet, die größtenteils kreditfinanziert war.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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