Kapitalanlagebetrug
Phoenix-Anleger müssen bis 2015 warten

Die Entschädigung der rund 30 000 betrogenen Anleger des Optionshändlers Phoenix Kapitaldienst droht zum jahrelangen juristischen Hickhack zu werden. Im schlimmsten Fall müssen die Opfer bis 2015 auf ihr Geld warten, fürchtet Insolvenzverwalter Frank Schmitt von der Kanzlei Schultze & Braun.

FRANKFURT. Die Entschädigung der rund 30 000 betrogenen Anleger des Optionshändlers Phoenix Kapitaldienst droht zum jahrelangen juristischen Hickhack zu werden. Im schlimmsten Fall müssen die Opfer bis 2015 auf ihr Geld warten, fürchtet Insolvenzverwalter Frank Schmitt von der Kanzlei Schultze & Braun. So lange könnten sich die diversen Prozesse zwischen Opfern und Insolvenzverwalter hinziehen.

Es geht um die Verteilung der rund 230 Mio. Euro Insolvenzmasse, die übrig geblieben sind vom wohl größten Kapitalanlagebetrug der deutschen Nachkriegsgeschichte. Rund 550 Mio. Euro hatten Anleger dem Optionshändler Phoenix anvertraut. Doch statt zweistelliger Renditen produzierte das Unternehmen Verluste, Scheingeschäfte und ein Schneeballsystem und musste im März 2005 Insolvenz anmelden. Seitdem warten die Anleger auf ihr Geld. Und das werden sie weiter tun müssen.

Ursprünglich sollten sie per Insolvenzplan ein Drittel ihres eingesetzten Kapitals plus drei Prozent Zinsen bekommen. Darauf hatte sich die Mehrheit im Frühjahr 2007 geeinigt. Doch der größte Phoenix-Gläubiger, die irische Citco Global Custody kippte den Plan vergangene Woche vor dem Bundesgerichtshof.

Jetzt muss Insolvenzverwalter Schmitt einzeln ermitteln, wie viel Geld jedem Opfer zusteht. Fühlen sich die Betroffenen dabei ungerecht behandelt, geht jeder Fall vor Gericht und durch die Instanzen.

Zudem streitet Schmitt vor dem Oberlandesgericht Frankfurt derzeit mit Citco darum, ob die von ihr eingezahlten 9,2 Mio. Euro auf einem Treuhandkonto verwahrt wurden und damit nicht zur Insolvenzmasse gerechnet werden dürfen. Gibt das Gericht Citco recht, dann gilt dies auch für jene insgesamt 160 Mio. Euro, die auf Phoenix Treuhandkonten lagern. "Dann müssen sich alle 30 000 Anleger untereinander einigen wie das Geld zu verteilen ist", sagt Schmitt. Und das kann dauern. Vorher darf er auch die restlichen rund 70 Mio. Euro aus der Insolvenzmasse nicht verteilen.

Teuer wird der Rechtsstreit jetzt auch für die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW). Sie sollte die Anleger mit rund 170 Mio. Euro zusätzlich zur Ausschüttung aus der Insolvenzmasse entschädigen - aber nur bei gültigem Insolvenzplan. Jetzt muss sie mit rund 50 Mio. Euro mehr Kosten rechnen, hieß es im Umfeld der Behörde. Diese seien allerdings schon kalkuliert und stellten keine zusätzliche Belastung dar.

Auch die EdW kann den Phoenix-Opfern nur Teile des ihnen zustehenden Geldes auszahlen, solange nicht über die Insolvenzmasse entschieden ist. 128 Mio. Euro will sie in einem ersten Schritt aufwenden. Fast vier Millionen hat sie bereits an rund 600 Anleger bezahlt, 1 700 Anträge abgelehnt. Bis Jahresende will die EdW 10 000 Fälle entschieden haben und etwa 45 Mio. Euro auszahlen. - Schneller ginge es nur, wenn sich die Opfer vorher auf die Verteilung der Insolvenzmasse einigen.

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