Kandidaten wagen sich erst spät aus der Deckung
Banker bangen um Börsengänge nach der Sommerpause

Das erste Halbjahr 2004 hat die hohen Erwartungen der Investmentbanker an den deutschen Markt für Börsengänge enttäuscht. Inzwischen befürchten viele, dass auch die Zeit nach der Sommerpause keinen echten Durchbruch bringen wird.

HB FRANKFURT/M. Mit dem Energieversorger EWE hat bereits ein schwergewichtiger Kandidat seine Pläne abgesagt, und der Börsengang von Hapag Lloyd, der Container- Schifffahrtstochter des Reisekonzerns Tui, wackelt. Ein Frankfurter Investmentbanker fürchtet weitere Rückzieher, falls sich die Marktlage noch einmal verschlechtern sollte. „Im Moment ist es sehr schwierig zu sagen, ob und wie viele Börsengänge wir 2004 noch sehen werden. Die Kandidaten werden sich erst in letzter Sekunde entscheiden, wenn sie sicher sind, dass das Börsenumfeld stimmt.“

Ursprünglich hatten die Investmentbanken für dieses Jahr mit bis zu 20 Neuemissionen in Deutschland gerechnet, doch bislang gelangen nur vier Börsengänge, drei Kandidaten mussten ihre Pläne absagen. Die Milliardenemission der Postbank geriet ebenfalls in Schwierigkeiten. Erst nach einer Senkung der Preisspanne, zeigten die Großinvestoren ausreichend Interesse.

Trotz der fragilen Marktlage mangelt es nicht an Kandidaten für einen Börsengang. „Die Pipeline ist voll“, sagt ein Frankfurter Investmentbanker. „Allerdings hätten alle Banken aus den Turbulenzen rund um die Postbank gelernt. „Die Emissionen werden so vorbereitet, dass man jederzeit an den Markt gehen kann, die endgültige Entscheidung fällt aber erst sehr kurzfristig.“ Ziel sei es, den Emissionsprozess so stark wie möglich zu komprimieren. „Je länger man im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht, desto mehr Zeit haben die Investoren, den Preis herunter zu reden.“ Für langfristige Planungen sei der Markt derzeit zu labil. „Wenn sich die Börsen deutlich stabilisieren, werden wir eine ganze Reihe von Deals sehen“, meint ein anderer Banker. Sollten die Kurse aber noch einmal unter Druck geraten, werde sich möglicherweise kein Kandidat aus der Deckung wagen. Optimistischer zeigt sich Alexander Klemm vom britischen Bankhaus Cazenove: „Für Unternehmen mit solidem oder sogar defensivem Geschäftsmodell, angemessener Kapitalrendite und hohem Cash-Flow steht der Markt durchaus offen“, sagt er. Vorausgesetzt die Bewertungen würden nicht zu hoch angesetzt.

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