Janwillem Acket im Interview
„Die Anleger waren zu ungeduldig“

Wer gehofft hat, das Schlimmste sei schon überstanden, könnte sich zu früh gefreut haben - meint Janwillem Acket, der Chefvolkswirt der Schweizer Bank Julius Bär. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, was noch auf uns zu kommt und wieso sich Schweizer und Deutsche so schwer miteinander tun.

Herr Acket, an den Aktienmärkten geht es seit Wochen fast ununterbrochen aufwärts. Was sollten Anleger jetzt tun?

Janwillem Acket: Je länger es aufwärts geht, desto unwahrscheinlicher wird es, dass wir auf die Tiefstände von März zurückfallen. Wer schon früh eingestiegen ist, sollte trotzdem jetzt schon mal Gewinne sichern. Insbesondere bei Bankaktien - die Banken sind noch lange nicht über den Berg. Wer bislang noch nicht in Aktien investiert hat, sollte schrittweise und nur sehr vorsichtig in den Markt einsteigen.

Könnte es nicht sein, dass die Börse die Erholung der Wirtschaft vorweg nimmt?

Da wäre ich extrem vorsichtig. Wenn man sieht, wie es den Unternehmen geht, gibt es eigentlich wenig Grund für eine anhaltende derartige Dynamik der Kursgewinne. Mir scheint, dass hier einige sehr ungeduldig waren. Die Nervosität wird wieder steigen.

Immerhin lassen einige Konjunkturdaten hoffen, dass sich die Wirtschaft bald erholen könnte.

Bei einigen Frühindikatoren zeichnet sich tatsächlich eine Wende ab. Was wir sehen, verdient aber nicht die Bezeichnung Aufschwung. Es ist nur die Verlangsamung des Abwärtstrends. Das reicht nicht, um Arbeitsplätze zu schaffen und den Konsum anzukurbeln. Auch die Zunft der Ökonomen ist verunsichert. Die Lage ist sehr ernst.

Was ist das größte Risiko?

Die größte Bedrohung ist momentan die Deflation. Wenn es nicht gelingt, die Deflation einzudämmen, hätte das verheerende Folgen: jahrelanger Abschwung, totale Lähmung des Konsums und ein enormer Anstieg der Arbeitslosigkeit.

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