Jürgen Schlögel
Prozess gegen Leipzig-West-Chef

Ab heute muss sich Jürgen Schlögel, ehemaliger Hauptaktionär der insolventen Wohnungsbaugesellschaft Leipzig West, wegen schweren Betrugs und Insolvenzverschleppung vor Gericht verantworten. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.

FRANKFURT. Der Nürnberger Kaufmann Schlögel soll gemeinsam mit dem Leipzig-West-Vorstand Pierre Klusmeyer rund 5 000 Anleger geprellt haben. Schaden: etwa 27 Mill. Euro.

„Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Anlegerschutzanwalt Jochen Resch. Allein seine Kanzlei vertritt fast 2 000 Anleger mit einer Schadenssumme von mehr als 36 Mill. Euro. Insgesamt gehen Verbraucherschützer und Insolvenzverwalter von knapp 38 000 betrogenen Anlegern aus, die fast 300 Mill. Euro an Schlögel und Klusmeyer verloren haben sollen. Schlögel hatte die 1926 gegründete Baugesellschaft Leipzig West 1991 im Zuge eines Konkursverfahrens erworben. Laut Insolvenverwalter machte er mit dem Unternehmen jedoch nur Verluste – zwischen einer und elf Mill. Mark pro Jahr.

Seit 1999 verkaufte die Gesellschaft vor allem Kleinsparern Anleihen des Unternehmens. Ab 500 Euro Einlage versprachen Schlögel und Klusmeyer vergleichsweise hohe fünf bis sieben Prozent Rendite, bei einer Laufzeit der Inhaberschuldverschreibungen von maximal fünf Jahren.

Doch statt in Immobiliengeschäfte floss ein großer Teil des Geldes an Schlögel und mit ihm verbundene Unternehmen, so die Vorwürfe. Dazu soll unter anderem die ebenfalls Pleite gegangene Kapitalanlagegesellschaft DM-Beteiligungen AG zählen, die nach demselben Muster funktioniert haben soll. Auch hier ermitteln die Staatsanwälte in Düsseldorf, Nürnberg und Leipzig. Anlegerschützer vermuten in beiden Fällen ein Schneeballsystem mit Querverbindungen, das nur solange funktionierte, wie frisches Geld nachfloss.

Spätestens 2004 musste den Angeklagten klar gewesen sein, dass sie weder die Anlegergelder noch die Zinsen würden zurückzahlen können, so die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Leipzig. Dennoch legten Schlögel und Klusmeyer 2006 neue Schuldverschreibungen auf. Im Juli wurde Schlögel verhaftet.

„Wir ermitteln weiter zu den Fällen früherer Jahre“, sagt Oberstaatsanwalt Lutz Lehmann. Genauso wie zu der Frage, ob Schlögel, wie von vielen Anlegerschützern behauptet, Gelder veruntreute, um sein eigenes Luxusleben zu finanzieren. Laut Gutachten des Insolvenzverwalters hat Schlögel für sich selbst fast 100 Mill. Euro aus der Leipzig West abgezogen – von dem Geld fehlt bis heute jede Spur.

Auf der Gläubigerversammlung im November konnte Insolvenzverwalter Lucas Flöther den Geprellten nur wenig Hoffnung machen, dass sie ihr Geld jemals wiedersehen werden. Die vorhandene Masse reiche gerade, um die Kosten des Insolvenzverfahrens zu decken, sagte er. Die Immobilien der Leipzig West werden derzeit per Bieterverfahren versteigert, sie sind größtenteils mit Schulden belastet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%