Japan
Experten misstrauen der Rally in Tokio

In Tokio erwarten Analysten bis Jahresende eine schleppende Entwicklung des Leitindex Nikkei. Zu den Verlierern des Jahres gehören schon jetzt die Bankaktien. Die links ausgerichtete Regierung und der internationale Trend zu strengeren Eigenkapitalvorschriften belasten die Bewertung der Branche.
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TOKIO. Der japanische Aktienmarkt hat seine Möglichkeiten vorerst ausgereizt. Die bevorstehende Quartalszahlsaison wird dem Leitindex Nikkei zwar möglicherweise noch einmal einen Schub geben, doch bis Jahresende erwarten Experten eher eine schlappe Entwicklung. Am Mittwoch schaffte es der Nikkei bis kurz vor Handelsschluss trotz positiver Vorgaben aus den USA nicht ins Plus.

"Die Aktien haben schwere Schläge einstecken müssen. Dahinter stecken japanspezifische Faktoren", sagt Analyst Tsutomu Fujita von Citigroup Global Markets Japan. Einerseits haben japanische Unternehmen zuletzt im Rekordtempo neue Aktien ausgegebene und den Markt dadurch überlastet - "hier passen Angebot und Nachfrage nicht mehr zusammen", so Fujita. Die Großbank Nomura beispielsweise hat sich Milliarden durch die Ausgabe neuer Anteilsscheine besorgt.

Andererseits ist der Yen gegen den Dollar gestiegen, was reflexartig zu Verkäufen führt. Ganze 16 Prozent des japanischen Exports gehen in den Dollar-Raum. Die Folge: Nippon schwächelt. In Japan sank der Aktienwert um 5,1 Prozent, während die globalen Aktienmärkte außerhalb Japans im September um 4,6 Prozent gestiegen sind, rechnet Fujita vor. "Die Aktien haben signifikant underperfomed", so der Anlageexperte.

Trotz des international schlechteren Abschneidens wirken japanische Aktien daher insgesamt nicht unterbewertet. Das Verhältnis der Kurse zu den Gewinnen liegt eher über dem internationalen Schnitt. Die insgesamt hohen Bewertungen liegen im Wesentlichen an der rasanten Aufholjagd nach dem Krisentief im März. Der breit gefasste Index Topix stieg seitdem um 40 Prozent, was die Rallys von Dow Jones und Dax noch übertraf.

Für die kommenden Wochen ist dennoch eine kurzfristige Verbesserung der Lage zu erwarten. "Wenn die Unternehmen bei Vorlage der Quartalszahlen ihre Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr heraufsetzen, wird der Markt darauf reagieren", sagt Seiichiro Iwasawa von Nomura Securities. Vor allem Autoaktien könnten daher in der Quartalssaison profitieren.

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