Kampf gegen die Uhr
Wie Deutsche Anlagen bei Kaupthing retteten

Wieder zittern auch deutsche Sparer: Am Wochenende hat Lettlands Regierung die Verstaatlichung der Parex Bank angekündigt. Das weckt Erinnerungen an die isländische Kaupthing Bank. Diese hatte mit attraktiven Tagesgeldangeboten geworben. Ihre Probleme treffen 30 000 deutsche Kunden, von denen viele um ihr eingefrorenes Geld zittern. Es gibt aber auch Anleger, die ihr Geld gerade noch in Sicherheit gebracht haben. Dabei ging es um Stunden.

DÜSSELDORF. Dieter Kurth ist 62 und lebt in Kronshagen bei Kiel. Der pensionierte Berufsschullehrer hat einen Teil dessen, was er sich fürs Alter angespart hat, als Tagegeld bei Kaupthing-Edge angelegt, der Direkt-Tochter der größten isländischen Bank. "Deren Angebot war im März dieses Jahres einfach deutlich besser als alle anderen", sagt Kurth mit auffallend norddeutschem Akzent: 5,65 Prozent Zinsen, das war ihm zufolge fast ein Prozentpunkt mehr als die Konkurrenz zu bieten hatte. In diesen Fragen ist er stets auf dem Laufenden, surft etwa im Internet diverse Vergleichsportale ab.

Misstrauischen hätte zwar auffallen können, dass die hohen Zinsen vor allem eines waren: ein Risikoaufschlag. Doch auf allen einschlägigen Verbraucherseiten war Kaupthing-Edge über Monate Testsieger, weil sie hohe Zinsen bot und auf den isländischen Einlagensicherungsfonds verwies. Der garantiere bis zu 20 887 Euro pro Sparer. Anders als die lettische Parex Bank, die jetzt mit Problemen kämpft, gehört Kaupthing nicht dem deutschen Einlagensicherungsfonds an. Diese Information hatte auch Dieter Kurth, der deshalb bewusst nicht mehr als 17 000 Euro anlegte.

Er vertraute auf die Werbung der Direkt-Tochter im Internet mir ihrer "starken Mutter" und damit: "Tagesgeld ist in Zeiten unsicherer Börsen zu einer attraktiven und risikolosen Anlage geworden." Diese Versprechen und die hohen Zinsen überzeugten den 62-Jährigen derart, dass er einem befreundeten Nachbarn eine Anlage bei Kaupthing-Edge empfahl. Der transferierte mit wenigen Klicks via Internet 20 000 Euro zu den Isländern.

Anfang Oktober verdichteten sich die schlechten Nachrichten vom Inselstaat im Nordatlantik. Das bekam auch Kurth mit, denn er ist regelmäßig im Internet unterwegs und informiert sich bei TV-Nachrichtensendern - an der Berufsschule betreute er die Spediteursklassen und auch privat interessiert er sich sehr für Wirtschaftsthemen. Am 7. Oktober las Kurth bei Handelsblatt.com von den Zahlungsschwierigkeiten der Kaupthing Bank. Er handelte prompt und zog sein Geld per Online-Überweisung von den Isländern ab.

Seite 1:

Wie Deutsche Anlagen bei Kaupthing retteten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%